Ausgemacht

Unter dem Motto »Zusammen kommen« haben die Sexpositiv-Partys auch nach Wien gefunden. Organisatorin Fredi Ferková erklärt im Interview, auf welchem Konsens der Gäste sie aufbauen.

Auf Sexpositiv-Partys soll ein Umfeld geschaffen werden, auf dem sich jedeR wohlfühlt. Es kann mehr passieren, muss aber nicht. Bild: iStock.com/Bigmouse108.

BIORAMA: Sind wir alle sexnegativ? 
Fredi Ferková: Ich glaube, das gibt es nicht wirklich. Auch Asexualität gehört zum Spektrum der Sex Positivity. Sex Positivity bedeutet, sich auf positive Weise mit der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen. Es gibt Leute, die sich damit mehr beschäftigen, und andere, die das weniger tun.

Verortest du ein kollektives Problem im Umgang mit Sexualität? 
Uns ist aufgefallen, dass unsere Generation weniger Sex hat als manche der früheren. Da gibt es solide Statistiken dazu. Beim Ausgehen fällt einem auch auf, dass es tendenziell in erster Linie ums Saufen geht und weniger um die Sexualität. Wir wollten einen Raum schaffen, wo das ein bisschen anders ist.

Eure Partys. Sie richten sich an ein sexpositives Publikum. Gibt es für euer Konzept ein Vorbild? 
Wir waren im Berliner Kit Kat Club und haben dessen Programm einfach nachgemacht. Sex-Positivity-Partys gibt es seit den 70er-Jahren. In Österreich gab es sie bisher nicht.

Worum geht es beim Konzept Body Positivity? 
Um einen Umgang mit dem Selbst, bei dem man sich so mag und akzeptiert, wie man ist. Manche finden hier auch den Begriff der Body Neutrality passender. Es gibt jedenfalls für Männer und Frauen realitätsferne Beautystandards. Herkules und Barbie, weiß, »abled«, trainiert. Kaum jemand entspricht dem, und doch vergleicht sich fast jedeR mit diesen Typen. Das ist toxisch und das muss man aufbrechen. Und wenn man zum Beispiel auf einer unserer Partys ist, sieht man auch, dass alle urschön sind.

Wie haben Body Positivity und Sex Positivity für dich miteinander zu tun? 
Sehr viel. Unser Konzept umfasst, dass du sein kannst, was du sein möchtest. An einem Ort, an dem dir niemand so schnell suggeriert, dass daran etwas nicht stimmt.

Und doch werbt ihr mit einer »strengen Tür«, die Menschen nach Hause schickt, die nicht ins Konzept passen. 
Es gibt in Österreich keine ausgebaute Kultur für Veranstaltungen dieser Art, wir wollen sicherstellen, dass Leute kommen, die dazu beitragen, dass sich alle wohlfühlen. 
Und wir achten beim Einlass auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis. Wir haben einen feministischen Zugang und haben als OrganisatorInnen beschlossen, dass wir Partys dieser Größenordnung, auf denen weniger als 50% der Menschen weiblich gelesen werden, schnell eher unangenehm finden und daher nicht möchten. Wir möchten auch an der Tür sicherstellen, dass unsere Veranstaltungen nicht mit einem Swingerclub verwechselt werden.

Was darf hier nicht verwechselt werden? 
Bei Swingerpartys zahlen beispielsweise Männer oft mehr Eintritt als Frauen, und was hier dahintersteht, passt nicht in unser Konzept. Unser Fokus gilt der Musik. Auch wenn die Leute wenig anhaben und es auf unseren Partys Darkrooms gibt, 80 Prozent der Fläche sind Tanzfläche. Ich schätze, drei Viertel der Leute haben keinen Sex auf unseren Partys.

Wann findet die nächste statt? 
Bei unseren Partys geht es schon auch um Speichelaustausch, also: Sobald der Impfstoff draußen ist.

Fredi Ferková ist Gründerin des Kollektivs Hausgemacht, ehemalige Journalistin und heute Social-Media-Managerin. 
hausgemachtinwien.at

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #69 erschienen

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