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Sacha Inchi: Kann die Supernuss die Welt retten?

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Sacha Inchi wächst an Rankpflanzen. (Bild: Reinhard Gessl)

Im südostasiatischen Laos herrschten Anbau-Bedingungen, unter denen die Bergnuss Sacha Inchi zum nächsten Star am Superfood-Himmel werden könnte. 

Lebensmittel mit besonders positiven Eigenschaften heißen längst „Superfood“. Aber schon zu Zeiten, in denen man das Wort Superfood noch nicht kannte, wurden Nahrungsmittel ins Scheinwerferlicht gestellt. Ein Apfel am Tag hielt einem den Arzt vom Leib, Lebertran hauchte schwächelnden Kindern eine gesunde Farbe ins Gesicht, Milch verhalf zu unzerbrechlichen Knochen und ab und zu ein Spinat ließ den Bizeps schwellen.

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Auch damals hörte man die Botschaft gerne: Mit nur einer täglichen Einnahme kannst du ganz easy all deine Ernährungssünden kompensieren und einen entscheidenden Schritt zum fast ewigen Leben machen. Nachteilig an den historischen Trendlebensmitteln war ihr meist „gesunder“ Geschmack. Und: Sexy waren sie (dadurch) gar nicht. Da Essen aber hauptsächlich der Nährstoffaufnahme diente und noch keine Ersatzreligion war, spielte das keine große Rolle.

Superfoods von heute müssen Spaß machen

Die Superfoods der letzten Zeit heißen Acai, Maqui, Goji, Moringa oder Chia. Auch diese exotischen Früchte und Samen zeichnen sich durch außergewöhnlich hohe Gehalte in irgendwas aus. Sie versprechen mit dem täglichen Genuss einen gesundheitlichen Mehrwert. Und – hier haben wir den Unterschied zu früher – ein Superfood von heute muss Spaß machen. In der Genussroutine neue Akzente setzen können. Ein fotogenes Äußeres und ein exotischer Namen machen sich zudem in den sozialen Medien mit vielen Likes sehr positiv. Der Hype um ein „Must-have“-Lebensmittel dauert stets nur kurz, dann muss ein neuer Stern am Ernährungshimmel erstrahlen.

Ein vielversprechender Kandidat für so ein Superfood von morgen ist Sacha Inchi. Die „Berg-Erdnüsse“ wachsen als wunderschöne Sternfrucht, der Name klingt mystisch, die Aussprache ist unklar und das Zeug schmeckt ziemlich lässig. Sowohl das Öl als auch die Nüsse sind zudem Weltmeister bei den essentiellen Fettsäuren. Die mehr als 90 Prozent mehrfach ungesättigten Fettsäuren liegen in einem idealen Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 vor. Diese Werte schafft nicht einmal das traditionell hochgelobte Leinöl!

Die Einzelteile der Pfanze. (Bild: Reinhard Gessl)

In Laos könnte Sacha Inchi zum Star werden

„Sascha Inschi“ ist eine in der Amazonasregion beheimatete Rankpflanze. Sie ist immergrün, liebt es warm und wuchert mit genügend Wasser wir Unkraut. Mit bescheidenem Nährstoffbedarf und robuster Gesundheit eignet sie sich hervorragend für den Bio-Anbau. Nach dem Auspflanzen braucht es nur sechs Monate, bis aus den Blüten die hell- bis dunkelbraunen Früchte sternförmig ausgereift sind. Daraus werden vier bis sechs flach-runde, reinweiße Nusskerne herausgelöst. Gleichzeitig mit der Ernte blüht die Pflanze neu und junge Nüsse wachsen ebenfalls nach. Das macht ein maschinelles Ernten unmöglich. Händisches Pflücken schreit nach einem Billiglohnland. Hoher Wärmebedarf mit genügend Regen nach den Subtropen.

Im südostasiatischen Kleinstaat Laos bildet sich im Moment gerade eine Bergnuss-Keimzelle. Ausgehend von der Biofarm „Mai Savanh Laos“ haben gut 100 Kleinbauern ihre Kleinstflächen biozertifizieren lassen und nun die interessante Dauerkultur ausgepflanzt. In der Hoffnung, dass Sacha Inchi für sie die gewinnbringende Supernuss wird.

Für die maschinelle Ernte ist Sacha Inchi wohl ungeeignet. (Bild: Reinhard Gessl)

Wie schmeckt nun diese Bergnuss?

Roh schmeckt sie eher grausig. Aber: geröstet und leicht gesalzen erinnern die Knabberkerne sehr angenehm an beste Erdnüsse. Der Biss ist knackig und überraschend unfettig. Das hellgelbe Öl riecht und schmeckt dagegen mild nach zerriebenen Blättern und einem Hauch von grünen Bohnen. Fürs Frittieren ist das Öl zu wertvoll, sowohl von den inneren Werten her als auch vom Preis. Salate, Pestos oder kalte Soßen mögen das neue Öl aber sehr.

Ob die Bergnuss aus Laos den Sprung auf das oberste Superfood-Stockerl schaffen wird? Das Zeug dazu hätte sie sicher! Aber eigentlich wäre es schade, denn Superfoods sind ja eher kurzlebig. Die Bergnuss in Bio-Qualität hätte einen fixen Platz in unserem Küchenkastl verdient. Denn sie ist eine der wirklich Guten: als Knabberspaß oder am Salat. Daher: Augen offen halten im Bioladen! Wer zu Gojibeeren und Chiasamen noch Bergnüsse kauft, wird 100 Jahre alt! Ziemlich sicher!

Bei der laotischen Verarbeitung ist viel Handarbeit im Spiel. (Bild: Reinhard Gessl)


Sonja Wlcek und Reinhard Gessl bereisen mehrere Monate lang im Rahmen eines Sabbatical die ganze Welt, um Trends aus der ökologischen Landwirtschaft zu sammeln. Darüber bloggen sie unter organic17.org

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1 Reaktion

  1. Superfoods sind ja schön und gut, allerdings sind sie nicht gerade sonderlich nachhaltig, wenn sie tausende von Kilometern zu uns transportiert werden müssen. Dabei gibt es auch tolle heimische Superfoods, die man sich sogar selbst auf der Fensterbank ziehen kann (Kresse z.B.)

    Viele Grüße
    Michaela