Wo der Fuchsbandwurm zu Hause ist

In kaum einer Gegend sind so viele Füchse mit dem Fuchsbandwurm infiziert wie in Niederösterreich...

Ausgewachsener Fuchsbandwurm, links die stark vergrößerte Proglottis.
Bild: Alan R Walker CC BY-SA 3.0

Rund 30 Prozent der in Niederösterreich untersuchten Rotfüchse wurden in einer 2022 veröffentlichten Studie positiv auf den Fuchsbandwurm getestet, in einzelnen Regionen – vor allem im Waldviertel – lag der Anteil sogar bei über 50 Prozent. Warum gerade dort höhere Werte gemessen wurden, ist unklar. »Das könnte mit dem Nahrungsverhalten einzelner Fuchsgruppen zusammenhängen«, sagt Anja Joachim, Leiterin des Instituts für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmed) und Teil der Studiengruppe. Manche Füchse ernähren sich überwiegend von Fröschen statt von Mäusen und hätten damit ein geringeres Infektionsrisiko. Entscheidend ist der Expertin zufolge zudem, wie stark eine lokale Mäusepopulation infiziert ist. Die Zahlen der infizierten Füchse jedenfalls seien seither relativ stabil geblieben. In Österreich habe sich die Situation offenbar »eingependelt«. In Teilen Nordeuropas, etwa im Baltikum, steige die Rate infizierter Füchse dagegen weiterhin deutlich an.

Ein Fuchs auf einer Wiese.
Fuchs im Garten: Füchse sind längst auch in Siedlungsräumen unterwegs und können damit potenziell Bandwurmeier in Gärten eintragen. Bild: Istock.com/Kaja Hiis.

Viele Füchse – wenige Erkrankungen

Eine Durchseuchung von über 50 Prozent klingt dramatisch, die Gefahr für den Menschen ist allerdings überschaubar. Füchse setzen ihren Kot bevorzugt auf erhöhten Stellen wie Baumstümpfen oder Steinen ab, nicht etwa direkt auf Beerensträuchern. »Da hat man weniger Kontakt, als man glaubt«, so Joachim. Dennoch können Eier durch Regen in Bodennähe gelangen. Beim Sammeln gelten daher einfache Grundregeln: möglichst oberhalb der Kniehöhe pflücken, nichts vom Boden auflesen und Wildpflanzen nicht direkt im Wald verzehren. Zudem ist der Mensch kein idealer Wirt. Selbst wenn Bandwurmeier aufgenommen werden, entwickle sich nicht zwangsläufig eine Erkrankung, weiß die Veterinärmedizinerin. Mögliche Gründe hierfür seien, dass die aufgenommene Dosis eine Rolle spielt oder dass sich der Erreger im menschlichen Körper häufig nicht dauerhaft etablieren kann. Wie hoch die Infektionsrate ist, lasse sich daher nicht sagen, erklärt Joachim. Der Rotfuchs bleibt Hauptwirt des Parasiten, leidet selbst aber in der Regel nicht unter dem Befall. Er infiziert sich über befallene Nagetiere. Die ausgewachsenen, wenige Millimeter langen Würmer leben im Dünndarm. Ihre Eier werden über Wochen mit der sogenannten Losung ausgeschieden. Der Kot zerfällt, Regen verteilt die mikroskopisch kleinen Eier im Boden oder auf Pflanzen. Sichtbar ist diese Kontamination nicht.

Fuchskot in der Wiese.
Fuchskot – auch Losung genannt – ist meist dunkel, wurstförmig und spitz zulaufend. Mit bloßem Auge sind mögliche Bandwurmeier jedoch nicht erkennbar. Bild: Istock.com/Mauribo.

Risiko beim Sammeln – und im Garten

Prinzipiell besteht beim Verzehr von Beeren, Kräutern oder Pilzen aus der freien Natur ein gewisses Risiko – auf allem, was in Bodennähe wächst, können sich Eier des Fuchsbandwurms befinden. Sicherheitshalber sollten Beeren, Pilze oder Kräuter aus der freien Natur auf über 80 Grad erhitzt werden – etwa beim Kochen von Marmelade oder beim Braten von Pilzen. Dann werden die Eier zuverlässig abgetötet. Einfrieren reicht hingegen nicht aus. Gründliches Händewaschen nach dem Sammeln bleibt eine zentrale Schutzmaßnahme. Da Füchse nicht ausschließlich im Wald leben, sondern in Siedlungen, Gärten und besonders häufig in Weingärten vorkommen, wo sie Nager finden und auch Trauben fressen, könne man auch dort mit Fuchslosung in Kontakt kommen, sagt Anja Joachim. In letzteren werde auch ein höheres Übertragungsrisiko angenommen, in Gärten allerdings schätzt die Expertin das Risiko als gering ein. Füchse kämen vor allem dann, wenn sie Nahrung wie etwa Fallobst oder offen stehendes Haustierfutter fänden. Keinesfalls sollte man Füchse füttern. Wer solche Anreize vermeidet, reduziere das Risiko deutlich.
Wem das nicht reicht, die oder der kann, was er roh verzehren möchte, auch in einem Hochbeet anpflanzen – auch wenn Füchse durchaus springen können. »Wer setzt sich schon gerne ins Hochbeet, wo einen jeder sieht?«, erinnert Joachim an den eher scheuen Charakter des Wildtiers.

»Wer setzt sich schon gerne ins Hochbeet, wo einen jeder sieht?«

Anja Joachim, Veterinärmedizinerin
Anja Joachim

Anja Joachim ist an der Veterinärmedizinischen Universität Wien tätig. Bild: Veterinärmedizinische Universität Wien, Michael Bernkopf.

Hunde, Katzen und Risikogruppen

Auch die dem Menschen viel näheren Hunde können als Wirte für erwachsene Würmer dienen und Eier ausscheiden. Ein Risiko bestehe jedoch nur, wenn Hunde infizierte Nager fressen. Katzen gelten zwar als exponierte Mäusejäger, sind aber schlechte Wirte und scheiden kaum oder keine Eier aus. Hunde, die regelmäßig in direktem Kontakt mit Wildtieren oder deren Ausscheidungen kommen – wie etwa jagdlich geführte Hunde – gelten grundsätzlich als stärker gefährdet. Ein erhöhtes Risiko besteht auch bei Tieren, die frei im Gelände unterwegs sind und potenziell infizierte Nager fressen. Für solche Hunde wird eine monatliche Entwurmung empfohlen, damit sich im Darm gar nicht erst geschlechtsreife Würmer entwickeln können, die Eier ausscheiden. Ob diese Empfehlung in der Praxis konsequent umgesetzt wird, sei allerdings fraglich, sagt die Veterinärmedizinerin. Bluttests können eine Infektion beim Menschen bereits in frühen Stadien anzeigen. »Gefährdet sind eher WaldarbeiterInnen, ForstarbeiterInnen und JägerInnen«, also Personen mit regelmäßigem Kontakt zu Füchsen oder Fuchslosung, erklärt Anja Joachim. Dass regional viele Füchse infiziert sind, bedeutet somit nicht automatisch ein hohes Erkrankungsrisiko für Menschen. Entscheidend bleibt, wie wir mit der Nähe von Wildtieren wie dem Fuchs umgehen.

Hier gibt es noch mehr Informationen konkret zum Thema Fuchsbandwurm, generell über das Wildsammeln von Pflanzen und Rezeptideen zum Kochen mit Wildpflanzen.

VERWANDTE ARTIKEL