Der Karpfen, der Öko und der Otter
Der Fischotter bringt Bewegung in den Lebensraum des Karpfens, der Klimawandel Fische in Bedrängnis...
Der ganze Stolz dieses Karpfenzüchters sind seine Barsche. Lange freute sich Marc Mössmer, dass sich die anspruchsvollen Raubfische in seinem Teich so wohlfühlen. Das zarte, helle Fleisch der Barsche ist eine gute Ergänzung zum leicht süßlichen, doch etwas gehaltvolleren Karpfenfleisch, Mössmers Haupteinnahmequelle. »Mittlerweile sind sie leider selten geworden«, sagt er vom Beifahrersitz, während er über einen ruckeligen Weg durch den Wald weist. Im Sommer wird das Wasser zu warm, der Sauerstoff in den verhältnismäßig seichten Teichen manchmal knapp. Für die genügsamen Karpfen ist das – noch – kein Problem. Nötigenfalls können sie auch eine Zeit lang an der Wasseroberfläche Luft schnappen. Auch der Hecht hält einiges aus. Für Barsch oder Zander, die mehr Sauerstoff brauchen, bedeutet das mitunter bereits den Tod durch Ersticken. Schon als wir zwischen den beiden kleinen Zuchtteichen zufahren, in denen Mössmers einsömmerige und zweisömmerige Jungkarpfen heranwachsen, ist der niedrige Wasserstand zu sehen. Die Luft ist heiß für Anfang September, noch kein Hauch von Herbst. Früher hat es hier in Heidenreichstein um diese Jahreszeit nachts manchmal schon gefroren. Mittlerweile bietet zwei Ortschaften weiter am Straßenrand ein Biobauer seine Wassermelonen zum Verkauf an. Manches mag im Waldviertel langsamer ankommen als anderswo. Der Klimawandel nicht.
Karpfen
Ursprünglich aus Asien stammend, verbreiteten bereits die RömerInnen das züchterisch selektierte Nutztier zu Speisezwecken bis nach Israel. Heute fast weltweit verbreitet.
In heimischen Fließgewässern gibt es auch den verwilderten, schlankeren »Flusskarpfen«. In den USA gilt der Karpfen als invasive Art.
Warmes Wasser
Als ich die Autotüre zuschmeiße, erhebt sich in Ufernähe eine Silhouette gegen die Sonne. Ein Graureiher sucht das Weite. Fliegt dorthin, wo hinter dem Schilf, leicht unterhalb der beiden Zuchtgewässer, der große Teich liegt: gewaltige 47 Hektar Wasserfläche, die Mössmer seit dem Jahr 2000 gepachtet hat. Darin tummeln sich Karpfen ab ihrem dritten Sommer, Schleien, Welse, Weißfische, Hechte, Zander und auch noch der eine oder andere Barsch. Marc Mössmer stapft wortlos durchs hohe Gras, bückt sich zum Wasser, streckt mir ein tropfendes Thermometer entgegen. 24 Grad. Das ist ziemlich viel, nicht nur für September. Die ideale Wohlfühltemperatur für den Karpfen liegt bei 20 Grad. Bei 24 Grad geht es ihm immer noch prächtig, solange genügend Sauerstoff vorhanden ist und es in tieferen Regionen kühlere Schichten gibt. Wobei der Eindruck der Tiefe vom Ufer aus täuscht. In den kleinen Zuchtteichen misst das Wasser einen knappen Meter, im großen Haslauerteich höchstens zweieinhalb. Flache Gewässer werden schnell richtig warm. »Vor vier Jahren«, sagt Mössmer, »da hatten wir aber schon einmal 27 Grad entlang der gesamten Wassersäule«. Beim Schwimmen habe man gemerkt, dass es auch am Grund bei den Zehen nicht mehr kühler war. In wirklich heißen Sommerwochen belüftet er notfalls die Teiche. »Das ist eine mobile Anlage, die ist schnell aufgebaut«, sagt er, »aber alles Aufwand«. Die Teiche einfach nur tiefer zu baggern, um weiter unten kühlere Temperaturen zu halten, geht nicht. Extensive Fischwirtschaft, wie sie hier im nördlichen Waldviertel und im angrenzenden Südböhmen seit Jahrhunderten praktiziert wird, braucht künstlich angelegte, flache Teiche, in die der Mensch steuernd eingreifen kann. Im Spätherbst werden die Teiche abgelassen und füllen sich nach dem Abfischen wieder langsam durch Regen und Schnee. Gefälle und Topografie müssen genau zusammenpassen.
Wobei mittlerweile immer öfter das Wasser ausbleibt. Anfang September, drei Wochen vor dem Hochwasser, ist es staubtrocken. »Normalerweise brauchst du für einen Hektar 1 Liter Wasser pro Sekunde, das zufließt«, sagt der Teichwirt, »das ist die Menge, die du ohne Zufluss durch Verdunstung verlierst«. Um trotzdem zu verhindern, dass die Wasserpegel in beiden Zuchtteichen zu weit sinken, hat er vor Kurzem in eine solarbetriebene Pumpstation investiert. Damit holt er Wasser vom großen in die beiden kleinen Teiche herauf. »Alles low-tech, nix Schlimmes«, sagt Mössmer, aber »so viel Technik hat’s früher nicht gebraucht«.
Landschaft mit »Naturanschein«
Die erste Erwähnung des von böhmischen Baumeistern errichteten Haslauerteichs datiert auf das Jahr 1527. Ausgedehnte Karpfenteiche sind für die Fischwirtschaft seit jeher, was extensive Weiden und Almgebiete für die Viehhaltung sind: Sie ermöglichen eine flächengebundene Aufzucht der Tiere. Die Teichwirtschaft, wie Mössmer und eine Reihe anderer BiokarpfenproduzentInnen sie praktizieren, gilt deshalb als Garant und Grundlage der artenreichen Teichkulturlandschaft. So wie Almen zuwachsen, wenn sie nicht mehr beweidet oder zumindest gemäht werden, verlanden auch sich selbst überlassene Fischteiche. Auch wenn die Teichlandschaft einen »Naturanschein« hat, wie es Leo Kirchmaier vom Verband der Niederösterreichischen Teichwirte ausdrückt: Sie ist menschengemacht und von regelmäßigen Eingriffen und Pflege abhängig.

Wobei auch Marc Mössmers Teich nicht durchgehend bewirtschaftet und eine Zeit lang verlandet war. Aufzeichnungen seien nicht besonders aufschlussreich, aber nach dem Zweiten Weltkrieg seien hier wohl »schlechte Wiesen« beweidet worden, sagt Mössmer. Erst 1964 wurde der bis heute bestehende Haslauerteich wieder aufgestaut. Seit damals werden hier wieder Karpfen gezüchtet. Seit Mössmer im Jahr 2000 die Pacht übernahm, ist sie biozertifiziert und seit 2014 sogar nach den noch strengeren Demeter-Richtlinien zertifiziert.
Biokarpfen, eine Erfolgsgeschichte
Wer sich für ökologische Fischzucht interessiert, bekommt es in Österreich schon seit 1994 früher oder später mit Marc Mössmer zu tun. In den frühen 90er-Jahren erarbeitete er die Kriterien für die Biofischzucht. Zwanzig Jahre später definierte er die Demeterstandards für biodynamische Fischhaltung. Mössmers Pionierarbeit ist eine Erfolgsgeschichte, ganz besonders in Bezug auf den Biokarpfen. In Österreich gibt es zwar nur zwei große Karpfenregionen – neben dem Waldviertel ist das die Süd- und Südoststeiermark –; traditionelle Karpfenteichwirtschaft gibt es aber vielerorts in Europa. In Deutschland beispielsweise in der Oberpfalz um Nürnberg sowie in Sachsen. Aus den großen Produktionsgebieten Polens und Tschechiens, seltener auch aus Ungarn und Kroatien, wird sogar Karpfen importiert. Einen nennenswerten Bioanteil gibt es bislang aber nur in Österreich. Das ist ganz klar auch ein Verdienst von Marc Mössmer, der nicht nur Standards gesetzt, sondern behutsam auch den Markt aufgebaut hat. Ein Kilo geschröpftes Filet vom Biokarpfen aus Österreich kostet derzeit 35 bis 40 Euro. Das Kilo konventionelles Filet gibt es etwa ab 30 Euro. Mössmer schätzt die BioproduzentInnen von Karpfen auf unter 30, österreichweit. »Alle haben einen Markt«, sagt Mössmer, »der Karpfen ist nachgefragt, er wird bezahlt, er ist interessant«.
Ganz besonders offenbar in Niederösterreich und Wien, wo auch Mössmer einen Gutteil seines Biofischs verkauft, auf Märkten, aber auch in seinem Hofladen im 12. Bezirk. Die Statistik Austria weist in ihrer jährlichen Aquakulturerhebung bundesweit 2700 Hektar Teichfläche aus, 1800 Hektar davon liegen in Niederösterreich. Mit einem Anteil von weit über 90 Prozent ist der Karpfen dort laut Landwirtschaftskammer Niederösterreich der dominierende Fisch. Und von den 400 Tonnen Karpfen, die jährlich in Niederösterreich produziert werden (in der Steiermark ist es in etwa noch einmal die gleiche Menge), sind mittlerweile 160 Tonnen Biokarpfen.

Abfischen im Winter
Durch den Klimawandel werden die Winter milder, alles verschiebt sich im Jahresverlauf und die Karpfen wachsen schneller. Oft können sie bereits im dritten und nicht erst im vierten Jahr geschlachtet werden. Die Saison beginnt im Mai, wenn die Karpfen ihre Eier ablaichen, doch sie startet immer öfter später im Jahr, dafür ist es bis weit in den Herbst hinein warm. Das macht die ohnehin mühsame Arbeit beim Abfischen besonders beschwerlich, weil die Fische im kühlen Wasser träger sind, bei wärmeren Temperaturen aber noch sehr aktiv. Zögert man das Abfischen zu lange hinaus und es kommt ein Wintereinbruch, bevor die Teiche ganz abgelassen sind (was langsam passiert und sich über Wochen zieht), verlagern sich die Bedingungen ins andere Extrem. Dann frieren die sechzig helfenden Hände, die es braucht, um den großen Haslauerteich leer zu fischen, die schlachtreifen Tiere zu keltern und die kleinen Karpfen schonend auszusortieren und zurückzusetzen. So oder so: Spätestens zur Weihnachtszeit, der kulinarischen Hauptsaison des Karpfens, muss der Fisch verfügbar sein.
Auch wenn die Nachfrage passt und sich die KarpfenzüchterInnen im Umgang mit dem Klimawandel offensichtlich zu helfen und anzupassen wissen. Reich wird man mit der Teichwirtschaft nicht. Vor zwei Jahren – es war ein richtiges Scheißjahr – wäre Marc Mössmer fast das Geld ausgegangen. »Ich hab kaum mehr die Pacht zahlen können«, erinnert er sich. Die Ernte war schlecht, das Futter teuer, die Abgaben für die Wassernutzung, Steuern, alles summierte sich. Dann war auch noch die eigene Nachzucht bescheiden, er hatte hohe Tierverluste, »über 50 Prozent, ich musste Jungfische nachkaufen«, erzählt er. Zwei Jahre später – »nach zwei normalen Ernten«, das heißt: zwischen 15 und 20 Tonnen Fisch – erhole sich der Betrieb langsam wieder.
Der Otter war’s (oder ein Adler)
Zu Fuß um den Haslauerteich scheuchen wir nicht nur Reiher, Frösche und Ringelnattern auf. An mehreren Stellen entdecken wir auch vertrocknete Schuppen im trockenen Gras, Wirbel, Gräten und Flossen; die Überreste von kapitalen Karpfen, viele Meter vom Ufer entfernt. »Wahrscheinlich ein Otter«, sagt Mössmer, »vielleicht auch ein Seeadler, der ihn verloren hat, und dann hat sich ein Fuchs den Fisch geholt. Andere Tiere bringen so große Karpfen nicht so weit aus dem Wasser.«
Als er vor 24 Jahren hierherkam, war der Fischotter längst zurückgekehrt. »Der Otter war vor mir da«, sagt Mössmer leise. Er ist Öko. Er freut sich, in einem Natura-2000-Naturschutzgebiet wirtschaften zu dürfen, auch über die Anwesenheit des lange ausgerotteten, streng geschützten Fischotters. Anfangs waren die Verluste leicht zu verschmerzen, weil deutlich geringer. Mössmer erinnert sich an fünf Prozent Ausfall, »maximal zehn Prozent«. Mittlerweile müsse er Verluste von 35 bis 53 Prozent einplanen, jedes Jahr. Deshalb hat er vor einigen Jahren 40.000 Euro in die beiden kleinen Teiche investiert, um im großen Stil nachzüchten zu können. »Wenn wir 10.000 Karpfen abfischen wollen, muss ich vorher 15.000 Tiere einsetzen«, sagt er. Das geht ins Geld, verursacht Aufwand. »Damit dieselbe Menge Fisch am Teller landet wie früher, müssen wir jetzt viel mehr Arbeiten verrichten als noch vor zwanzig Jahren.« Auch die solarbetriebene Pumpe, mit der er Wasser aus dem großen in die kleinen Teiche füllt, macht sich hier bezahlt. Ohne zusätzliches Wasser würden die durch die Verdunstung seichter und kleiner werdenden Zuchtteiche sonst zu wahren Buffets für Reiher und Kormoran.
Fischotter
Seit Inkrafttreten der Fischotter-Verordnung im Herbst 2019 wurden in Niederösterreich 84 Tiere entnommen.
Laut Naturschutzabteilung des Landes wurden 89 Prozent unmittelbar durch Direktschuss getötet, 11 Prozent, nachdem sie davor mittels Falle gefangen worden waren.
Turbulente Ruhephase
Marc Mössmer jammert nicht, schimpft nicht, sucht keine Schuldigen, sagt nur: »Ich habe die Lösung auch nicht.« In Niederösterreich wäre es – gemäß umstrittener und von NGO wie dem WWF oder dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) bekämpfter Fischotter-Verordnung – ganzjährig erlaubt, einzelne Otter mittels Falle zu »entnehmen«. Ausgenommen sind nur Weibchen mit Nachwuchs. Im Winter dürfen Otter – mit derselben Einschränkung – zudem durch den Direktschuss getötet werden. Naturschutzgebiete wie der Haslauerteich sind von der Verordnung allerdings ihrer Bestimmung gemäß ausgenommen. Marc Mössmer weiß auch, dass es ohnehin nichts brächte, den einen oder anderen Otter zu erlegen. Vor Jahren sei er im Winter bei Schnee mit Christina Wolf-Petre vom WWF an seinem Teich unterwegs gewesen, erzählt er. »Es wurde dann dunkel und wir konnten ihn nur zur Hälfte umrunden. Aufgrund der frischen Spuren hat mir Wolf-Petre fünf Otterreviere, die ich ohnehin schon vorher lokalisiert hatte, bestätigt«, sagt Mössmer. Er schätzt deshalb, dass es an seinem 47-Hektar-Teich zehn Reviere gibt und geht von 10 bis 15 Ottern aus. Das fällt ins Gewicht. Nicht nur, weil jedes Tier täglich etwas mehr als 1 Kilo Fisch frisst. Ans Eingemachte geht es vor allem im Winter, wenn die Karpfen eigentlich starr in der Tiefe ruhen und die Otter auf Nahrungssuche auftauchen. »Was den Otter aus meiner Sicht zum größten Schädling macht«, sagt der Teichwirt, »ist, dass er im Winter jagt und der Fisch dadurch immer auf der Flucht ist, wenn er eigentlich ruhen sollte. Irgendwann ist dann die Batterie leer, das Tier zu Tode erschöpft.« Und so könne im schlimmsten Fall auch ein einziger Otter zehn Tonnen Fisch kaputt machen.

Das Land Niederösterreich zahlt für Otterschäden zwar eine Entschädigung. Für das ganze Bundesland wurden 2022 in Niederösterreich knapp 150.000 Euro ausgezahlt. Laut Landwirtschaftskammer umfasst das knapp die Hälfte der gemeldeten Schäden.
Insgesamt gibt es in Niederösterreich wieder um die 1000 Fischotter. Eine im Auftrag des Landes erstellte Studie über die Fischotterverbreitung und Populationsgrößen kam 2018 auf 963 Tiere. Erhebungen aus dem Jahr 2022 kommen auf 1085 Tiere. Damit ist die Population zuletzt um 13 Prozent gestiegen, obwohl jährlich bis zu 50 Otter entnommen und erlegt werden dürfen. Um den von der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU geforderten »günstigen Erhaltungszustand« der Art zu gewährleisten, den die Umweltabteilung des Landes als gesichert ansieht, dürfen pro Verwaltungsbezirk höchstens fünf Tiere geschossen werden. Eine Ausnahme gibt es nur für den Bezirk Gmünd, in dem auch Mössmer seinen Teich gepachtet hat. Dort dürfen – »aufgrund der hohen Teichdichte« – bis zu 15 Otter pro Saison getötet werden.
Karpfen in NÖ
Der Schuppenkarpfen ist die beliebteste Zuchtform des Karpfens in Österreich, die bevorzugt mit 2 bis 2,5 Kilo geschlachtet werden (3 oder 4 Jahre alt). In anderen Weltgegenden werden lieber größere oder auch deutlich kleinere Karpfen gegessen und auch andere Zuchtformen (z. B. Spiegel- oder völlig schuppenlosen Lederkarpfen).
Das Dilemma mit dem Karpfen
Auch der WWF hat keine Lösung für Marc Mössmers Problem. Einerseits propagiert die NGO in ihrem »Fischführer« für nachhaltigen Fischgenuss den Verzehr von heimischem Biofisch, besonders von Karpfen. »Er gilt als der nachhaltigste und ökologisch unbedenklichste Fisch und kann ohne schlechtes Gewissen verzehrt werden«, sagt Axel Hein, der beim WWF für Binnen- wie Meeresfisch zuständig ist. »Die Besatzdichten in der Karpfenzucht orientieren sich an der natürlichen Tragfähigkeit der Gewässer und sind daher gering, sodass keine Abwasserbelastung in der Umgebung entsteht. Dadurch sind auch Krankheiten, Parasiten und deren Behandlung selten und es gibt kaum Auswirkungen auf die umgebenden Gewässer.«Um – wie von der Politik im nationalen Strategieplan vorgesehen – die Binnenfischproduktion im Inland zu erhöhen, fordert Hein deshalb die »Revitalisierung brachliegender Teichanlagen« statt einer Intensivierung oder Neuanlagen.
Teichwirtschaft in NÖ
Der niederösterreichische »Teichwirteverband« hat 130 Mitglieder, die 80 Prozent der Teichfläche des Bundeslandes bewirtschaften. Geschätzt gibt es noch einmal so viele Klein-TeichwirtInnen und HobbyteichbewirtschafterInnen. »Zumeist haben sie zur Selbstversorgung für sich und ihre Familie einen Karpfenteich«, sagt Obmann Leo Kirchmaier.
Welche Maßnahmen die nachhaltige Karpfenzucht aber vor dem Otter schützt, den der WWF als »wichtigen Teil unserer Gewässerökosysteme« erachtet, auf diese Frage hat die NGO selbst auch nur sehr allgemeine Antworten. »Welche Maßnahmen an Teichen zur Konfliktminderung passend sind, ist im Einzelfall zu prüfen«, sagt Christian Pichler, der beim WWF für den Schutz großer Beutegreifer wie Wolf, Luchs oder Fischotter spricht, »kein Teich ist wie der andere«. Von den von ihm angeregten Maßnahmen – »Zäunungen, die Schaffung eines alternativen Nahrungsangebots oder geänderte Besatzdichten« – hat Marc Mössmer die Machbaren bereits ergriffen. Wir sehen: Zielkonflikte lassen sich auch von globalen Umweltschutzorganisationen nicht schnell einmal auflösen.
Was bleibt?
Marc Mössmer ist 62 Jahre alt. In ein paar Jahren möchte er seinen Betrieb, sein Lebenswerk, übergeben, in Pension gehen. Einfacher wird es in Zukunft nicht werden. Auch sein Nachfolger wird probieren, tüfteln und Probleme lösen müssen. Die Teiche im Waldviertel werden hoffentlich weiter bewirtschaftet werden, sagt er: »Wenn die Teiche verlanden, ist ja auch der Lebensraum für den Otter weg.«

Trotzdem wird sich das Artenspektrum verändern, vermutet Mössmer. Allein schon durch den Klimawandel. Karpfen, Schleie, Karausche, Giebel, die würden letztendlich wohl überleben können. Andere Arten – der Teichwirt spricht von »wertvollen Nebenfischarten« – die werden verschwinden. »Arten, die eigentlich ins Ökosystem eines Teichs gehören«, sagt Marc Mössmer: »Zander, Hecht und Barsch, die werden wir womöglich verlieren.«
Neben dem Fischotter ist auch der Reiher oft zentraler Diskussionspunkt der »Fischfresserdebatte«.
BIORAMA Niederösterreich #14
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