Salzburg? Läuft!

Einfach machen – mit Willen und ein wenig Training können Großveranstaltungen als Bioevents bestritten werden...

Die TeilnehmerInnen des Salzburger Marathons.
Bei den Salzburger Lauffestspielen werden 2026 rund 16.000 TeilnehmerInnen erwartet. Bild: Salzburg Marathon

Einen Marathon zu bestreiten, will gut geplant und vorbereitet sein – vor allem, wenn er nicht nur der Gesundheit zuträglich sein soll, sondern auch der Umwelt nicht abträglich. Letztlich handelt es sich bei vielen Laufveranstaltungen um Großevents, für die Menschen und Material transportiert werden, wo gegessen und getrunken wird, Strom und Wasser verbraucht werden und schnell eine erhebliche Menge Müll anfällt.

Bio als Vorgabe

Die Wochenendveranstaltung der Salzburger Lauffestspiele, an der die Hauptbewerbe ausgetragen werden, ist biozertifiziert – und das bereits zum 15. Mal in Folge. Neben dem Salzburg Marathon am Sonntag stehen auch ein Halbmarathon, ein 10-Kilometer-Lauf sowie ein Staffelbewerb am Programm. An den Verpflegungsständen bedeutet das: Nahezu alle angebotenen Speisen und Getränke stammen aus kontrolliert biologischer Produktion. Das betrifft nicht nur die Verpflegung für LäuferInnen entlang der Strecke, sondern ebenso die des Publikums inklusive VIP-Zelt. »Wir geben vor, dass alle Gastrostände biozertifiziert sein müssen«, sagt Veranstalter Hannes Langer. Die meisten Betriebe seien es bereits, einzelne hätten sich eigens für die Veranstaltung zertifizieren lassen. Im Vorjahr etwa betraf das zwei Stände. Eine solche Kurzzeit-Zertifizierung nur für die Dauer des Events bietet der Bioverband Bio Austria an. Produkte, die nicht bio sind, gibt es beim Marathon allerdings schon auch – sie werden als solche klar gekennzeichnet. So etwa die Getränke des Sponsors Coca-Cola, aber auch der Kuchen im Zielbereich. Langer sagt dazu nüchtern: »Wir müssen manchmal Abstriche machen, um Versorgungslücken zu schließen.« Für die benötigten Kuchenmengen gebe es derzeit schlicht keinen Anbieter, der die benötigte Menge in Bioqualität liefern könne. Es gehe dabei weniger um Kosten als um Logistik. Insgesamt habe es zur Frage, ob der Bewerb auf Bio umgestellt wird, auch vor 15 Jahren keinen Gegenwind gegeben, sagt Langer – und für ihn persönlich sei es ohnehin ein »logischer Schritt« gewesen, sagt er: »Ich beschäftige mich seit den 1980er-Jahren mit biologischen Lebensmitteln.«

Green Event

Während sich die Biozertifizierung in Salzburg vor allem auf das gastronomische Angebot bezieht, würde eine Green-Event-Auszeichnung die gesamte Organisation der Veranstaltung umfassen – also auch Anreise, Energieeinsatz, Abfallmanagement und Beshaffung.
greeneventsaustria.at

Wo es Hydranten gibt, gibt es Leitungswasser

Abgefülltes Wasser gibt es beim Event nicht mehr, stattdessen an Verpflegungsstationen Leitungswasser direkt aus Salzburger Hydranten. Powerade – ebenfalls von Sponsor Coca-Cola und daher nicht biozertifiziert – wird grundsätzlich als Pulver geliefert und vor Ort mit Leitungswasser angemischt und in Papierbechern ausgeschenkt. In Zielnähe werden Getränke in Pfandflaschen verkauft. Alubehälter wurden vollständig aus dem System genommen. Seit 2018 gilt im Bundesland Salzburg zudem ein Mehrweggebot für Veranstaltungen. Einweg ist damit ohnehin stark reglementiert.

Eine Frau läuft.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird belohnt und ist am Marathonwochenende für Teilnehmende im ganzen Bundesland Salzburg kostenlos. Bild: Salzburg Marathon

Kurze Wege

Start und Ziel liegen so nahe beieinander, dass kein Kleidertransport organisiert werden muss. Bei der Fahrzeuglogistik setzt man auf E-Autos, die Rennbegleitung erfolgt mit Fahrrädern und E-Bikes. Blaulichtfahrzeuge werden großteils durch Fahrräder ersetzt. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird belohnt und ist am Marathonwochenende für Teilnehmende im ganzen Bundesland Salzburg kostenlos. Während sich die Biozertifizierung in Salzburg vor allem auf das gastronomische Angebot und dessen Herkunft bezieht, bewertet eine Green-Event-Auszeichnung die gesamte Organisation der Veranstaltung – also auch Anreise, Energieeinsatz, Abfallmanagement und Beschaffung. Um eine solche Zertifizierung haben sich die Lauffestspiele der Mozartstadt bislang nicht bemüht – als Grund gibt Langer hohen Organisationsaufwand an. Man beteuert, die Veranstaltung dennoch »Schritt für Schritt weiterzuentwickeln«. Eine Veranstaltung mit rund 16.000 TeilnehmerInnen (die BesucherInnen nicht eingerechnet) nachhaltiger zu gestalten sei nur durch Kooperation von entsprechend motivierten Akteuren möglich, betont Hannes Langer, wie etwa jener mit Bio Austria, die seit der ersten Biozertifizierung des Laufevents seit 2010 bei der Planung und Umsetzung unterstützt – »Es geht nicht ohne die richtigen Partner«.

Salzburger Lauffestspiele 2026

Die 23. Salzburger Lauffestspiele finden von 10. bis 17. Mai 2026 statt. Erwartet werden rund 16.000 TeilnehmerInnen. salzburg-marathon.at

BIORAMA #102

Dieser Artikel ist im BIORAMA #102 erschienen

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