Ganz andere Typen

Es gibt wenige BiowinzerInnen, die PIWI-Rebsorten in Niederösterreich anbauen. Die Bio-Weingüter Hausdorf und Grillmaier zeigen es vor.

Weinberg in Niederösterreich

Es gibt überraschend wenige BiowinzerInnen, die PIWI-Rebsorten in Niederösterreich anbauen. Die Weingüter Hausdorf und Grillmaier sind zwei von ihnen.

PIWI-Rebsorten haben eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten und werden deswegen im Weingarten mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln behandelt. Nachdem Art und Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmitteln neben anderen Faktoren, darüber entscheiden, ob ein Betrieb sich biozertifizieren lassen kann oder nicht, wäre es naheliegend, dass es eine bemerkbare Schnittmenge von Biobetrieben und jenen, die PIWI-Rebsorten anbauen, gibt. Dies ist jedoch nicht der Fall. PIWI spielt im Weinbau aktuell eine noch viel kleinere Rolle als bio.

Bei anderen Winzern kosten

Einer der wenigen Biobetriebe in Niederösterreich, der PIWI-Rebsorten anbaut, ist das Bioweingut Arkadenhof Hausdorf in Neudegg am Wagram, nördlich der Donau. In dem Familienbetrieb wird alles per Hand gelesen und spontan im Keller vergoren. 2018 hat Sohn Moritz Hausdorf die Führung des Betriebs von seinem Vater Harald übernommen. Harald Hausdorf war ein aus der IT kommender Quereinsteiger, der das Weingut 1995 auf Bio umgestellt hat. »Er hat sich immer schon für alles interessiert, was neu ist – und so auch für PIWI-Rebsorten«, erzählt Moritz. Bereits seit 2005 baut die Familie die PIWI-Rotweinsorte Rösler an. Ihr war wichtig, die Stöcke nicht aus Forschungseinrichtungen zu kaufen, sondern von anderen Winzern, um die Weine verkosten zu können: »Das ist die einzige Möglichkeit, einen korrekten Eindruck der Sorte zu bekommen und war damals durchaus schwierig.« Anschluss und Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen hat man schnell im Verein PIWI Österreich gefunden.

»PIWI-Sorten sind weniger bekannt und werden im Regal nicht erkannt. Es braucht hier das persönliche Gespräch und die Möglichkeit zu kosten.«

Josef Grillmaier, Biowinzer

Für Moritz haben die PIWI-Rebsorten nicht nur den Vorteil, dass sie auch weniger Arbeit im Weingarten brauchen. Sie kommen auch dem Versuch entgegen, Sorten- und Gebietstypisch mit Spontanvergärung zu arbeiten. Es ist für ihn spannend, dass »ganz andere Typen« von Wein möglich sind. Der weiße »GrooVy« ist ein Donauveltliner, eine Rebsorte gekreuzt aus Grüner Veltliner und Seyval Blanc. Für uns war der »GrooVy« eine ungewöhnliche Verkostung, bei der die einzelnen Geschmacksnoten für sich standen und nur bedingt ein Ganzes ergaben. Moritz erklärt, dass man hier versucht, nicht unbedingt dem klassischen Grünen Veltliner nachzueifern, sondern der Rebsorte ihre Eigenheiten zu lassen: »Wir wollten ohne Scheu vor Sauerstoff die Zitrusnoten betonen und den Wein eher in Richtung eines Burgunders ausbauen.« Der rote »MORed« ist ein Cuvee aus Rösler und Zweigelt – aktuell im Jahrgang 2013 –, dem Familie Hausdorf Zeit gibt, um abzurunden. Es ist der einzige Wein, der im Keller des Weinguts im amerikanischen Holz reift, da »Rösler sonst zu kantig wird«, wie Moritz Hausdorf erklärt.

Frühe Weinlese

Auch das Weingut Grillmaier im Kamptal ist eine Bioweingärtnerei mit PIWI-Rebsorten im Angebot. Kennengelernt hat Josef Grillmaier PIWI auf dem Weingut Paradeiser – und der Johanniter hat ihm so gut geschmeckt, dass er auch gleich selbst vor mittlerweile zwölf Jahren begonnen hat, PIWI-Sorten auszupflanzen: Rösler, Muscaris, Johanniter und auch Donauveltliner. Mittlerweile sind es zwei Hektar mit PIWI-Rebsorten. Gleichzeitig hat Grillmaier damals auch auf Bio umgestellt. Auch er schätzt an den Rebsorten, dass weniger Pflanzenschutz nötig ist, dafür ist der Lesezeitpunkt früher. Ein Umstand, der die Arbeit im Keller erschwert.

PIWI-Weine sind auch unter BiowinzerInnen in Niederösterreich nur ein kleines Thema. Nicht so bei den Weingütern Arkadenhof Hausdorf und Grillmaier. Bild: Bioweingut Arkadenhof Hausdorf.

Die größte Herausforderung sieht Josef Grillmaier in der Kommunikation: »PIWI-Sorten sind weniger bekannt und werden im Regal nicht erkannt. Es braucht hier das persönliche Gespräch und die Möglichkeit – etwa beim Heurigen – zu kosten. Dann erkennen die KonsumentInnen, dass diese Weine schmecken.« Einfacher sind deswegen Sorten wie der Donauveltliner, der an den Grünen Veltliner angelehnt ausgebaut werden kann, oder der Muscaris mit klaren Muskatellernoten. Uns hat vor allem auch der Johanniter überzeugt, der als junger Wein eine Balance aus frischer Säure und sehr ausgeprägter Frucht mit floralen Kräuternoten hat – und zwar in der Nase und am Gaumen durchaus kräftig. Laut Josef Grillmaier sollte man sich nicht scheuen, PIWI-Rebsorten mit bekannteren Weinsorten in Konkurrenz treten zu lassen – er sieht für sie noch eine große Zukunft.

PIWI-Rebsorten werden seit den 1960er-Jahren gezüchtet – in erster Linie durch Kreuzungen. Die Suche nach neuen Rebsorten wurde in den letzten Jahren intensiviert.

Auch wenn wärmer werdendes Klima gerade den PIWI-Rebsorten nicht entgegenkommt: Sie sind ohnehin früher reif und damit sie nicht zu viel Zucker bekommen, müssen sie früh geerntet werden, was sich durch den Klimawandel dann noch verstärken würde. Beim Keltern ist es dann noch zu warm und der Keller muss energieaufwendig gekühlt werden. Damit das wiederum nicht allzu klimaschädlich wirkt im Idealfall mittels erneuerbarer Energie. Es bleibt kompliziert.

Hausdorf, GrooVy, 2019 (Weingut Arkadenhof) und Johanniter, 2019 (Weingut Grillmaier)
Hausdorf, GrooVy, 2019 (Weingut Arkadenhof) und Johanniter, 2019 (Weingut Grillmaier).

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #72 erschienen

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