Fünf Gründe, jetzt ein E-Auto zu kaufen.
Hohe Benzinpreise sind nicht das einzige Argument, das für einen Umstieg spricht...
Der Frust über steigende Ölpreise macht sich auf dem Automarkt bemerkbar: Im März 2026 stiegen die Verkäufe von Elektroautos in Deutschland rasant an, wie das Kraftfahrt-Bundesamt mitteilt. Insgesamt wurden 70.663 E-Autos verkauft – ein Plus von 66 Prozent im Vergleich zum März 2025. Auch in Österreich waren 25 Prozent aller Neuzulassungen rein elektrisch – ein neuer Rekordwert.
Bisher hat der Tankstellen-Frust nicht dazu geführt, dass Autofans ihre Karosserien massenhaft gegen Busfahrkarten eintauschen würden – obwohl genau das aus finanzieller, aber auch ökologischer Sicht die sinnvollste Lösung wäre. Wer auf seine vier Räder trotzdem nicht verzichten möchte, hat mit einem Stromer zumindest die umweltfreundlichere Lösung parat. Dies sind die wichtigsten Argumente, die für einen Umstieg sprechen:
1. Strom für E-Autos kostet weniger als Benzin.
Seit Beginn des Iran-Krieges haben sich Benzin und Diesel deutlich verteuert. Literpreise jenseits von zwei Euro gehören zur neuen Normalität.
Umgekehrt schlagen sich die hohen Energiepreise bislang nicht auf den Ladestrom durch. Im Interview mit dem Onlinemagazin Riffreporter erklärten die großen Ladestromanbieter EnBW, Shell und Aral, aktuell keine Preiserhöhungen zu planen. Das Unternehmen Vattenfall senkte im März sogar seine Tarife, sodass an den dortigen Ladestationen nun 44 bis 49 Cent pro Kilowattstunde fällig sind.
Am günstigsten wird es für alle, die zu Hause laden können. Mit dem deutschen Stromtarif liegen die Verbrauchskosten um bis zu zwei Drittel niedriger als bei Verbrennern, wie aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Demnach kostete der deutsche Haushaltsstrom im März 2026 durchschnittlich 31,2 Cent pro Kilowattstunde. Ein E-Auto mit einem Verbrauch von 16,9 Kilowattstunden komme bei tausend Kilometer Fahrleistung auf Stromkosten von etwa 53 Euro. Bei einem vergleichbaren Verbrenner wären es 160 Euro (Super E10) bzw. 113 Euro (Diesel) gewesen.
2. Die Preise für Elektroautos sinken.
Es stimmt: E-Autos sind in den meisten Fällen noch immer teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten der Hochvoltbatterie.
Doch der Preisunterschied schmilzt schnell ab. Betrug er im September 2024 noch durchschnittlich 7.500 Euro, waren es ein Jahr später nur noch 1.600 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie, bei der er die Durchschnittspreise der 20 in Deutschland meistverkauften Verbrenner- und Elektromodelle verglichen hat.
Verstärkt wurde dieser Trend durch die neue Elektroauto-Förderung der deutschen Bundesregierung. Während in Österreich das staatliche Förderprogramm dieses Jahr ausgelaufen ist, gibt es in Deutschland neuerdings einen Zuschuss von bis zu 6.000 Euro. Die Kaufprämie gilt rückwirkend für E-Autos, die nach dem 1. Januar 2026 gekauft wurden. Im Mai wurde das entsprechende Antragsportal freigeschaltet.
Im laufenden Betrieb sind Elektroautos ohnehin günstiger als Verbrenner. Zum einen wegen der geringeren Energiekosten. Zum anderen, weil sie seltener in die Werkstatt müssen (kein Ölwechsel) als Benziner. Außerdem nehmen sie über die Treibhausminderungsquote (THG) am Emissionshandel teil: In Deutschland sind Elektroautos darüber hinaus bis 2035 von der Kraftfahrzeugsteuer befreit – in Österreich wurde eine entsprechende Regelung im vergangenen Jahr gestrichen. Seither gibt es für Stromer keine Befreiung bei der motorbezogenen Versicherungssteuer mehr.
3. Reichweiten-Angst war gestern.
Ein Elektroauto-Mythos, der sich am hartnäckigsten hält, ist die sogenannte Reichweiten-Angst – also die Sorge, mit leerem Akku liegen zu bleiben. In der Anfangszeit der Elektromobilität waren solche Bedenken durchaus berechtigt, da es weder ausreichend Ladestationen noch alltagstaugliche Akkus gab.
Heute stellt sich die Lage komplett anders dar. Spitzenmodelle wie der Mercedes EQS kommen selbst im Winter auf reale Reichweiten von über 600 Kilometer, wie der ADAC bei einer simulierten Autobahnfahrt herausfand. Doch auch kleinere Modelle schaffen problemlos zwischen 200 und 300 Kilometer am Stück.
Dass unterwegs der Strom ausgeht, muss ebenfalls niemand mehr befürchten. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur verzeichnet knapp 148.000 Normalladepunkte sowie rund 50.500 Schnellladepunkte in Deutschland (Stand: März 2026). Das sind 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Österreich verfügt mit über rund 37.000 öffentlich zugänglichen Ladepunkten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl über mehr Ladepunkte.

Zwar gibt es in beiden Ländern auch heute noch Regionen mit einer gewissen Unterversorgung. Die Anzahl der Ladestationen wächst jedoch stark. Besonders in Autobahn-Nähe schießen große Ladeparks aus dem Boden, in denen gleichzeitig zehn, 20 oder 30 E-Autos laden können. Auch an deutschen Raststätten geht es voran: Nachdem der Ausbau wegen eines Rechtsstreits jahrelang ruhte, herrscht seit einem Urteil im März 2026 nun Klarheit. Der Weg für neue Ladesäulen ist also frei.
Überhaupt gestalten sich längere Urlaubsreisen im Elektroauto mittlerweile deutlich entspannter als noch vor einigen Jahren. Viele Raststätten verfügen über Ladestationen, zumal sich auch die Bezahlmöglichkeiten verbessern. So müssen EU-weit alle Schnellladestationen über Kreditkartenterminals verfügen. Wer keine Lust auf unterschiedliche Anbieter und Tarifstrukturen hat, kann sich auch auf einen Anbieter beschränken. So bietet das Unternehmen Lonity Ladestationen in ganz Europa an. Sie sind maximal 150 Kilometer voneinander entfernt – also so, dass aktuelle Fahrzeuge locker die Abschnitte meistern können. Der Autor dieses Textes ist mit einem E-Mittelklassewagen bereits mehrfach von Deutschland nach Portugal und Großbritannien gereist – und kam heil wieder.
4. Elektrische Kleinwagen erobern den Markt.
Ob Tesla, Mercedes oder VW: Um möglichst viel Gewinn zu machen, brachten die Hersteller jahrelang vor allem schwere, teure Elektro-SUVs und -Limousinen auf den Markt. Viele Menschen konnten sich ein E-Auto daher schlicht nicht leisten.
Mit zunehmender Konkurrenz aus China setzt jedoch zunehmend ein Umdenken ein. Viersitzer wie der BYD Dolphin Surf oder der Dacia Spring sind inzwischen für unter 20.000 Euro erhältlich. Auch Hyundai, Citroën, Peugeot und Fiat bieten Modelle, die weniger als 25.000 Euro kosten. Zieht man die staatliche Förderung davon ab, sind Preise von unter 15.000 Euro für einen Neuwagen möglich.
Natürlich eignen sich die Mini-Stromer vom Komfort und bezüglich des Akkus nur bedingt für lange Urlaubsfahrten. Als Zweit- oder Stadtfahrzeug kommen sie aber sehr wohl infrage. Zumal ohnehin nur ein Prozent aller Autofahrten in Deutschland weiter als 100 Kilometer ausfallen, wie die Studie »Mobilität in Deutschland« belegt.
5. Die Ökobilanz von E-Autos wird immer besser.
Wer ein E-Auto fährt, muss sich von Halbwissenden nicht selten den Vorwurf der Scheinheiligkeit gefallen lassen. Zwar stoßen die Stromer keine Abgase aus.Aber:»Je nach Energiequelle, Energieeffizienz der Produktion und der Batteriegröße fallen [bei ihrer Herstellung] zwischen 60 und 130 Prozent höhere Treibhausgasemissionen an als bei der Herstellung von Benzin- oder Dieselfahrzeugen«, heißt es in einem aktuellen Faktencheck, den das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) herausgegeben hat. Die hohen Emissionen fallen vor allem bei der Herstellung der Batterien an.
In »Batterien für Elektroautos – Faktencheck und Handlungsbedarf – ein Update« (2025) hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung den Forschungsstand zusammengefasst und diverse Studien ausgewertet.
Diese Kritik ist berechtigt, verkennt jedoch das große Ganze: Zum einen hat sich die Ökobilanz in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Zum anderen kehrt sich die Situation recht schnell um. Im Laufe ihres gesamten »Autolebens« inklusive Herstellung stoßen E-Autos zwischen 40 und 50 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein vergleichbarer Mittelklasseverbrenner – eben weil sie keine Abgase produzieren. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien nimmt dieser Vorteil weiter zu.
Dass es viele Hersteller mit der Nachhaltigkeit durchaus ernst meinen, zeigt der aktuelle »Green NCAP«-Autotest. Er betrachtet den kompletten Lebenszyklus eines Fahrzeugs, von der Energieeffizienz über den Schadstoffausstoß bis hin zu Treibhausgasen.
Green NCAP
Der Test gehört zum renommierten Euro-NCAP-Crashtest (European New Car Assessment Programme, zu Deutsch: Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programm). Dabei handelt es sich um eine Gesellschaft, in der sich europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände zusammengeschlossen haben
Das Ergebnis: Sechs Modelle – allesamt E-Autos – erreichen zwischen 91 und 97 von 100 möglichen Prozentpunkten. Der Dacia Spring kommt sogar auf den Bestwert von 100 Prozent. Zum Vergleich: Der beste Benziner im Test, der Hyundai i20 1.0 T-GDI, schafft 60 Prozent.
Perfekt sind Elektroautos also noch lange nicht – im direkten Öko-Vergleich mit Verbrennern schneiden sie trotzdem deutlich besser ab.
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