Refugium in den Baumkronen

Ursprünglich als Wohnhaus gezimmert nutzt Heinz Ziegelwanger – eigentlich Kunsttischler, heute Biobauer, Imker und Schafzüchter – seine Vogelwarte als Abenteuerspielplatz, Baumschulverkaufsraum und künftig als Hendlstall.

Foto: Heidrun Henke.

Wie soll man sich das Paradies auch anders vorstellen denn als Abenteuerspielplatz, Biobauernhof oder Obstgarten. Oder, besser noch: als alles in einem. Eben. So gesehen lässt sich das Paradies – Sooß 3 – mit dem Navi ansteuern, es liegt zwischen Melk und Sankt Pölten an einem Hügel am Rande des Dunkelsteinerwalds. Der selbst ist zwar zu weiten Teilen Fichtenforst und Monokultur. Doch hier in Sooß, in Gemeindegrenzen gedacht befinden wir uns in Loosdorf, blüht das Leben in seiner vielfältigsten Pracht. Vor zwanzig Jahren hat Heinz Ziegelwanger, damals aufstrebender Kunsttischler, von seinem Onkel Karl eine Wiese gepachtet und darauf alte Obstsorten auf Hochstamm gepflanzt. »Da der kleine Bauernhof verfallen war, errichteten wir die Vogelwarte«, erinnert er sich. Neben einem optimalen Ort zur laienhaften Vogelbeobachtung bot ihm das neun Meter hoch ragende Bauwerk mit seinen fünf Ebenen Unterkunft und Lagerraum. »Frei wie ein Vogel einschlafen und aufwachen, ohne Strom und sonstige neuzeitliche Errungenschaft.« Darum ging es ihm und seiner Frau Mona Mayer damals.

Zwei Jahrzehnte später – Ziegelwanger verdingt sich längst als Biobauer, Baumschulgärtner, verkauft als Imker Honig, Königinnen, Völker und züchtet Kärntner Brillenschafe, die gelernte Gärtnerin Mayer arbeitet im Nebenerwerb in einem Mutter-Kind-Haus – hat sich die Sache zu einem auf drei Standbeinen stehenden Biobauernhof ausgewachsen. Und die fünfköpfige Familie ist aus der Vogelwarte herausgewachsen.

Doch auch nach der Geburt von Alvin (2004), Silvius (2009) und Jasmina (2012) ragt die Vogelwarte neben dem liebevoll wiederhergerichteten Bauernhaus über die Landschaft, als Refugium aus den zu ihr hinaufgewachsenen Obstbaumkronen. Die oberen beiden Etagen nutzen die Kinder, manchmal auch Gäste, als Wohn-, Spiel- und Schlafraum; jene darunter dient als Lager, die zweite als Verkaufsraum der Baumschule. Und zu ebener Erde wird gerade umgebaut. Hier residieren künftig – »Endlich!«, frohlockt Mona Mayer – die neu angeschafften Hühner. Schließlich kräht im Paradies frühmorgens auch ein Hahn.

Biohof Schaf & Biene

Heinz Ziegelwanger und Mona Mayer verkaufen nicht nur Honig, Bienenvölker, Lammfleisch, Zuchtschafe, Obst, Säfte und Bäumchen alter Obstsorten, sondern übernehmen in Kooperation mit dem Verein Arche Noah auch die Wunschveredelung persönlicher Lieblingsobstsorten. Außerdem beherbergt ihr Hof als Teil des weltweiten WWOOF-Netzwerks (»World-Wide Opportunities on Organic Farms«) immer wieder Gäste, die für Kost und Logis mitanpacken.
Sooß 3, 3382 Loosdorf
schafundbiene.at

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #-4 erschienen

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