»Es fehlt am gesunden Augenmaß«

Felicitas Schneider, Expertin für Foodwaste am Thünen-Institut (Braunschweig), appelliert an unser Augenmaß und das Überdenken kontraproduktiver Normvorstellungen.

Bild: Pixabay/adonyig.

BIORAMA: Am meisten Foodwaste fällt zuhause an. Wie sehr fällt ins Gewicht, dass Menschen nicht wissen, dass vieles auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gegessen werden kann?
Felicitas Schneider: Weniger als angenommen. Mittlerweile vertrauen die Menschen auch ihren Sinnen und wissen, dass sie von einem Schluck saurer Milch keine Lebensmittelvergiftung bekommen. Eher geht es um Kochplanung und Kreativität – was hab ich zuhause? Muss ich streng nach Rezept kochen? Es fehlt insgesamt am gesunden Augenmaß, wie man mit Lebensmitteln umgeht. Ich hab KollegInnen, die das darauf zurückführen, dass die Hauswirtschaftsfächer aus den Schulen verschwunden sind.

Der Handel ist direkt nur für vier Prozent des Foodwaste verantwortlich. Aber viele Waren landen gar nicht erst im Laden. Warum?
Etwa weil angelieferte Ware nicht den Handelsnormen entspricht. Erdbeeren zum Beispiel brauchen einen bestimmten Durchmesser. Leicht Verderbliches wie Salat leidet beim Transport. Vieles wird bereits vorab aussortiert oder gar nicht geerntet. In der Statistik wird das nicht dem Handel zugeschlagen.

52 Prozent des Foodwaste fallen zuhause an. Bleibt nicht ein unlösbares Problem, dass der Handel davon profitiert, wenn wir zu viel kaufen?
Ja, ich hab mich anfangs auch gefragt, warum der Handel Kampagnen fürs Restekochen oder das richtige Lagern unterstützt. Offenbar ist wichtig, dass KonsumentInnen nicht das Gefühl haben, dass sie etwas wegwerfen müssen, weil ihnen etwas untergejubelt wurde oder nicht frisch war. Es gibt jedenfalls sehr gute Aktionen des Handels, die das Vermeiden von Foodwaste zuhause unterstützen.

Felicitas Schneider

Felicitas schneider,
Expertin für Foodwaste am Thünen­-Institut (Braunschweig). Bild: Thünen-Institut.


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