Lieblingsplätze und Eco-Hotspots in Oulu

Bernhard Oberngruber führt uns durch Oulu und zeigt uns seine Lieblingsplätze.

Kuivasjärvi

Bild: Bernhard Oberngruber.

Hundert Kilometer südlich des Polarkreises ticken die Uhren ein wenig anders als im klimatischen Durchschnittseuropa. Sonnenlicht ist hier entweder im absoluten Überfluss vorhanden oder – sagen wir manchmal – einfach gar nicht. Und um den grimmig kalten Winter Mittelfinnlands ohne langfristige Schäden zu überstehen, muss man die kurzen Sonnenlichtphasen optimal nutzen – am besten mit Langlaufen oder Eislaufen rund um den Kuivasjärvi (»der trockene See«), der sich nur einen Steinwurf vom Universitätscampus Linnanmaa entfernt befindet. Equipment dafür kann man sich entweder direkt am Campus ausleihen oder man findet etwas Passendes in einem der zahlreichen Second-Hand-Shops, am besten im Kirppis Aarrearkku zwischen dem Campusviertel und der Innenstadt.

50% Erneuerbare bis 2030

Bild: Bernhard Oberngruber.

Finnlands rasanter Wandel von einer postkommunistisch anmutenden Agrarwirtschaft (Finnland ist zwar seit 1917 von Russland unabhängig, jedoch lässt sich die geografische, gesellschaftliche und architektonische Nähe zum Riesennachbarn nicht leugnen) zur Hightech-Community in den 1960er-Jahren hat auch in Oulu seine Spuren hinterlassen. Die staatlich gut geförderte Universität Oulu ist derzeit zum Beispiel mit dem Bau eines Testnetzwerks für das neue Flaggschiff der Mobilfunktechnologie (5G) beschäftigt, deren flächendeckende Einführung für 2020 geplant ist. Denn obwohl der Containerbau der Universität es nicht auf den ersten Blick vermuten lässt: Hier versteckt sich Infrastruktur, von der viele Universitäten nur träumen können. Um den Energiehunger der Cybernation zu stillen, will die Regierung den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 25% bis 2030 auf über 50% anheben.

Extremradfahren

Bild: Bernhard Oberngruber.

Sehr zu empfehlen, jedoch ein wenig risikobehaftet, ist im Winter das Radfahren, da die städtischen Fahrradwege ganzjährig geräumt und befahrbar sind – auch wenn bei minus 20 Grad jedes ungeschützte Körperhaar binnen Sekunden einfriert und gefühlt in jeder Kurve der sichere Tod lauert.

Sozialstadt

Bild: Bernhard Oberngruber.

Man spürt in Oulu einen gut geölten Wohlfahrtsstaat an allen Ecken und Enden: Am Wohnungsmarkt unterhält PSOAS (Pohjois-Suomen opiskelija-asuntosäätiö), eine 1971 gegründete StudentenInnenvereinigung, 5500 Wohnungen, die staatlich hochsubventioniert an StudentInnen vermietet werden. Reichhaltige Mittagsmenüs basierend auf einer regional produzierten und stets saisonal verfügbaren Hauptzutat sind um 2,60 Euro in universitären Kantinen zu haben: Alles dreht sich hier um die Kartoffel. Und für 40 Euro kann man ein ganzes Semester lang mit dem Sportipassi ohne Einschränkung über 50 verschiedene Sportkurse besuchen.

Sommersauna

Bild: Bernhard Oberngruber.

Im Anschluss an sportliche Winteraktivitäten ist der Gang in die Sauna eigentlich obligatorisch. In nahezu jedem städtisch geführten Haus ist diese in irgendeinem Eck verbaut und sie hat eine erstaunlich anregende Wirkung auf die sonst eher wortkargen OuluanerInnen. Die Sauna ist nicht nur der Stammtisch der FinnInnen, sie ist quer durch alle Bevölkerungsschichten ein nicht wegzudenkender gesellschaftlicher Grundpfeiler und fixe Größe einer stabilen Geburtenrate.

Im Sommer gibt es in Oulu für alle SaunaliebhaberInnen die »kesän sauna« (Sommersauna), eine Art Riesenfloß mit aufgesetzter Saunahütte, die man unter www.kesansauna.fianmieten kann. Ansonsten ist die Sauna im Sommer frei zugänglich und ankert meist im städtischen Bereich des Oulujoki – absolut zu empfehlen!

Tuba Lounge

Bild: Bernhard Oberngruber.

Im Bereich Kultur und Kulinarik ist Tuba Food & Lounge in der Innenstadt eine Instanz. Hier gibt’s zum einen den besten Burger mit den besten Zutaten der Stadt, den Tubaburger, der auch als vegetarische/vegane Version zu haben ist. Zum anderen beherbergt das Café eine kleine Bühne, die mehrmals im Monat von Theatergruppen bis hin zu Free-Jazz-Bands – meist nur für freiwillige Spenden – bespielt wird. www.tuba.fi

Bild: Bernhard Oberngruber.

Bernhard Oberngruber durfte während seines Masterstudiums »Bildungswissenschaft und Globalisierung« an der Universität Oulu über zwei Jahre hinweg den finnischen Lebensgewohnheiten auf den Grund gehen und verliebte sich ein wenig in die bizarre Welt am Polarkreis. Bernhard ist begeisterter Radfahrer – erst recht im finnischen Winter!

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #58 erschienen

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