Gehören Katzen wie Hunde besteuert?

Nicht immer machen Katzen nur Jagd auf Hausmäuse (Foto: Lxowle/Creatice Commons)

 

Werden Hundehalter ungleich behandelt, weil für Katzen keine Steuer fällig ist? Dazu bereiten Wiener Aktivisten eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof vor. Klaus Hackländer, Leiter des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Wiener Universität für Bodenkultur, kann der Idee einiges abgewinnen. Ein Interview.

BIORAMA: In unseren Breiten ist es mittlerweile üblich, dass Hundebesitzer für ihr Tier eine jährliche Steuer bezahlen. Für Katzen werden nirgendwo Steuern verrechnet. In Österreich bereiten Jagdaktivisten nun eine Beschwerde beim österreichischen Verfassungsgerichtshof vor, weil Sie sich als Hundehalter gegenüber Katzenhaltern benachteiligt sehen. Was ist ihre Argumentation?
Klaus Hackländer: Vor dem Hintergrund des Gleichheitsprinzips ist dieser Vorstoß nachvollziehbar. Entweder Steuern für Hunde und Katzen oder keine. Ich sehe die Motivation für Steuern hier nicht unbedingt als Einnahmemöglichkeit des Staates, sondern eher als Lenkungsmaßnahme im öffentlichen Interesse.

Ist es Zufall, dass diese Beschwerde aus Jagdkreisen kommt?
Klaus Hackländer: Zum Schutz von Niederwild, also zum Beispiel Hasen oder Rebhühnern ermöglichen die Jagdgesetze den Abschuss von Hauskatzen außerhalb von Siedlungen. Diese Abschussmöglichkeiten werden vielerorts nicht mehr geduldet. Jägerinnen und Jäger müssen also erklären, warum ein Abschuss notwendig ist oder alternative Möglichkeiten erarbeiten, um die negativen Effekte von Hauskatzen auf die Biodiversität zu reduzieren. Steuern sind hier ein Weg.

Wären Jäger steuerlich nicht ohnehin begünstigt, weil es sich bei ihren Jagdhunden um Gebrauchshunde handelt?
Klaus Hackländer: Ich denke nicht, dass es den Initiatoren solcher Beschwerden alleine darum geht, Steuergerechtigkeit herzustellen. Vielmehr sollen die negativen Effekte der Stubentiger in freier Wildbahn grundsätzlich verdeutlicht werden.

„Bin für eine Einführung der Katzensteuer, um die Zahl der verwilderten und streunenden Hauskatzen einzudämmen,“ so Klaus Hackländer. (Foto: BOKU)

Falls die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof erfolgreich ist: Würden Sie für eine Abschaffen der Hundesteuer plädieren oder – wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung Anfang 2017 gefordert hat – für die Einführung einer Katzensteuer?
Klaus Hackländer: Ich bin für eine Einführung der Katzensteuer, um damit die Zahl der verwilderten und streunenden Hauskatzen an sich einzudämmen.

Die Stadt Wien nimmt derzeit mit der Hundesteuer 4,3 Millionen Euro im Jahr ein. Wenn durch eine Katzensteuer dieselbe Summe hereinkäme, was sollte aus Ihrer Sicht mit dem Geld passieren?
Klaus Hackländer: Auf jeden Fall Lebensraumverbesserungsmaßnahmen. Gerade in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft bedarf es wieder mehr Versteckmöglichkeiten und Nahrungsflächen. Mit den Einnahmen aus der Katzensteuer könnten Landwirte gefördert werden, die Hecken oder Dauerbrachflächen anlegen und pflegen.

Nicht immer machen Katzen nur Jagd auf Hausmäuse (Foto: Lxowle/Creatice Commons)

Bereits 2013 haben Sie am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft im Auftrag jenes mittlerweile pensionierten Anwalts, Jagdgutachters und Jagdaktivisten, der nun die Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof vorbereitet, ein Gutachten über den „Einfluss von Hauskatzen auf die heimische Fauna“. Woran scheitern denn die darin auch vorgeschlagenen mögliche Managementmaßnahmen?
Klaus Hackländer: Die Maßnahmen reichen von den bekannten Glöckchenhalsbändern bis hin zum Verbot, Hauskatzen außerhalb des Hauses frei laufen zu lassen. Letzteres wäre der effektivste Weg, um direkte und indirekte negative Effekte von freilaufenden Hauskatzen zu unterbinden. Wer Katzen hat, weiß jedoch, wie schwierig es ist, eine im Haus gehaltene Katze davon abzuhalten, die offene Terrassentür für einen Ausgang zu nutzen. Katzen sind eben keine Hunde und lassen sich nicht so gut abrichten. Daher ist eine einfache Reduktion der freilaufenden Hauskatzen durch eine Steuer und eine Entnahme von verwilderten Hauskatzen in der freien Wildbahn notwendig. Entnahme bedeutet in diesem Fall Fang und Überführung in ein Tierheim oder eben auch Abschuss.

Hauskatzen und verwilderte Hauskatzen gelten in Australien laut dem dortigen Umweltministerium mittlerweile als schlimmere ökologische Gefahr und Bedrohung für die Biodiversität als die Klimakrise. Wie schätzen Sie die Situation in Österreich und Deutschland ein?
Klaus Hackländer: In Mitteleuropa ist die Gefahr des Biodiversitätsverlustes durch Hauskatzen deutlich kleiner als in Australien. Bei uns sind Hauskatzen insbesondere rund um menschliche Siedlungen ein Problem und führen gemeinsam mit den vielen anderen negativen Faktoren zu einer Gefahr für die urbane Biodiversität. Wir haben jedoch kein flächendeckendes Problem, sondern eher ein lokales. Hauskatzen sind also nicht für den Rückgang der Singvögel verantwortlich, aber sie können den seltener gewordenen Vogelarten zusätzlich schaden.

Kolonien von verwilderten Katzen gibt es mittlerweile weltweit. Im Westen halten sich Städte und Kommunen an die Politik des TNR (Trap-Neuter-Release). Katzen werden eingefangen, kastriert und wieder freigelassen. Studien deuten allerdings eher an, dass sich die daran geknüpften Hoffnungen – dass die Kolonien langfristig kleiner werden – in der Praxis nicht erfüllen. Kastrierte Katzen leben deutlich länger, jagen dadurch länger und werden von Tierschützern zudem gehegt, gefüttert und gepflegt. Gleichzeitig wachsen die Kolonien durch den Anteil der nicht-kastrierten Katzen manchmal sogar weiter an. Wie sollen wir langfristig mit diesem Dilemma umgehen?
Klaus Hackländer: Die TNR-Methode führt kurz- und mittelfristig nicht zu einer Verringerung des Einflusses von Hauskatzen auf Wildtiere und hilft lediglich, eine Entnahme zu vermeiden. Aber selbst Tierschutzverbände kritisieren, dass TNR nicht die Lebensbedingungen von verwilderten Hauskatzen verbessert, sondern eventuell sogar verschlechtert. Konsequenterweise sollten Kolonien verwilderter Hauskatzen also aus Arten- und Tierschutzgründen aufgelöst werden.

In Neuseeland, dessen Fauna von eingeschleppten Raubtieren besonders bedroht ist, weil sie evolutionär nicht an die Anwesenheit von Raubtiere angepasst sind, gibt es unter dem Claim #PredatorFree2050 staatliche Pläne bis 2050 alle Mäuse, Ratten, Wiesel und Marder auszurotten. Gleichzeitig gibt es prozentuell in der Bevölkerung nirgendwo so viele Katzenhalter wie in Neuseeland. Katzen als Raubtiere bleiben tabu und werden bei den PredatorFree2050-Aktivitäten bislang bewusst ausgespart. Warum ist es selbst in einer problembewussten, für das Thema sensibilisierten Gesellschaft wie in Neuseeland so schwierig, sachlich über das „Superraubtier Katze“ zu diskutieren?
Klaus Hackländer: Aktuelle Umfragen bei neuseeländischen Katzenbesitzern zeigen, dass diese den Argumenten von Artenschützern weniger Glauben schenken als Neuseeländer, die keine Hauskatzen haben. Es muss also vor allen Dingen unter Hauskatzenbesitzern mehr Aufklärung erfolgen und Verständnis für die Schutzmaßnahmen der heimischen Fauna geweckt werden. Dass dies nicht einfach ist, liegt auf der Hand: Betroffene handeln selten rational.


Weiterlesen? Zum Thema Katze, Biodiversität und #Massentigerhaltung gibt es eine Reihe von Artikeln – hier eine Übersicht.

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