Das Geld wächst auf Olivenbäumen

Crowdinvestment nachhaltiger Unternehmensideen ist ein direkter Weg verantwortungsvoller Veranlagung. Das bietet derzeit zum Beispiel Mani Bläuel.

Beim Familienunternehmen Mani Bläuel kann man über sogenannte »Olivenbäumchen-Darlehen« in Unternehmensprojekte investieren. Die jährlichen Zinsen werden entweder an die DarlehensgeberInnen überwiesen oder für das Produkt-Sortiment gutgeschrieben. Bild: Reinhard Gessl.

Ein österreichisch-griechisches Familienunternehmen im Familieninterview zu Darlehen und Investment.

Der griechische Biooliven(öl)produzent Bläuel Greek Organic Products ist in Österreich und Deutschland besser unter seiner Marke Mani bekannt. Unter dem Titel Olivenbäumchen-Darlehen kann man beim österreichischen Tochterunternehmen Mani Bläuel nun über Nachrangdarlehen in Projekte des Unternehmens in Griechenland investieren. Der/die DarlehensgeberIn kann so indirekt in Unternehmensprojekte in den Bereichen Vorfinanzierung von Rohstoffen, Expansion und Produktentwicklung in Griechenland investieren. Und bekommt wahlweise drei Prozent Zinsen jährlich überwiesen oder vier Prozent Zinsen über einen Warengutschein für das Mani-Sortiment.

BIORAMA: Sie sagen, die Darlehen haben mehr AnlegerInnen gefunden, als Sie erwartet hatten. Hat die Beliebtheit mit der griechischen Krise zu tun? 

Burgi Bläuel: Ja, ich denke schon. Wir hatten begonnen, nachzudenken, ob wir etwas tun oder beitragen können. Es gab eine Sympathiewelle und beispielsweise die Bewegung »Griechenland blüht«, aber keine Möglichkeiten dafür, direkt in Griechenland auf verantwortungsvolle Weise zu investieren, und es hat sich auch niemand getraut. In unser Unternehmen trauen sich die Leute zu investieren. 

Gibt es vergleichbare Projekte wie Ihres in Griechenland?

Felix Bläuel: Nein, ich behaupte, es gibt derzeit keine vergleichbaren Möglichkeiten, in Griechenland zu investieren. Und griechische Unternehmen haben leider keine Möglichkeiten, Geld auf die Weise zu akquirieren, wie wir das konnten. Wir sind eine 100% griechische Firma mit 100% österreichischen EigentümerInnen. 
Wir hoffen, dass die Möglichkeiten, die es hier in Österreich für Crowdfunding gibt, Schule machen und sich auch in anderen Ecken Europas etablieren.
Burgi Bläuel: Hätten wir keine österreichische Firma, könnten wir das nicht machen. Das ermöglicht uns rechtlich, die griechische Firma über die Nachrangdarlehen unserer KundInnen zu unterstützen. Inhaltlich ermöglicht es uns auch, vor Ort umfassender nachhaltig zu investieren, als wir uns das früher leisten konnten – etwa auch Sozialprojekte zu unterstützen. Momentan fallen unsere Träume auf den Boden. Es ist sehr schön, was für uns derzeit möglich ist.

Sie leben in Griechenland. Wie ist die Reaktion Ihrer griechischen Umgebung auf Ihre Finanzierungslösung?

Burgi Bläuel: Unsere MitarbeiterInnen sind froh, dass es uns als Unternehmen gut geht, aber in Griechenland ist man hier sehr skeptisch und empfindet das Crowdfunding auch irgendwie als Bettelgang. Und ich war zugegeben anfangs auch unsicher. Aber als wir die ersten InvestorInnen gewonnen haben, hat sich mir erschlossen, dass es sich hier um wunderbare Kooperationen handelt und wir eine ganz neue Qualität der Einbindung von KundInnen haben – und insofern auch eine andere KundInnenbindung.

Gibt es griechische AnlegerInnen?

Felix Bläuel: Unsere AnlegerInnen sind vor allem aus Österreich und Deutschland. Obwohl wir ein großes Netzwerk in Griechenland haben, haben wir keine griechischen AnlegerInnen. Wir stoßen auf viel Unverständnis dort betreffend das Grundkonzept. Auch die Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, fragen sich, wie das überhaupt funktioniert, dass Menschen bereit sind, Geld zu investieren ohne Absicherung im klassischen Sinn.
In Griechenland war es gerade jahrelang normal geworden, dass man mit seinem Geld nicht machen kann, was man möchte. Umso schräger mutet den GriechInnen an, dass hier ÖsterreicherInnen und Deutsche Geld investieren.

Wie verändert es ein kleines Unternehmen, das sich auf Produktion und Handel von Olivenprodukten spezialisiert hat, wenn man als KundInnen plötzlich auch AnlegerInnen hat? 

Felix Bläuel: Es ist ein beachtlicher Einmalaufwand, aber glücklicherweise in unserer Größenordnung vergleichsweise unkompliziert. Das ist im Aufwand nicht zu vergleichen mit dem Unterfangen, klassische Bankleistungen oder etwa Fonds anzubieten. Und wir hatten den Vorteil, dass wir ein vergleichbares Crowdfunding beim Unternehmen Gea beobachten konnten und schauen konnten, wie es dort funktioniert. Und von dort haben wir auch Unterstützung bekommen, um ein ähnliches Modell für unser Unternehmen umzusetzen. 

Sollte es bei kleinen nachhaltigen Anlageformen externe Überprüfungen nicht nur der finanziell-rechtlichen Grundlage, sondern auch der Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards geben? 

Fritz Bläuel: Die gibt es derzeit nicht, würde es sie geben, würden wir uns ihnen sehr wahrscheinlich unterziehen. Derzeit versuchen wir nach bestem Wissen und Gewissen, den Anforderungen des Alternativen Finanzierungsgesetzes (AltFG) nachzukommen, und setzen auf Vertrauen und Transparenz durch laufende Information über unsere Website – ich blogge hier regelmäßig, darüber, was mit dem Geld vor Ort passiert, und über die wirtschaftliche Situation der Firma im Detail.

Es gibt keine Einlagensicherung. Aber viel Transparenz. Ist es gewöhnungsbedürftig, wenn KundInnen, die früher Oliven bei Ihnen gekauft haben, nun vielleicht auch eine Meinung zu Unternehmensentscheidungen äußern? 

Fritz Bläuel: Nein, wir reden gerne darüber. 

Nachhaltige Unternehmungen brauchen (Start-)Kapital. Was machen Sie, damit andere es leichter haben, Unternehmen aufzubauen? 

Fritz Bläuel: Ich hatte kein Geld, als ich begonnen hatte, aber das Glück, das Olivenöl der Bäuerinnen und Bauern rein auf Vertrauen beruhend zu bekommen, um mir den Export zu ermöglichen – und bezahlt habe ich sie nachher, bis ich irgendwann meinen ersten Bankkredit aufnehmen konnte. Damit, dass ich die Abhängigkeit durch die Finanzierung durch Banken nun wieder reduzieren konnte, schließt sich für mich ein kleiner Kreis. Wir sind keine Bank, aber wir können als Beispiel wirken und wir teilen sehr gerne unser Know-how.
Felix Bläuel: Das können Sie ruhig verbreiten: JedeR, die oder der Lust hat, etwas Vergleichbares auszuprobieren, kann sich an uns wenden und wir teilen unser Erfahrungswissen. Und zwar nicht nur zum Crowdfunding, sondern auch zur Unternehmensführung insgesamt.

Fritz Bläuel, Burgi Bläuel und Geschäftsführer Felix Bläuel. Bild: Mani.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #69 erschienen

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