Kühler Garten: Der Weg zu deiner Oase

Wie sich das Mikroklima im eigenen Garten beeinflussen lässt...

Eine Wiese mit bunten Wildblumen.
Pflanzenvielfalt lockt Insekten an. Einen vielfältigen Garten erreicht man müheloser, wenn man sich weder allzu wild wuchernde noch nur bei viel Pflege gedeihende Pflanzen anschafft. Bild: Istock.com/Marina Lohrbach.

Trockene Winter, nasse Sommer; lange Hitzeperioden und Starkregen – im Garten bedeuten die sich verändernden klimatischen Verhältnisse neue Herausforderungen. Blüten, durch warme Perioden im Spätwinter herausgelockt, erfrieren bei nachfolgenden Niedrigtemperaturen. Hinzu kommen neue Schädlinge, die zudem die milden Winter überleben und alteingesessenen Pflanzen stark zusetzen. Aber es gibt Gestaltungsspielraum für HobbygärtnerInnen: das Aussetzen robuster Pflanzen und das Schaffen günstiger Bedingungen für Fressfeinde von Schädlingen sind die grundlegenden Maßnahmen, den Veränderungen zu begegnen. Zudem können durch Anpassungen der Gartenarchitektur die Auswirkungen klimatischer Veränderungen zumindest so weit abgefedert werden, dass Pflanzen und Garten Hitze, Trockenheit und Starkregen eher überstehen. Gärten entwickeln ein eigenes Mikroklima. Ob dieses Hitze verstärkt oder abmildert, hängt von vielen Faktoren ab, die HobbygärtnerInnen beeinflussen können. Zehn Tipps für ein besseres Mikroklima im Hausgarten.

1. Bäume und Sträucher pflanzen

Eine ausreichende Menge größerer Pflanzen im eigenen Garten zu pflanzen, ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt für ein gutes Mikroklima im eigenen Garten. Denn Bäume und Sträucher sind nicht nur Schattenspender. Über die Blätter verdunsten die Pflanzen Feuchtigkeit und kühlen so die Umgebungsluft ab. Die Wurzeln von Bäumen sorgen außerdem dafür, dass der Boden durchlüftet wird. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Wasseraufnahmefähigkeit des Erdreichs aus: Bei Starkregen sickert das Wasser leichter in tiefere Erdschichten. Wichtig ist, bei der Auswahl der Pflanzen auch darauf zu achten, ob sie standortgeeignet sind und wie viel Pflege sie brauchen – in den Gartencentern gibt es zuhauf exotische Gewächse, die für heimische Tiere als Lebensraum unbrauchbar sind.

Klimafitte Bäume und Pflanzen

Bäume und Sträucher, die ursprünglich vorwiegend in südlicheren Breitengraden heimisch waren, kommen mit höheren Temperaturen gut zurecht. Beispiele hierfür sind Silberlinde, Zerreiche, Zürgelbaum oder Mispeln, unter den Strauchpflanzen Sanddorn und Liguster.

2. Für Pflanzenvielfalt sorgen

Eine Mischkultur bringt viele Vorteile. Unterschiedliche Pflanzen reagieren unterschiedlich auf Umweltbedingungen und haben unterschiedliche Bedürfnisse. Größere Pflanzen beschatten kleinere. Wenn viele unterschiedliche Pflanzen in einem Garten wachsen, ist es unwahrscheinlicher, dass sie alle einem Extremwetterereignis zum Opfer fallen. Gewächse, die beispielsweise mit großer Hitze besser zurechtkommen, sorgen durch Beschattung dafür, dass die Voraussetzungen für Pflanzen mit niedrigerer Wuchshöhe sich verbessern. Pflanzenvielfalt sorgt außerdem für Insektenvielfalt.

3. Wasserstellen schaffen

Die Anlage eines Teiches ist eine große Veränderung fürs Mikroklima im Garten. Das verdunstende Wasser kühlt die Umgebung ab. Wasserpflanzen verstärken diesen Effekt. Für Vögel, Kleintiere und Insekten ist ein Teich außerdem eine Trinkstelle. Für die Tiersicherheit sollte man allerdings darauf achten, dass es Ausstiegshilfen gibt.
Einen Teich anzulegen, ist aufwendig; fehlt die Möglichkeit dazu, sollte man zumindest in Tonnen oder anderen größeren Gefäßen Regenwasser sammeln. Damit spart man beim Gießen kostbares Trinkwasser. Um zu vermeiden, dass sich Regenwassertonnen zu Brutstätten für Stechmücken entwickeln oder Tiere ins Wasser fallen, sollte man diese abdecken.

Eine Sanddorn-Pflanze.
Sanddorn widersteht Hitze und Frost. Bild: Istock.com/Elena Grishina.

4. Einen Hügel anlegen

Eine weitere Möglichkeit, das Mikroklima zu beeinflussen, ist es, Hügel und Senken anzulegen, in denen sich bei Regen Wasser sammelt und länger gespeichert wird. Es entstehen wind- und sonnengeschützte Stellen und exponiertere. Hier sollte man robustere Pflanzen setzen, sie schützen empfindlichere Gewächse in den geschützten Senken zusätzlich vor der Witterung.

5. Ein Kraterbeet bauen

Die Alternative zum Bau eines Hügels oder dem Graben von Senken ist ein Kraterbeet:eine größere Mulde mit einer kuppelförmigen Struktur – quasi ein umgekehrter Hügel. Die Pflanzen wachsen in der Mulde, die den Regenabfluss fördert, für eine gute Belüftung der Wurzeln sorgt und vor Wind schützt. Optimal ist es dann angelegt, wenn die Pflanzen abhängig von ihren Lichtbedürfnissen höher oder tiefer im Beet gesetzt werden. Gut angelegte Kraterbeete sorgen dafür, dass im Inneren der Mulde bei Hitze wie Kälte die Temperatur etwas moderater ist als außerhalb des Beetes. Deckt man den Krater ab, ist er zudem als Frühbeet geeignet. Der Durchmesser eines Kraterbeets sollte mindestens zwei Meter betragen, die Mulde etwa 20 Zentimeter. Um den Krater aufgeschlichtete Steine sorgen für zusätzlichen Schutz der Pflanzen.

6. Wildnis zulassen

Ein gepflegter Rasen sieht nicht nur langweilig aus, sondern ist auch gegen Trockenheit wenig widerstandsfähig. Das Gras hat nur sehr kurze Wurzeln und muss ständig gegossen werden. Wiesengräser und Wildblumen hingegen wurzeln viel tiefer. Das hat zwei Vorteile: Diese Pflanzen überstehen heiße und trockene Phasen besser. Außerdem schützen die Wurzeln der wilden Pflanzen den Boden bei Starkregen vor Erosion.

Vielfalt für Schmetterlinge

Die Anwesenheit von Schmetterlingen ist ein gutes Zeichen, denn sie brauchen Pflanzenvielfalt. Je größer die Auswahl an Nektarblüten, desto mehr Falter tummeln sich im Garten. Aber auch die Raupen brauchen Nahrung. Viele Arten mögen Brennnesseln, Klee oder Löwenzahn. Wer sich erkundigt, welche in der Region lebenden Arten einen ausgefalleneren Speiseplan haben, kann besonders entscheidend zum Erhalt dieser Art beitragen.

7. Mulch ausbringen

Mulch schützt den Boden vor dem Austrocknen wie auch gegen Erosion. Insbesondere rund um Pflanzen empfiehlt es sich deshalb, eine Mulchschicht auszubringen. Es muss nicht unbedingt Rindenmulch sein. Auch Grünschnitt oder Laub können als Bodenbedeckung verwendet werden. Für Regenwürmer, Käfer, andere Tiere und auch Mikroorganismen bietet Mulch außerdem optimalen Lebensraum. Diese sorgen wiederum für einen gut durchlüfteten Boden und dienen größeren Tieren als Beute.

8. Boden und Wege entsiegeln

Ein Garten sollte im besten Fall keinen versiegelten Boden haben. Und doch sind in vielen Hausgärten zumindest Teile der Flächen betoniert. Diese sollten nach Möglichkeit entfernt oder zumindest entschärft werden. Auch kleine versiegelte Flächen wie betonierte oder geschotterte Wege wirken sich negativ auf das Mikroklima eines Gartens aus. Wer auf einen befestigten Weg nicht vollständig verzichten will, kann auf halboffene Varianten setzen, die wasserdurchlässig sind und in deren kleinen Zwischenräumen Moose, Gräser und Kräuter wachsen können.

Eine grüne Wiese.
Wer den Mut hat, eine Rasenfläche abgesehen von regelmäßiger Mahd für eine Weile sich selbst zu überlassen, wird nach Kurzem belohnt. Bild: BIORAMA/Zelewitz.

9. Komposthaufen anlegen

Den Nutzen eines Komposthaufens muss man HobbygärtnerInnen nicht erklären. Kompostierbare Abfälle können hier bequem entsorgt werden, und der dabei entstehende Humus ist die nährstoffreiche Erde, die Pflanzen am besten gedeihen lässt und überall im Gartenboden für verbesserte Wasserhaltefähigkeit sorgt.

10. Orte für Insekten schaffen

Manche Insekten sind GärtnerInnen willkommener als andere. Prinzipiell sind sie aber natürlich essenziell für eine gesunde Pflanzenwelt auch im Garten. Deshalb sollte man Orte schaffen, wo sie sich in Vielfalt ansiedeln können. Dafür kann man Insektenhotels kaufen oder basteln oder in einer Ecke des Gartens etwas Totholz liegen lassen. Hier siedeln sich Käfer, Würmer und andere GartenbewohnerInnen am liebsten an. Auch für Vögel, Eidechsen oder Igel sind solche Stellen optimal. Für im Boden nistende Bienen und andere Insekten sollte man auch erwägen, kleine Sand- oder Lehmstellen anzulegen – möglichst an einer trockenen und sonnigen Stelle im Garten.

Warum wilde Pflanzen – darunter auch Wildstauden – für den Garten wichtig sind, erklärt der Gärtner Dieter Gaißmayer im Gespräch mit BIORAMA.

BIORAMA #96

Dieser Artikel ist im BIORAMA #96 erschienen

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