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Auch Bio-Avocados sind verdammt durstig

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Avocado

Die Avocado ist im Jahr 2017 längst Standard-Zutat moderner, gesunder Küche. Doch der Tausendsassa ist in Sachen Umweltbilanz nicht ganz unschuldig.

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Ob Guacamole, im Salat oder in einer Tarte verarbeitet, Avocados kann mal heutzutage in fast jedes Gericht einbauen. Das sieht meistens auch super aus. Auch findet man kaum mehr ein Innenstadt-Lokal, das das Superfood nicht gleich neben glutenfreiem Brot auf der Karte stehen hat. Die grüne Frucht enthält gesunde Fette und ist arm an Kohlenhydraten. Kein Wunder, dass sich der Import von 28.000 Tausend Tonnen im Jahr 2010 auf 45.000 Tonnen nur fünf Jahre später gesteigert hat, so die Zeit in ihrem großen Avocadocheck. Jeder will sie und jeder bekommt sie heute auch das ganze Jahr über in den Regalen der Supermärkte. Doch hat der Avocado-Hype auch Schattenseiten?

Anbaugebiete werden illegal abgeholzt

Die Frucht kommt von weither. Aus dem 10.000 Kilometer entfernten Peru, dem 9.000 Kilometer entferntem Südafrika oder dem „nur“ 2.000 Kilometer weit entferntem Spanien. Da nicht das ganze Jahr über geerntet werden kann, wird abgewechselt. Im Winter beliefern Brasilien, Chile und Spanien, im Sommer Südafrika und Peru unsere Supermarktregale in Europa. Alles Länder, die mehr oder weniger stabil sind. Auch Mexiko ist in den letzten Jahren auf den Trend der anwachsenden Avocadoabsätze aufgesprungen. Doch hier gibt es auch Probleme, denn wenn die grüne Frucht viel Gewinn verspricht, jedoch nicht genügend Anbaufläche vorhanden ist, werden viele Hektar Wald illegal gerodet, um dort Avocadobäume zu pflanzen. Im Jahr 4.000 Hektar Nadelbäume, die verloren gehen, sagt Jaime Navia Antezana von der Agrar- und Umweltorganisation Gira zur taz. In den circa 20 bis 30 Tagen, die ein Avocadofrachter von der südlichen Hemisphäre ins kalte Mitteleuropa braucht, wird die Avocado gekühlt, um den Reifeprozess zu unterbrechen. Bei sechs Grad Celsius in einem luftfeuchtigkeit-regelbaren Container wird sie in die Landebrücken der großen Häfen verschifft und mit dem LKW weiter zu Zwischenhändlern oder endgültigen Verkäufern transportiert. Sie hat damit einen weiteren Weg zurückgelegt, als er bei vielen Menschen im jährlichen Urlaub zusammenkommt.

Wasser geht verloren

Neben der Fläche, die für den Anbau der Avocado gebraucht wird, ist es auch der immens hohe Wasserverbrauch, der die Avocado zu einem Umweltsündiger macht. Eintausend Liter Wasser gehen meist bei einem Kilogramm Avocado drauf – das sind gerade einmal zwei bis drei Früchte. Meist wird Tröpfchenbewässerung eingesetzt, wenn möglich das Wasser aus Bergen hergenommen. Doch wenn keine regenreiche Zeit ansteht und Berge nicht genügend Wasser liefern, wird das Grundwasser benutzt. In Spaniens Gemüseanbaugebieten sinkt der Spiegel seit Jahren drastisch ab, es wird immer trocknener, die Pflanzen müssen noch mehr künstlich bewässert werden. Ein Teufelskreis. Auch in Südafrika ist das Wasser wegen des El Nino Phänomens in den letzten Jahren zu einer wertvollen Ressource geworden. Wie die Zeit in ihrer Recherche berichtet, sind dort bereits Tausende Rinder an der Wasserknappheit verdurstet. Und doch werden die riesigen Plantagen weiterhin großzügig gegossen.

Zwar braucht die Butterfrucht, so wurde sie früher genannt, keine Pestizide zum Wachsen, doch trotzdem ist sie immer wieder ein wenig belastet durch chemische Schutzmittel, die zusammen mit dem Wasser aus dem Boden gefördert werden. Mineralische Dünger wie Salze werden im Gegensatz zu Pflanzenschutzmitteln hingegen oft eingesetzt und gelangen so ins Grundwasser und verseuchen das überlebenswichtige Element einer ganzen Region, wie Utopia anschaulich beschreibt.

Als Brotaufstrich und Beilage zu mexikanischen Gerichten macht sich Guacamole recht gut. © Sarah Krobath

 

Eine Farm mit Schule und Krankenstation

Der Anbau der Avocado ist ziemlich aufwändig. Zuerst werden die Wurzeln in einem dunklen Raum gezogen, dann mit Hormonen gefüttert bis sie in einem anderen Baum wie zum Beispiel einem Apfelbaum heranwachsen. Diese schwierige Zucht lohnt sich oft nur für große Farmen, mit riesigen Anbauflächen und noch mehr Personal für die Phasen der Wurzelbildung bis hin zum Verpacken und Verschiffen. Farmen, die mit ihrer Fläche mit dem deutschen Bundesland Hamburg konkurrieren können. Die Personalzahl ähnelt einer Kleinstadt, in der es nicht nur einen Krankenwagen gibt, sondern auch eine Krankenstation, eine Schule für die Kinder der Angestellten, sogar einen eigenen Flughafen. Diese Megaunternehmen können freilich zu ganz anderen Preisen produzieren als kleine, bäuerliche Betriebe. Hightech wie Ultraschalluntersuchungen des Inneren einer Avocado können sich kleine Landwirte nicht leisten, sie müssen oft den größeren Konkurrenten Platz machen.

Bio ist genauso wasserintensiv, aber auch von kleineren Farmen

Avocados in Bio-Qualität sind nicht viel besser in ihrer Ökobilanz, denn auch sie verbrauchen viel Wasser und werden über ganze Ozeane transportiert. Auch sie müssen gekühlt und verpackt werden. Manche großen Farmen bauen neben konventionellen auch Bio-Avocados an und können so effizienter bewässern, doch im biologischen Anbaubereich gibt es auch kleinere Betriebe mit sozialen und nachhaltigen Programmen für die Arbeiter.


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