Das Unding: Die Gänserndorfer Schneelanze

Am Gerücht ist nichts dran: Gänserndorf verfügt weder über eine Schneekanone noch über eine Pistenraupe. Allerdings verstaubt in der Flachlandgemeinde eine »Schneelanze«.

Foto: Stadtgemeinde Gänserndorf.

Wie kommt man auf die Idee, im tiefsten Flachland eine Beschneiungsanlage anzuschaffen? Warum steht seit 2013 eine Schneelanze im Lager der Stadtgemeinde?

Ganz genau lässt sich das nicht mehr nachvollziehen. »Das Ding wurde unter meinem Vorgänger angeschafft«, sagt René Lobner. Er ist seit 2015 Bürgermeister in Gänserndorf (Seehöhe 157 Meter), der Bezirks- und auch darüber hinaus heimlichen Hauptstadt des Marchfelds. Die windige Ebene ist mittlerweile bekannt für ihre nachts weithin rot blinkenden Rotorenkraftwerke – und damit für das Fehlen jeglicher nennenswerter Erhebungen. Selbst Hügel sucht man hier vergebens.

Wobei: fast. Einen überschaubaren Rodelhügel gibt es im Gemeindegebiet. Und genau der hätte ursprünglich mit der Schneelanze beschneit werden sollen. Was zwar gut gemeint war, sich aber als eher unpraktikabel erwies. »Das Ganze war nicht sonderlich gut durchdacht und geplant. Dort ist es sehr windig und es verbläst den feinen Wassernebel – also den Schnee – zu sehr«, so Lobner. Weder eine Wasserversorgung, eine Zuleitung, noch ein fixer Aufstellplatz wurden seinerzeit unter seinem Vorgänger geschaffen. »Insofern ist das Ding unter diesen Rahmenbedingungen nicht wirklich gut einzusetzen.« Zum Einsatz könne die Lanze überhaupt erst nach mehreren Tagen unter minus 3 Grad kommen.

Foto: Stadtgemeinde Gänserndorf.

In der Fantasie der Bevölkerung ist die Schneelanze ob ihrer seltenen Sichtung bereits zur Schneekanone oder gar zur Pistenraupe ausgewachsen. Die SchildbürgerInnengeschichte von der Flachlandgemeinde mit der Schneekanone in der Gemeindegarage, die auch in den umliegenden Dörfern und Siedlungen die Runde macht, ist zwar maßlos übertrieben und die Fehlinvestition keine große. Ein Fehlkauf war die Schneelanze aber offensichtlich. Denn im seltenen Fall des Falles, dass die Temperaturen tief genug für ihren Einsatz sind, muss jemand vom städtischen Bauhof für die Betreuung abgestellt werden. Alles in allem: »eine absolute Energie und Ressourcenverschwendung« (Lobner). Zumal das Marchfeld mittlerweile mitunter selbst im Winter unter Wasserknappheit leidet.

Bereits vor einiger Zeit hat der Bürgermeister seinem Stadtrat deshalb den Verkauf der Schneelanze vorgeschlagen. Gut möglich also, dass das Ding bald auf willhaben.at auftaucht.

Gänserndorf, Hauptstadt des Marchfelds

Die stark wachsende Bezirkshauptstadt mit ihren 11.577 EinwohnerInnen (Stand: Jänner 2019) ist die inoffizielle Hauptstadt der weithin ebenen Region Marchfeld. Auf 167 Metern Seehöhe gelegen, wohnen sie im Schnitt sieben Meter höher als die durchschnittlichen MarchfelderInnen.

2022 findet die Niederösterreichische Landesausstellung im Marchfeld statt. Ihr Arbeitstitel: »Wunderwelt Natur«. Hauptstandort wird allerdings nicht Gänserndorf, sondern das weiter südöstlich an der Grenze zur Slowakei gelegene Marchegg.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #-4 erschienen

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