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Weshalb Kokosöl keine gute Alternative zu Palmöl ist

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Die Kokosnuss ist das nächste große „Superfood“. Und für viele gilt Kokosöl als gute Alternative zu Palmöl. Wieso eigentlich? 

Wenn es um Food Trends geht, ist der Biofachhandel in einer Vorreiterrolle. Was der Lebensmittelhandel zur nächsten neuen Superfood-Sensation erklärt, gibt‘s im Bioladen oft schon lange. Das lässt sich gerade beim Trend zur Kokosnuss beobachten. Auf der Biobranchen-Messe Biofach in Nürnberg werden in diesem Jahr gleich 274 Produkte auf Kokosbasis präsentiert. Eine erstaunliche Zahl. Zum Vergleich: Die Avocado bringt es dort nur auf 34 Produkte, die Kichererbse auf 40, Palmöl immerhin auf 51. Als Aroma von Kosmetik oder Süßigkeiten ist Kokos seit Ewigkeiten etabliert. Inzwischen schafft es die vielseitige Tropenfrucht aber auch in allen möglichen anderen Formen in den Handel.

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Böse Ölpalme, gute Kokospalme?

Kokos wächst in feuchtwarmen Tropen – das machte sie vor langer Zeit zur exotischen Sehnsuchtsfrucht. Größter Exporteur von Kokos ist Indonesien. Das Land in Südostasien ist gleichzeitig auch der weltgrößte Palmölproduzent. Wo so viele Palmen wachsen, besteht Verwechslungsgefahr. Kokospalmen und Ölpalmen sind zwei unterschiedliche Pflanzen, die sich nicht einmal sehr ähnlich sehen. Das Fett der Ölpalme, das in einer unglaublichen Vielzahl von alltäglichen Produkten steckt, hat einen desolaten Ruf. Zu recht. Die Rodung tropischen Regenwaldes um Anbauflächen zu gewinnen und schließlich der Anbau der Ölpalmen in Form von Monokulturen sind für die Umwelt eine Belastung. Gerade im tropischen Regenwald stellt das einen Angriff auf die Biodiversität dar. Die Geschäftsmethoden der großen Player des Palmöl Business‘ treffen außerdem häufig die bäuerliche Landbevölkerung in den Anbaugebieten. Durch die riesigen Plantagen wird sie ihrer traditionellen Lebensgrundlage beraubt. Landgrabbing gehört in der Palmölbranche Südostasiens zum Geschäftsmodell einiger Unternehmen.

Der schlechte Ruf der Ölpalme ist nicht ganz irrelevant für den Boom der Kokospalme. Der Anbau von Kokospalmen funktioniere ganz anders als der von Ölpalmen, heißt es oft, viel weniger industriell und mit viel weniger Schattenseiten. Kokosanbau in kleinbäuerlicher Produktion bedeutet allerdings sehr oft vor allem eins: Armut. Zum Beispiel auf den Philippinen. Die sind mit einer Jahresproduktion von rund 15 Millionen Tonnen der zweitgrößte Kokoslieferant der Welt. Laut einer Studie der Organisation Oxfam leben mehr als 60 Prozent der Kokosbauern des Landes unterhalb der Armutsgrenze. Sie profitieren nur wenig vom Boom der Kokosnuss. Trotzdem werden Kokosprodukte gerne als die „gute“ Alternative zu palmölbasierten Produkten präsentiert und wahrgenommen. Das passt schließlich gut zum sommerlich leichten Image der haarigen Nüsse.

Kokosöl ist auch keine Lösung

Als der WWF im vergangenen Jahr beim Institut Agripol eine Studie in Auftrag gab, um herauszufinden, wie sich ein Verzicht auf Palmöl auswirken würde, lautete das Ergebnis: Auch die Alternativen zur Ölpalme würden die großen sozialen und ökologischen Probleme beim Anbau nicht lösen „Soja und Kokosnussöl wachsen in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen,“ heißt es da, „sodass der Austausch des einen Öls durch ein anderes das Problem nicht löst, sondern nur verlagert und teilweise gar verschlimmert.“ Würde man versuchen, die gigantische Nachfrage nach Palmöl durch Kokosöl zu decken, bräuchte man dafür mehr Fläche, es entstünden ähnliche Treibhausgasemissionen und Arten würden davon ebenfalls bedroht. Denn: Aus einem Hektar Anbaufläche lassen sich zirka 3,3 Tonnen Palmöl gewinnen. Auf der gleichen Fläche ließen sich allerdings nur 0,7 Tonnen Kokosöl erwirtschaften, für die man noch dazu Unmengen von Wasser braucht. Produkte auf Kokosbasis sind somit wirtschaftlich und ökologisch nicht wirklich eine sinnvolle Alternative zu Palmöl-Produkten.

Das Zynische: Erst der Boom der Kokosnuss macht ihren Anbau in Monokulturen in letzter Zeit wirtschaftlich attraktiv. Der gute Ruf der Kokosnuss wird somit langfristig zum Nachteil.

Kokos-Verarbeitung auf der indonesischen Insel Lombok.

Bio-Kokospalmen

Wer dem sorglosen Image der Kokosnuss ein Stück näher kommen will, sollte zumindest zu Bioware greifen. Mittelfristig bleibt sie die einzige Alternative zur Nuss von der Monokultur-Palme. Dabei gedeiht Kokos in Mischkulturen, zusammen mit Ananas, Bananen, Pfeffer oder Kaffee. Unter Kokospalmen lässt sich sogar Weidewirtschaft betreiben. Wer die Vorzüge pflanzlicher Fette nutzen möchte, muss dafür allerdings gar nicht zwingend auf Weitgereistes aus den Tropen setzen. Denn auch Öle aus nördlicheren Breiten sind so gesund wie manch exotisches Superfood.


 

 

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