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Nahgenuss: „Bauern fehlt positives Feedback auf ihr Schaffen“

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Die Gebrüder Beiglböck (Mitte und rechts) neben dem Biobauern Glatz mit seinen Turopolje-Schweinen. (Foto: Julia Rauchenberger)

Vor einem halben Jahr von Food-Bloggern zum Bio-Startup des Jahres gewählt. Was hat sich bei „Nahgenuss“, der Genussplattform zur Vermarktung von Bio-Schwein, seither getan. Lukas Beiglböck im Interview.

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BIORAMA: Es ist ziemlich genau ein halbes Jahr her, dass ihr auf dem Biocamp von Food-Bloggern zum „Bio-Startup 2016“ gewählt wurdet. Was hat sich denn seither getan?
Lukas Beiglböck: Die Vielfalt an alten Schweinerassen, die wir anbieten können, wurde größer. Es gibt alte Rassen wie Porc Gascon, Managlitza, Turopolje und Duroc als Frischfleisch, aber hier übersteigt oft die Nachfrage noch bei weitem das Angebot. Mittlerweile haben wir in 6 Bundesländern Bio-Partnerbauerhöfe; es fehlen noch das Burgenland, Kärnten und Vorarlberg. Aber auch hier sind bereits Bio-Bauernhöfe in den Startlöchern.

Klar: wir können uns Idealismus nur leisten, weil wir noch keine Kinder haben und so recht sparsam leben können. (Lukas Beiglböck)

Nahgenuss ist eine Plattform, die Bio-Schweinemäster und Konsumenten über die gemeinsame Wertschätzung von hochwertigem Fleisch zusammenbringt. Die Ausgangsidee: Anspruchsvolle Konsumenten bestellen bei euch Viertel vom Schwein. Sowohl Bauer als auch Konsument bekommt auf diesem Weg einen guten Preis, außerdem werden so alle Teile vom Schwein verwertet. In der ersten Start-up-Phase überprüfen Gründer oft ihre Geschäftsidee und machen da und dort Anpassungen. Gab es die bei euch auch?
Lukas Beiglböck: 
Es gibt immer Kleinigkeiten und Überraschungen, aber im großen Ganzen bleiben wir unserer Idee treu. Wir haben uns bewusst für Schwein entschieden, weil Schwein das meistgegessene Fleisch in Österreich ist. Für Bio ist es aber gleichzeitig die schwierigste Fleischkategorie. Der Bio-Anteil bei Schweinefleisch liegt bei nur ca. 1,5 Prozent; zum Vergleich beim Rind sind es 17 Prozent. Unser Commitment hier gemeinsam mit Bio-Bauern Alternativen zum Billigfleisch schmackhaft zu machen, ist sicher noch gestiegen.

Ferkelglück am Biohof Glatz. Später einmal wird das Fleisch der Turopolje-Schweine über Nahgenuss vermarktet. (Foto: Lukas Sauseng)

Vor einem halben Jahr habt ihr im Interview gesagt, dass ihr 1.000 Schweine im Jahr vermitteln und verkaufen müsstet, damit es für dich und deinen Bruder zum Leben reicht. Von welchen Stückzahlen sprechen wir heute?
Lukas Beiglböck: 
Wir sind unseren Zielen auf den Fersen – bei allem Idealismus –, auch wir müssen irgendwann schwarze Zahlen schreiben. Pro Monat verkaufen wir im Moment für unsere Bauern ca. 20 Schweine. Die Nachfrage ist teils größer als unser Angebot. Wir hoffen bis Ende des Jahres auf bis zu 40 Partnerbauernhöfe erhöhen zu können. Aber klar: wir können uns Idealismus nur leisten, weil wir noch keine Kinder haben und so recht sparsam leben können.

Könnt ihr nach einem halben Jahr schon sagen, wer genau eure Kunden sind?
Lukas Beiglböck: 
Die Bauern sind immer ganz fasziniert über die bunte Mischung ihrer Kunden, von der Verkäuferin bis zum Manager, vom Städter bis zum Nachbarn aus dem Ort. Wenn ein Bauer erzählt, er hat sich vor dem völlig tätowierten Kunden schon geschreckt und der sich dann aber eh als sehr nett herausgestellt hat, sieht man welche Welten da oft aufeinander treffen. Insofern macht es uns auch Spaß, wenn sich Menschen aus völlig verschiedenen Welten kennenlernen.

Gab es Kundenfeedback, das euch überrascht hat?
Lukas Beiglböck: 
Das Feedback ist durchgehend sehr positiv – von den Kunden, aber auch von den Bauern. Was wir unterschätzt haben ist, wie sich die Bauern und Bäuerinnen über positives Feedback für ihre Arbeit freuen. Etwas, das sie sonst nicht bekommen, wenn sie nicht in der Direktvermarktung tätig sind. Wertschätzung für die eigene Arbeit zu erfahren, gibt vielen Bauern und Bäuerinnen wirklich viel. Prinzipiell wäre mehr Wertschätzung im Alltag für alle gut.

Was wir unterschätzt haben ist, wie sich die Bauern und Bäuerinnen über positives Feedback für ihre Arbeit freuen. (Lukas Beiglböck)

Eine Prognose: Was wird bei Nahgenuss im kommenden Halbjahr passieren?
Lukas Beiglböck: 
Wir wollen im nächsten Schritt noch mehr Schweinerassen anbieten können und in allen Bundesländern präsent sein. Wir werden auch noch viel mehr Gegenden lokal abdecken. Der Onlineversand macht objektiv aus Umweltgründen durchaus Sinn. Da wollen wir uns definitiv steigern, weil wir da Potentiale auch für kleine Bio-Bauern sehen, die es sonst schwer haben. Wenn wir die Schweine halbwegs erfolgreich auf Schiene haben, wird Lamm- und Rindfleisch folgen.


Weiterlesen? „Vier Viertel vom Schwein“ – ein Porträt aus dem Oktober 2016.

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Thomas Weber

Herausgeber

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