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Willi und Denni – nicht von dieser Welt

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Planet Willi innen 1

(c) Müller: Planet Willi, Klett Kinderbuch.

„Planet Willi“ und „Denni, Klara und das Haus Nr. 5“ sind ganz besondere Bücher über ganz besondere kleine Menschen, von denen zumindest einer wirklich existiert, nämlich Willi. Die beiden Jungen haben „einfach ein bisschen mehr mitgekriegt“, wie Klara erkennt, als ihr das Down-Syndrom erklärt wird. „Mehr Freude. Mehr Staunen. Mehr Wundern. Mehr Nettsein. Mehr Anderssein.“ Die Bücher helfen mit, den eigenen Blickwinkel zu ändern – unschätzbar wertvoll!

Planet Willi Cover

(c) Müller: Planet Willi, Klett Kinderbuch.

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Ein untypisches Bilderbuch mit naiven, farbenfrohen und flächigen Illustrationen ist „Planet Willi“. Nach der Lektüre ist klar, dass man einen großen Liebesbeweis von Birte Müller in Händen hält, und eigentlich hätte ich es bereits vermuten können, als ich das vorangestellte Zitat von Erich Fried gelesen hatte: „Das Leben wäre vielleicht einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte. Es wäre nur nicht mein Leben.“ Birte Müller hat Willi getroffen, er war von einem anderen Planeten gekommen. Es war ihr Baby, das ganz anders war, als sie erwartet hätte, denn es kam schwer krank auf die Welt – mit dem Down-Syndrom. Willi hat glücklicherweise überlebt, er ist nun ein quietschvergnügtes Kleinkind und hat schon vieles auf dieser Welt gelernt. Das Leben mit Willi ist dennoch chaotisch, was Birte Müllers Zeichnungen eindrucksvoll bestätigen. Willi kann seine Emotionen schwer kontrollieren, einmal ist er der überglücklichste Mensch, dann wiederum der starrköpfigste. Aufpassen müssen Willis Eltern zu jeder Zeit: Willi läuft manchmal einfach weg – und wenn er ein Auto sieht, kann es passieren, dass er ohne zu schauen auf die Straße läuft. Musik zu hören und zu trommeln ist Willis Leidenschaft und Tiere liebt er über alles – manchmal würde er am liebsten die ganze Welt umarmen und abknutschen. Außenstehende verstehen das häufig nicht.

(c) Müller: Planet Willi, Klett Kinderbuch.

(c) Müller: Planet Willi, Klett Kinderbuch.

Die Kommunikation fällt dem Buben sehr schwer, weshalb in der Familie oft gebärdet wird. Willis jüngere Schwester Olivia, die mit dem „Normal-Syndrom“ auf die Welt gekommen ist, findet Willi vollkommen normal, so wie er ist – und seine schlappe, häufig aus dem Mund herausschauende Zunge gehört ganz einfach zu ihm. „Das Leben mit so einem wilden kleinen Außerirdischen kann zwar ganz schön nervig sein“, schreibt Birte Müller, „aber wer behauptet, Willi hätte lieber auf seinem eigenen Planeten bleiben sollen, der kennt ihn einfach nicht und hat von ihm noch nicht das Lieben gelernt.“ Das sind starke Worte einer Mama, und sie bleiben im Gedächtnis. Genau das soll dieses Buch bewirken: Willis Geschichte ist berührend und erklärt selbst kleinen Kindern auf einfühlsame Art und Weise, was behinderte Menschen so besonders macht.

(c) Brigitte Weber: Denni, Klara und das Haus Nr. 5, Verlag Freies Geistesleben.

(c) Werner: Denni, Klara und das Haus Nr. 5, Verlag Freies Geistesleben.

„Denni, Klara und das Haus Nr. 5“ ist eine Geschichte über eine besondere Freundschaft, das Entdecken des Andersseins und die Freude daran und über viele Wunder zum Staunen. So steht es unter dem Titel, und eigentlich sind die Erkenntnisse nach der Lektüre so vielschichtig, dass man sie nicht in wenigen Worten zusammenfassen möchte. Zu diesem Kinderroman steuerte Birte Müller die gefühlvollen, aussagekräftigen Schwarzweißzeichnungen bei, der Text stammt von Brigitte Werner. Im Haus in der Bebelstraße Nr. 5 lebt Klara mit ihrer Mutter, die anderen Mieter kennt das Mädchen nur flüchtig: die giftige Frau Schönegans, die hübsche Frau Miera und den dicken Hausmeister Karl Heinz Krabetzki mit seiner Dackelschäferhundpudelbestie Lothar. Zwei Tage vor den Sommerferien, als ins Haus Nr. 5 ein kleiner Junge namens Denni mit seinem Vater einzieht, ändert sich Klaras Leben auf einen Schlag. Anfangs ist das Mädchen von Dennis unmissverständlicher, impulsiven Ausdrucksweise und seinen besonderen Augen irritiert, doch schon bald hat sie sich mit dem Jungen angefreundet. Als die beiden Kinder vorschlagen, die Sommertage gemeinsam zu verbringen, willigt Dennis Vater ein. Sie dürften nur keinen Blödsinn machen und müssten Bescheid geben, wo sie gerade seien. Innerhalb kürzester Zeit wird Klara mit den zahlreichen Vorurteilen gegenüber Denni konfrontiert: „So einer hat uns hier gerade noch gefehlt!“, meint Frau Schönegans. Der sei doch nicht ganz richtig im Kopf. Maren und Sven, ältere Kinder, denen Klara lieber aus dem Weg geht, bezeichnen Denni als „plemplem“. Behindert sei er und voll das Mondgesicht hätte er. Der Hausmeister ist der Meinung, dass solche Menschen in Heimen untergebracht werden sollten. Obwohl er häufig geknickt wirkt und seine Emotionen kaum in Zaum halten kann, tritt Denni weiterhin allen Menschen positiv gegenüber. So schafft er es schließlich auch, die Herzen der HausbewohnerInnen zu öffnen. Plötzlich steht sogar Frau Schönegans‘ Wohnungstür für die beiden Freunde offen, es wird zusammen gekocht und Post für alle Hausbewohner gebastelt. Die gemeinsam verbrachten, schönen Sommertage werden ganz unvermittelt getrübt: Der Hausmeister beobachtet Klara und Denni am Friedhof beim bedächtigen Reinigen eines für sie belangvollen Engels und beschuldigt sie der Grabschändung. Als Konsequenz soll Denni die restliche Ferienzeit bei seiner Tante verbringen. In seiner Abwesenheit bekommt Klara über Briefe Einblick in Dennis angegriffene Gefühlswelt. Das Mädchen nimmt alle Kraft zusammen. Mithilfe der HausbewohnerInnen enden die Schulferien doch noch mit genialen Wundertagen.

(c) Werner: Denni, Klara und das Haus Nr. 5, Verlag Freies Geistesleben.

(c) Werner: Denni, Klara und das Haus Nr. 5, Verlag Freies Geistesleben.

Mein Fazit: „Planet Willi“ und „Denni, Klara und das Haus Nr. 5“ sind warmherzige Bücher, die das Anderssein behinderter Menschen geschickt thematisieren und Kindern unterschiedlicher Altersklassen konkrete Wege zur Integration zeigen. Die gemeinsame Lektüre ist auch – und vielleicht gerade dann – empfehlenswert und wertvoll, wenn es keine Kinder mit Down Syndrom in der Schule, im Bekannten- oder Verwandtenkreis gibt. Es sind nämlich die kleinen Schritte, die bewirken können, dass Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft eines Tages vorurteilsfrei akzeptiert werden.

Birte Müller wurde 1973 in Hamburg geboren, wo sie auch heute als Bilderbuchillustratorin, Autorin und Kolumnistin arbeitet. Sie studierte Buchillustration und Malerei in Hamburg, Mexiko und Bolivien. Ihr toller Sohn Willi kam 2007 mit dem Down-Syndrom zur Welt und ihre süße Tochter Olivia nur kurze Zeit später mit dem Normal-Syndrom. Zudem hat Birte Müller auch noch einen autoverrückten Ehemann, Eltern, die ihr notfalls die Wäsche waschen, ein spießiges Reihenhäuschen, eine Vorliebe für weite Reisen, Erdbeeren und zweitklassigen Fußball (sie ist St. Pauli-Fan) und leider keine Zeit mehr zum Marathon laufen. Birte Müller macht Lesungen und Workshops mit Kindern überall in der Welt. Von ihr sind bereits zahlreiche Bilderbücher, auch mit eigenen Texten, erschienen, die in 12 Sprachen übersetzt wurden.

Brigitte Werner, geboren 1948, lebt und arbeitet im Ruhrgebiet und an der Schlei. Sie wollte immer Lehrerin werden, aber noch lieber wollte sie Geschichten erzählen. Nach zehn Jahren Schuldienst und einem Berg ungeschriebener Bücher ist sie umgestiegen in das Leben ohne festes Gehalt, ohne Chef und Vorschriften, aber mit einem Sack voller Lebensideen. Sie hat in ihrem Kindermitspieltheater gespielt, gewerkelt und die Stücke geschrieben, hat ein paar Preise bekommen und schreibt nun für Kinder und Erwachsene.

„Planet Willi“ von Birte Müller ist im Klett Kinderbuch Verlag erschienen. 32 Seiten. Für Kinder ab 4 Jahren.

Nicht als E-Book erhältlich.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: Inhalt 135g Hello Fat matt 1,3-fach Natural (inkl. VS/NS), Bezug 135g Bilderdruck matt
Druckfarben: keine Angabe
Gedruckt: in Lettland

 „Denni, Klara und das Haus Nr. 5“ von Brigitte Werner ist im Verlag Freies Geistesleben erschienen. 149 Seiten. Für Kinder ab 7 Jahren.

Blickpunkt Umweltschutz und Nachhaltigkeit:

Papier: 120 g/qm hfr. blw. Werkdruck geglättet 1,5faches Volumen
Druckfarben: mineralölfreie Druckfarbe
Gedruckt: in Deutschland

 

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