Click and Do it Yourself

Schnell mal ein Loch bohren, aber nicht das passende Werkzeug? Das Verleihsystem Toolbot soll bald rund um die Uhr Leihwerkzeug bieten.

Mockup: So könnte ein Toolbot in iner Öffi-Station aussehen.
So könnte ein 24/7-Werkzeugverleih von Toolbot in einer Öffi-Station aussehen. Bild: Jan Gerlach.

Toolbot ist ein Click-and-Collect-System für den Werkzeugverleih, durch Automatisierung kann im Vergleich zu einem Verleih in einem Baumarkt nicht nur Zeit, sondern auch Kosten eingespart werden. So können online reservierte Werkzeuge mitsamt Verbrauchsteilen uhrzeitunabhängig entliehen und zurückgebracht werden, dadurch sind auch im Vergleich zu anderen Verleihsystemen die Kosten geringer, da man das Werkzeug direkt nach der Nutzung zurückbringen kann und nicht warten muss, bis die Verleihstation öffnet. Auch das automatisierte Scansystem, das überprüfen kann, ob das Zubehör in den Werkzeugkisten vollständig zurückgebracht wurde, spart Kosten ein, wodurch die Mietpreise bei Toolbot überschaubar bleiben. Bezahlt wird beim automatisierten Verleihsystem pro Stunde, die Stundepreise liegen je nach Werkzeug zwischen einem und drei Euro. Zur Nutzung von Toolbot muss man sich mit einer E-Mail-Adresse und Telefonnummer registrieren, auch eine Kreditkarte oder ein Paypal-Konto muss hinterlegt werden. Wird entliehenes Werkzeug nach mehreren Tagen nicht zurückgebracht, bekommt man eine Benachrichtigung. Wird auch darauf nicht reagiert, kommt es zur Anzeige. So weit die Theorie, die Praxis sieht derzeit noch anders aus. Die sechs Verleihstationen in Berlin, Cottbus und Kassel haben begrenzte Öffnungszeiten, noch im Sommer 2022 will man einen Standort präsentieren, an dem man rund um die Uhr Werkzeug ausborgen und zurückbringen kann. 

Bestehende Systeme zu umständlich und teuer

Die Idee für ein automatisiertes Werkzeugverleihsystem entstand in der Warteschlange eines Werkzeugverleihs bei einem Baumarkt, der gesamte Prozess mit Anfahrt, Kaution und Rückgabe erschien den EntwicklerInnen rund um Toolbot-Geschäftsführer Jan Gerlach zu kompliziert und zu langsam. Bei der Finanzierung der Projektidee half eine Crowdfunding-Kampagne, außerdem wurde das Projekt in der deutschen Fernsehsendung »Die Höhle der Löwen« vorgestellt. Ein erhofftes Investment blieb allerdings aus.

Standorte

Verleihstationen von Toolbot und deren Öffnungszeiten findet man unter toolbot.de/locations

Dennoch findet die Technik hinter Toolbot auch abseits der eigenen Verleihstationen Anwendung. Vor Kurzem hat Thingk-Systems, das Technikunternehmen hinter Toolbot, ein Click-and-Collect-System für die deutsche Baumarktkette Toom entwickelt – die Pilotphase des Projekts startete im August 2022 an zwei Standorten in Köln. Derzeit arbeitet man an einem energieautarken Modell, das mit Solarmodulen betrieben wird, und einem mobilen Werkzeugverleihsystem, das auf Festivals und überall, wo temporär viel Werkzeug benötigt wird, eingesetzt werden soll. In näherer Zukunft plant man neue Modultypen, bei denen auch größere Werkzeuge entliehen werden können.

Online-Werkzeugverleih

Auch beim deutschen Unternehmen Kurts gibt es ein Click-and-Collect-System zum Werkzeugverleih – die Mietpreise sind etwas höher als bei Toolbot.
kurts.tools

Von der mangelnden Bereitschaft von InvestorInnen, den Ausbau des Systems zu finanzieren, lässt sich Toolbot nicht entmutigen: »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir Privatpersonen für unsere Idee besser begeistert können, weil sie einfach mehr Berührungspunkte damit haben. Großinvestoren suchen nach Investments, die schneller den Einsatz vervielfachen können, und ihnen scheint der persönliche Bezug zu Werkzeug zu fehlen, weil bei ihnen zuhause Handwerker die Arbeit machen«, sagt Jan Gerlach. Für ihn hat das Werkzeug-Sharing-System großes Zukunftspotenzial, er ist der Meinung, dass es für Konsumgüter schon bald eine CO2-Bepreisung geben wird und Billigprodukte durch die dann eben auch höheren Produktionskosten zunehmend vom Markt verschwinden werden. Seine Lösung, ein automatisiertes Verleihsystem für alle Dinge, die man nicht täglich benötigt, wird sich durchsetzen – davon ist Gerlach überzeugt. 

Das Toolbot-Team rund um Krispin Schulz, Mario Drelas, Christian Lehmann und Toolbot-Geschäftsführer Jan Gerlach (v. l. n. r.).
Das Toolbot-Team rund um Krispin Schulz, Mario Drelas, Christian Lehmann und Toolbot-Geschäftsführer Jan Gerlach (v. l. n. r.) bei der Vorstellung seines Produkts in der Fernsehsendung »Die Höhle der Löwen« im April 2022. Bild: RTL+.

BIORAMA #80

Dieser Artikel ist im BIORAMA #80 erschienen

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