Buchrezension: »Wir füttern die falschen Kühe«

Leo Steinbichler schreibt über Missstände in der österreichischen Land- und Lebensmittelwirtschaft.

»Wir füttern die falschen Kühe«
Bild: Istock.com/Rike.

»Es war mir vergönnt, das System Politik über lange Zeit von innen heraus zu studieren und in seiner bestehenden Form missachten zu lernen«, schreibt Leo Steinbichler, völlig ohne Ironie – wie er wohl auch mit Bedacht vom Missachten und nicht vom Verachten spricht. Steinbichler, Oberösterreicher des Jahrgangs 1959, Rinderbauer, Tierschützer und mittlerweile im Nebenerwerb Versicherungsvertreter, war Standesvertreter aus Überzeugung. Er war Bundesrat, Nationalrat, erst für die ÖVP; dann, nach seinem Ausschluss (Steinbichler ist einer, der ohne Rücksicht und Parteiräson auch Missstände »im eigenen Stall« anprangert) für das skurrile Team Stronach. Heute formuliert er seine Kritik am herrschenden Polit- und Lebensmittelsystem in Buchform. Leo teilt aus – und das wirklich in alle Richtungen. Raiffeisen, Molkereien, die AMA, Gütesiegel und, natürlich, Massentierhaltung und Nahrungsmittelindustrie. Er räumt mit den »linientreuen Ja-Sagern meiner eigenen Partei« ebenso auf wie er Kanzler Kreisky, die »Sozialisten« und die pleitegegangene rote Genossenschaft »Konsum« beschuldigt, das tägliche Schnitzel und Billigfleisch propagiert und populistisch die kleinstrukturierte Landwirtschaft geopfert zu haben. Den Bauern sieht er dabei als Rad im Getriebe, das sich dreht – und mitdrehen muss. Ein lesenswertes Buch, das sehr viel über das inoffizielle Österreich erzählt. Amüsant und ernüchternd, mitunter erhellend und manchmal sogar ermutigend.

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BIORAMA #87

Dieser Artikel ist im BIORAMA #87 erschienen

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