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Gras-Verpackung für Bio-Obst und -Gemüse

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Paradeiser in Gras-Hülle: Das Verpackungsmaterial besteht zum einen Teil aus FSC-Zellstoff, zum anderen Teil aus Gras, welches nicht als Viehfutter genützt werden könnte. (Foto: Rewe)

Paradeiser in Plastik-Verpackung? Bei konventionellem Gemüse noch gang und gäbe, nicht aber bei fortschrittlichen Bio-Vermarktern. Wir sprachen mit Nicole Boulaxis, bei „Ja! Natürlich“ für Green Packaging zuständig, über die neue Gras-Verpackung von Bio-Obst und Gemüse.

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Seit Kurzem liefert „Ja! Natürlich“ erste Bio-Produkte in Gras-Verpackung aus. Die Verpackung von Bio-Obst und Bio-Gemüse wird von Konsumenten zwar immer wieder kritisiert, ist aber deshalb erforderlich, um in Supermärkten eine Verwechslung mit konventioneller Ware auszuschließen. Als erstes werden nun Bio-Äpfel und Bio-Paradeiser in nachhaltiger Gras-Verpackung verkauft. Wir baten Nicole Boulaxis, Senior Produktmanagerin bei Ja! Natürlich und Projektleiterin für Green Packaging, zum Interview.

BIORAMA: Was spricht für Graspapier und welche Produkte lassen sich damit am besten verpacken?
Nicole Boulaxis: Der große Vorteil ist, dass die Verpackung zu 100% aus nachwachsenden Rohstoffen besteht: aus Gras und aus Holz. Das Gras kommt von extensiv bewirtschafteten und ökologisch wertvollen Wiesen, das Holz aus FSC-zertifizierten Wäldern. Das bedeutet einen deutlich geringeren Wasser- und Energieverbrauch. Und kurze Transportwege von der Produktion bis zu unseren Bio-Bauern schonen die Umwelt. Außerdem ist die Gras-Verpackung zu 100% recyclebar.

Welche Produkte lassen sich am besten verpacken?
Nicole Boulaxis: 
Die größten Vorteile bieten sich bei Produkten, bei denen Feuchte auftreten kann, z.B. Kondenswasser bei Obst und Gemüse, oder bei Molkereiprodukten. Da Graswellpappe eine höhere Nassfestigkeit als konventionelle Wellpappe aufweist, haben wir hier einen echten Vorteil gegenüber normalen Papier- und Pappenmaterialien.

Werden und können Tassen aus Graspapier alle Kartonagen ersetzen?
Nicole Boulaxis: 
In Zeiten öffentlicher Diskussionen zu Ressourceneinsatz und Verringerung desselben ist es sehr sinnvoll Graspapier möglichst breit einzusetzen. Prinzipiell ist Graspapier überall da einsetzbar, wo heute Papiere, Pappen und Wellpappen eingesetzt werden. Eine Ausweitung des Graspapiers als nachhaltiges Verpackungsmaterial ist durchaus denkbar – abhängig natürlich davon wie der Testlauf der Ja! Natürlich-Paradeiser und bei unseren Äpfel verläuft.

Woher stammt denn das Graspapier?
Nicole Boulaxis: Das Graspapier wird für den Testlauf in einer Papierfabrik in Deutschland hergestellt. Es wird dann in Österreich weiterverarbeitet und bedruckt. Bei einer Ausweitung des Graspapiers auf andere Produkte ist es Ziel, dass alle Partner aus Österreich kommen.

Im Februar auf der Biofach in Nürnberg als Sensation gefeiert: die Laser-Markierung von Bio-Obst. Seither hat Ja! Natürlich gute Erfahrungen mit diesem „Natural Brandung“ gemacht. (Foto: Thomas Weber)

Für Holz gibt es (noch) keine Bio-Zertifizierung, sondern bislang nur FSC. Das Graspapier besteht allerdings zu 40 Prozent aus sonnengetrocknetem Gras – stammt es aus biologischer Landwirtschaft?
Nicole Boulaxis: 
Das Gras stammt von Ausgleichsflächen, die laut EU-Regelung eben nicht bewirtschaftet werden dürfen, aber mehrmals jährlich gemäht werden müssen. D.h. das Gras wird nicht gedüngt und hat keine besondere Qualität, es ist naturbelassen.

Sie arbeiten laufend daran, Verpackungen zu verbessern. Wo besteht noch am meisten Handlungsbedarf?
Nicole Boulaxis: 
Vor allem bei unserem Obst und Gemüse konnten wir in Sachen Green Packaging schon viele Erfolge erzielen: Zellulosefolie, Zellulosenetze oder Natural Branding bei den Avocados. In anderen Bereichen haben wir sicher noch Nachholbedarf und sind stetig bemüht neue Verpackungsalternativen zu finden und zu testen.

Das so genannte „Natural Branding“ mit Laser in der Schale von Obst und Gemüse war im Winter die Sensation auf der Biofach in Nürnberg. Im Frühjahr hat Ja! Natürlich damit erste Versuche mit Avocados unternommen. Wie waren die Erfahrungen mit der Lasermarkierung?
Nicole Boulaxis: 
Die Erfahrungen waren sehr gut. Das Natural Branding ermöglichte eine klare Wiedererkennung der Produkte als Bio-Artikel. Die Qualität der Ware wurde durch das Branding nicht beeinträchtigt. Die Kundenreaktionen waren sehr positiv. Es gab sehr viele Reaktionen vor allem auf den sozialen Netzwerken. Die Kunden beurteilen, dass das Natural Branding sehr gut zu Bio passt.

Künftig in Gras-Verpackung statt klassischer Papp-Kartonage: die Bio-Äpfel von Ja! Natürlich. (Foto: Rewe)

„Ja! Natürlich“ ist eine Eigenmarke der Rewe-Gruppe und deckt dort das Premiumsegment ab. Gibt es Beispiele für nachhaltige Verpackung von „Ja! Natürlich“, die in Folge auch von anderen Marken übernommen wurden?
Nicole Boulaxis: 
Aktuell wurden von den Eigenmarken noch keine nachhaltigen Verpackungen von Ja! Natürlich aufgenommen. Wir sind hier Vorreiter.

Österreich gilt als Bio-Musterland. Wie sieht es denn in Sachen ökologisches Verpackungs-Knowhow aus? Ist Österreich da auch Vorreiter?
Nicole Boulaxis: 
Ja! Natürlich ist mit seiner Bereitschaft in neue Projekte und Verfahren zu investieren Wegbereiter nachhaltige Ideen aus Österreich und seinen europäischen Nachbarländern in die Realität umzusetzen. Der österreichische Markt mit seinen aufgeklärten und anspruchsvollen Kunden unterstützt die Bemühungen Verpackungsmaterialien und -konzepte zu entwickeln, die nachprüfbar ökologisch sind.


Weiterlesen zum Thema? Bereits vor einiger Zeit haben wir uns in einer Schwerpunkt-Ausgabe mit dem Thema Verpackung beschäftigt.

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