Mein Fluss: Donau

Menschen und Kleinstädte, die die Donau verbindet.

Credit: CC BY-SA 2.0. Bild: Stefan Barth/Flickr.

Normalerweise lassen wir an dieser Stelle Menschen ihre Städte anhand von Lieblingsplätzen und Eco-Hotspots porträtieren. In dieser Ausgabe geht es ausnahmsweise um einen Fluss. 

Im Projekt DANUrB – Danube Urban Brand – haben sich Heidi Dumreicher und Michael Anranter zwei Jahre lang darum bemüht, mit Menschen aus Kleinstädten entlang der Donau ins Gespräch zu kommen. Um in die Gespräche hineinzufinden, forderten sie ihre InterviewteilnehmerInnen auf, Fotos von jenen Plätzen und Orten zu machen, die ihnen besonders wichtig erscheinen. Was soll bleiben? Was soll verändert werden? Diese Fragen gaben die beiden Wissenschaftler ihren InterviewteilnehmerInnen mit auf den Weg. Übergeordnetes Ziel des Projekts war es, Gemeinsamkeiten zu finden, Unterschiede anzumerken und sie in Hinblick auf eine sozial verträgliche Tourismusstrategie zu überwinden. Als Basis dafür stellt DANUrB das eigene, gelernte Verständnis von Kulturerbe und lokaler Verankerung in den Vordergrund. 

Basketball

»Ein großes Unternehmen hier in der Region war einst Eigentümer von unserem Resort. Für seine Kunden und auch für seine Mitarbeiter aus dem ganzen Land wollte man hier ein Erholungszentrum bauen: Sport stand im Vordergrund. Nach dem Krieg wurde das Grundstück verkauft und auch das Unternehmen ist heute nicht mehr in der Hand der ehemaligen Besitzer. Mein Bruder und ich dachten uns: Hey, lass uns das versuchen. Bisher sind die Nächtigungsraten ganz gut – wir haben viele Hochzeiten bei uns. Dafür geben die Leute hier sehr viel Geld aus.« – Marina, Serbien

Fischereischule

»In unserer Fischereischule gibt es junge und ältere SchülerInnen. Erst nach vier Jahren ist man für das abschließende Examen bereit – dafür kennt man dann aber jeden Fisch, der in der Donau schwimmt. Ein Teil der Prüfung ist theoretisch, der zweite ist praktisch. Unsere SchülerInnen lernen nicht nur das Angeln, sondern auch Fischzucht. Dabei arbeiten wir mit anderen Einrichtungen zusammen. Sie betreuen Warm- und Kaltwasserfische und schützen unsere Umwelt.« – Piotr, Slowakei

Kormoran

»Eigentlich bin ich für den Naturschutz; davon haben wir alle etwas. Der Schutz des Großen Kormorans geht meiner Meinung nach aber etwas zu weit. Die Bestände haben sich nicht nur erholt, sondern in einem Maße zugenommen, dass die Fischbestände gefährdet sind. Wir merken das vor allem in den Nebenflüssen. Der Große Kormoran ist ein ausgefuchster Jäger – bis zu 40 Meter tief kann er tauchen. Faszinierend, oder?« – Branoslaw, Serbien

Schwimmende Hütten

»Noch im Sozialismus haben sich einige hier schwimmende Ferienhäuser gebaut. Obwohl die meisten dieser schwimmenden Häuser einst illegal gebaut wurden und Eigentum verpönt war, sind die meisten der noch intakten schwimmenden Häuser heute in Privatbesitz. Ihre Nutzungsmöglichkeiten sind unbegrenzt. Einige werden von den BesitzerInnen selbst genutzt, andere als Ferienhäuser vermietet. Oder als Bar für die vielen AnglerInnen und SchwimmerInnen, die hier in den Morgen- und Abendstunden vorbeiziehen.« – Milica, Serbien

Ein Platz am Wasser

»Manchmal sitze ich hier und schaue über die Donau nach Rumänien. Ich war in Craiova und Calafat; beide Städte sind wunderschön. Und die Leute sind sehr gut dort, die streben wirklich nach vorne. Vor allem gehe ich mit meiner Tochter gerne nach Craiova – zum Einkaufen. Klamotten kaufen wir dort; und Schuhe. Ich bin so begeistert davon, dass ich nun dem rumänisch-bulgarischen Zentrum hier beigetreten bin. Dort lernen meine Tochter und ich die Kultur und Sprache kennen. Bald wird sie auch zum Studium nach Rumänien gehen. Durch die Brücke ist alles einfacher geworden.« – Prolet, Bulgarien

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #60 erschienen

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