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Bienenfreundlich in Hessen

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Den bestäubenden Insekten fehlt es auch in Hessen an blühendem Lebensraum. (Foto: Flickr by Kamil Porembiński CC BY-SA 2.0)

Wie kann ein Bundesland bienenfreundlicher werden? Die hessische Umweltministerin Priska Hinz im Interview über Neonicotinoide, Wildbienen und bienenfreundliche Alternativen zu Mais als Biomasse.

Bereits im Frühjahr hat das hessische Umweltministerium die Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ ins Leben gerufen, mit dem Ziel die Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Imkerei zu fördern. BIORAMA sprach mit Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Die Grünen) über Forschung, Neonicotinoide und die Verbesserung des Lebensraums hessischer Bienen.

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BIORAMA: Warum soll Hessen attraktiver für Bienen werden?
Priska Hinz: Bei der Kampagne geht es uns darum, Nahrungsangebote zu schaffen und Lebensraum für Bienen, Wildbienen und andere bestäubende Insekten zurückzugewinnen. Zwar steigt seit 2009 die Zahl der Honigbienen in Hessen durch die gute Arbeit der Imkerinnen und Imker wieder. Die wilden Verwandten haben es aber schwer. Mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland ist gefährdet und steht auf der Roten Liste. Wir brauchen bestäubende Insekten aber, um unsere Ernährung zu sichern: Ein Drittel dessen, was wir ernten, wäre nicht da ohne Bienen und Co. Zudem sind bestäubende Insekten ein wichtiges Glied im Naturhaushalt: Beispielsweise fehlt auch die Nahrung für Vögel, wenn Insekten verschwinden.

Zum Auftakt der hessischen Bienenkampagne wurden Bienenstöcke auf dem Dach der Staatskanzlei aufgestellt. (Foto: Hessisches Umweltministerium)

BIORAMA: Forschung zum Thema Bienengesundheit ist ein Teil der Kampagne. Woran krankt es?
Priska Hinz: Wir haben in Hessen mit den zwei Bieneninstituten Kirchhain und Oberursel einen hervorragenden Forschungsstandort zum Thema Bienen. Viel Forschung konzentriert sich auf die richtige Behandlung der Varroa-Milbe. Es werden aber auch Fragen wie der Einfluss durch Pestizide oder den Klimawandel auf Bienen untersucht. Die Ergebnisse werden international ausgetauscht und sind wichtig, um Bienen zu schützen.

Hessische Gastfreundschaft: Die Umweltministerin eröffnet im Rahmen der Bienenaktionswoche ein Insektenhotel im Kloster Eberbach. (Foto: Kloster Eberbach)

BIORAMA: In Modellprojekten wird nach bienenfreundlicheren Alternativen zum Anbau von Mais als Energiepflanze gesucht? Gibt es bereits erste Ergebnisse?
Priska Hinz: Bei der Alternative zum Maisanbau steht die Durchwachsene Silphie im Fokus. Die gelben Blüten dienen Bienen und anderen bestäubenden Insekten als Nahrungsquelle in einem Zeitraum von Juli bis September, in dem viele andere Pflanzen nicht mehr blühen. In Hessen prüfen wir aktuell noch, wie wir den Anbau bienenfreundlicher Biogassubstrate als blühende Alternative zum Mais auf Pilot- und Demonstrationsflächen fördern können. Neben der Durchwachsenen Silphie ist auch die Förderung von blühenden Wild-Pflanzenmischungen im Gespräch. Des Weiteren untersucht das Bieneninstitut Kirchhain in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Pflanzenzüchtung der Universität Gießen, inwiefern Energiehirsen für Bienen eine wertvolle Pollenquelle darstellen. Erste Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass die Hirseblüten von Bienen aufgesucht werden und deren Pollen das Brutgeschäft der Honigbiene unterstützen können.

Die Durchwachsene Silphie kann als bienenfreundliche Alternative zum Mais dienen – wenn es um die Produktion von Biomasse geht. (Foto: Hessisches Umweltministerium)

BIORAMA: War in den vergangenen Jahren Bienen und Landwirtschaft Thema, war immer auch von Neonicotinoiden die Rede. Was ist Ihre Position dazu?
Priska Hinz: Neonicotinoide sind Insektizide, die als Nervengifte nicht nur Schädlinge treffen, sondern alle Insekten, die mit ihnen in Kontakt kommen, also auch bestäubende Insekten wie die Bienen. In Honigbienenvölkern ist das aus der Rapsblütenbehandlung stammende Neonicotinoid Thiacloprid das am häufigsten nachgewiesene Insektizid. Im Jahr 2010 waren 57 % aller deutschlandweit getesteten Bienenvölker mit diesem Wirkstoff belastet. Neonicotinoide stören das Lernverhalten, Heimfindungsvermögen und die Immunabwehr von Honigbienen. Neonicotinoide wie Thiamethoxam oder Clothianidin können das Wachstum von Honigbienenvölkern hemmen, sowie die Vermehrung von Hummeln und Solitärbienen reduzieren. Diese Wirkungen werden bislang nicht ausreichend in Zulassungstests berücksichtigt. Ziel ist daher aus unserer Sicht, auf eine Verbesserung in den Zulassungsverfahren hinzuwirken, um einen besseren Schutz der Bienen zur erreichen.

BIORAMA: Bienenfreundlich heißt vor allem Blütenvielfalt. Wie schafft es Hessen die Biodiversität der Blühflächen zu erhöhen und den Bienen ein vielfältiges Nahrungsangebot übers Jahr anzubieten?
Priska Hinz: In der Landwirtschaft fördert Hessen die Blütenvielfalt durch das Agrarumweltprogramm HALM. Aktuell gibt es in Hessen 1.073 Landwirte, die durch das Programm gefördert 1.868 Hektar Blühflächen angelegt haben und dafür jährlich eine Beihilfe von rund 1,2 Millionen Euro erhalten. Zudem wurden – durch die Bienenkampagne und unsere Partner den Hessischen Bauernverband und den Imkerverband initiiert – von 111 Landwirtinnen und Landwirten zusätzlich Blühstreifen angelegt. Auch die Kommunen sind aktiv: Ich habe sie um eine Unterstützung unserer Kampagne gebeten und viele Kommunen säen nun häufig mit den Imkervereinen gemeinsam auf öffentlichen Flächen Blütenmischungen aus. Vereine bekommen für den Kauf von Saatgut eine finanzielle Unterstützung von uns.

Bauernverband und Imkerverband werben im Rahmen der Kampagne für die Anlage von Blühstreifen. (Foto: Hessischer Bauernverband)

BIORAMA: Acker- und Grünland machen zwar die flächenmäßig größte Nahrungsquelle für Bienen aus, wie werden aber Gärtnereien, Kommunen, Vereine, Bürgerinnen und Bürger in die Kampagne mit eingebunden?
Priska Hinz: Die Kommunen, der Hessische Bauernverband und der Landesverband Hessischer Imker sind wie gesagt mit im Boot. Auch die Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen, das Netzwerk Blühende Landschaften, der Berufs- und Erwerbsimkerbund und der Gartenbauverband Baden-Württemberg-Hessen sind Partner der Kampagne. Bei unserer Aktionswoche haben Gartenbaubetriebe Kundinnen und Kunden gezeigt wie bienenfreundliches Gärtnern funktioniert. Der Verband hat auch eine Broschüre zum Thema herausgegeben und wirbt dafür, Kundinnen und Kunden gezielt zum Kauf bienenfreundlicher Pflanzen zu motivieren. Wir stellen auf der Internetseite bienen.hessen.de Informationen zur Verfügung, verteilen Samentütchen mit bienenfreundlichen Pflanzen an Bürgerinnen und Bürger, informieren über die sozialen Medien und haben Filme zum Thema geplant.

Umweltministerin Priska Hinz besuchte die Kinder- und Jugendimkerei Eulenhaus. (Foto: Hessisches Umweltministerium)

BIORAMA: Der Lebensraum der Bienen geht über die Grenzen des Bundeslandes hinaus. Wie sieht die Zusammenarbeit mit den sechs angrenzenden Bundesländern aus, hinsichtlich „Bienenfreundlichkeit“?
Priska Hinz: Auch bei Agrarminister-, Umweltministerkonferenzen oder im Bundesrat setzen wir uns für eine bienenfreundliche Politik ein. Dabei sind wir auf die Unterstützung der anderen Bundesländer angewiesen, um etwas zu erreichen. Bei der 86. Umweltministerkonferenz am 17. Juni 2016 in Berlin wurde daher ein Beschluss zu Maßnahmen zum Schutz der Bienen gefasst, die die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit neonicotinoiden Wirkstoffen betreffen. Diese Wirkstoffe sollen in Zukunft deutlich restriktiver gehandhabt werden. Auch im Bereich der Forschung findet eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Bundesländern statt. So werden Forschungsprojekte länderübergreifend von verschiedenen Bieneninstituten gemeinsam bearbeitet.

BIORAMA: Wie wird der Erfolg der durch die Kampagne angestrebten Erhöhung der „Bienenfreundlichkeit“ in Hessen überprüft?
Priska Hinz: Die genannten Zahlen beim Thema Landwirtschaft zeigen, dass sich etwas bewegt. Überall in Hessen passiert etwas – sei es durch die Anlage von Blühstreifen, das Engagement der Kommunen oder des Gartenbaus. Wir merken den Erfolg auch dadurch, dass sich die Aufmerksamkeit für das Thema erhöht und immer mehr Nachfragen von Kommunen, Vereinen, Landwirtschaft oder Bürgerinnen und Bürgern kommen. Mir ist es wichtig zu vermitteln, dass jede und jeder etwas bewegen kann – sei es auf dem Feld, in der Kommune oder im Garten oder Balkonkasten.

bienen.hessen.de

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