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I keep bleeding, I keep, keep bleeding

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The Tampon Dancers (Kunst und Bild: Petra Paul)

Sie kommt in der Regel monatlich wieder. Der Umgang mit ihr ist nicht nur individuell ganz unterschiedlich, sondern ändert sich auch kulturell ständig. In Wien wird der Menstruation nun ein ganzes Symposium gewidmet.

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Etwa 30-40 Jahre ist eine Frau in ihrem Leben fruchtbar. Während dieser Zeit setzt einmal monatlich die Blutung der Gebärmutter ein – ein Zeichen der Fruchtbarkeit und der Erneuerung des hormonellen Regelkreises. Durchschnittlich 65 ml Flüssigkeit fängt Frau pro Monat in Tampons und Binden auf. Auf ein Menstruationsleben umgelegt sind das mindestens 17.000 Hygieneartikel.

Nieder mit dem Tampon Tax

Weil das ganz schön teuer werden kann, setzen sich die Gründerinnen der Erdbeerwoche für eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Frauen-Hygieneprodukte ein. Noch liegt der österreichische „Tampon-Tax“ bei 20 Prozent und ist damit höher als etwa bei Lebensmitteln. Das soll sich bald ändern. Kürzlich gab die EU-Kommission nämlich bekannt, die Entscheidung über Abgaben auf Tampons, Binden und Co. den einzelnen Ländern zu überlassen. Stolze 16.500 Euro – so viel wie ein Kleinwagen – gibt Frau während ihres Lebens für Tampons und Binden aus.

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Tampons sollen künftig nicht mehr Luxus sein (Bild: Erdbeerwoche).

Muruga ist der Menstruation-Mann

Nicht nur im Punkto Geldbörse tut sich einiges, was die Periode betrifft. Mehrere Wochen war die Erdbeerwoche letztens in Südindien unterwegs, um gemeinsam mit dem WDR eine Reportage über Monatshygiene in den ärmsten Regionen zu drehen. Nur rund 10% aller indischen Frauen haben nämlich Zugang zu Tampons oder Binden, der Rest muss mit entweder gar nichts oder alten Stofflappen auskommen. Die Reportage, die ihm Rahmen des Menstrual Hygiene Day veröffentlicht wird, zeigt unter anderem Muruga, the menstruation man, der eine Maschine entwickelte, die einfache Binden aus Baumwolle und Zellstoff herstellt – und damit den Alltag vieler Inderinnen erleichtert (Fun Fact: Um den Tragekomfort zu verbessern, hat Muruga seine Binden sogar selbst getragen).

Ein Symposium zur Regel

Hierzulande findet am 28. Mai nun das erste Menstruationssymposium statt. Im Fokus der Veranstaltung liegen künstlerische Strategien zur Menstruationskultur, Diskussionen zu Körperpolitiken und der Austausch individuell unterschiedlicher Zugänge zur Monatsblutung.

Fast alle Frauen empfinden ihre Menstruation als störend, manchmal auch als überflüssig und schmerzvoll. Viele sind damit beschäftigt, sie zu verstecken und ihre Symptome zu unterdrücken. Andere würden sie sogar abschaffen. Wir finden, da läuft etwas verkehrt, so Kathrin Sieder vom Verein MenstruationsNetzwerk.

Einige Kulturwissenschafter sind sogar der Ansicht, dass das Tabu und die Peinlichkeit als Voraussetzungen für die Kultiviertheit einer Gesellschaft von nöten sind, dass wir uns für gewisse Dinge schämen müssen, um erst so etwas wie eine Zivilisation zu entwickeln.

Kultur wird von uns allen gemacht, insofern können wir unsere Einstellungen ändern und gesellschaftliche Rahmenbedingungen so gestalten, dass wir Frauen uns freuen zu menstruieren, weiß Sieder.

 

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The Hidden Abject (2015) – die Regel bleibt meist im Verborgenen (Bild: Petra Paul).

Neben Gruppengesprächen der Teilnehmer (ja: Frauen UND Männer sind eingeladen) werden Künstlerin Petra Paul und Kuratorin Elke Krasny über den Menstruationsbegriff in Kunst und Kultur referieren. Für 2016 haben sich die Veranstalterinnen für das Format des Symposiums entschieden, künftig könnte es aber auch zu einem ganzen Menstruationsfestival werden. Ziel ist eine positiv gelebte Menstruationskultur:

Positiv ist es dann, wenn es nicht mehr peinlich ist, wenn ein Tampon aus der Tasche fällt. Positiv ist es dann, wenn wir sie nicht mehr verstecken müssen. Eine positive MenstruationsKultur ist für uns, wenn jede Frau ihren Zugang zur Menstruation leben kann.

Die Kunst der Menstruation

Petra Paul hat ihren ganz persönlichen Zugang zur Monatsblutung gefunden – und zeigt ihn auch anderen: Die Künstlerin malt Bilder aus dem eigenen Menstruationsblut.

Im künstlerischen Umgang sind Kot, Urin und Sperma längst „normale“ Materialien, während Menstruationsblut weiterhin als minderwertig wahrgenommen wird, so Sieder.

In ihren Arbeiten bezieht sich Paul genau auf diesen, von uns gemachten, Ekel, wenn sie den Begriff des Abjektes von Julia Kristeva verwendet: Menstruationsblut zeigt Grenzen auf – zwischen Subjekt und Objekt, Innen und Außen, zwischen Individualität und Kollektivität.

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„The Tampon Dancers“ lässt benützte Tampons auf der Leinwand tanzen (Bild: Petra Paul).

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Manchmal muss man Ekelgefühle provozieren, um sie eben auch überwinden zu können. Das passiert bei Petra Paul durch ihr eigenes Blut und bei den Teilnehmern des Menstruationssymposiums vielleicht durch den offenen Austausch von Erfahrungswerten.

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„Menstruart: The Menstrual World – View from Space (2015)“: Die Welt der Menstruation – aus anderer Perspektive betrachtet (Bild: Petra Paul).

 

Menstruationssymposium

Samstag, 28. Mai 2016

WUK Projektraum,

Währinger Straße 59, 1090 Wien

Eintrittspreis: 20,-

Anmeldung & Kontakt

 

MenstruationsSymposium

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