Zirbelkiefer überall

Zirbenholz ist begehrt: Es soll zu besserem Schlaf verhelfen und für ein gesundes Raumklima sorgen. Ob es das wirklich tut, darüber wird leidenschaftlich gestritten.

Die gesundheitliche Wirkung von Zirbenholz ist umstritten, Studien des Joanneum Research unterstützen diese aber.
Die Nachrage nach Zirbenholz ist in den letzten Jahren extrem gestiegen und hat auch den Preis des Nadelholzes in die Höhe getrieben. Bild: iStock.com/makasana

Es ist gar nicht so lange her, da hat Zirbenholz noch so gut wie niemanden interessiert – obwohl es ein langlebiges Hartholz ist. In den letzten Jahren ist die Nachfrage gestiegen und das Holz einigermaßen teuer geworden. Denn der Zirbenbestand ist gering und der Baum wächst nur langsam.

Das Holz der Zirbe soll die Gesundheit fördern. Aber schläft es sich auch tatsächlich besser im Zirbenholzbett und wirkt die Zirbe mottenbekämpfend und antibakteriell? Im letzten Jahrzehnt ist der Preis für Zirbenholz jedenfalls um ein gutes Drittel gestiegen, ein Festmeter Zirbenholz kommt heute auf rund 300 Euro.

Mit ein Grund dafür sind wohl die gesundheitsfördernden Wirkungen, die eine vielzitierte Studie dem Nadelholz zuschreibt. 2002 wurde das Joanneum Institut in Weiz damit beauftragt und so hatte die 2003 erschienene Studie – die bekannteste mehrerer kleiner Untersuchungen – zum Ziel, den positiven Gesundheitseffekt, der durch den Schlaf in einem Zirbenholzbett entstehen soll, zu ergründen. Maximilian Moser, der damalige Institutsleiter für nichtinvasive Diagnostik am Joanneum Institut erinnert sich: »Der Tiroler Forstverein ist an uns herangetreten. Wir haben gesagt, dass wir keine Wirkungsgarantie geben können und waren eigentlich selbst von den Ergebnissen überrascht.«

Bild: iStock.com/scisettialfio.

Vermutlich sind die ätherischen Öle im Zirbenholz verantwortlich für die gesundheitsfördernden Eigenschaften, die die Studienergebnisse nahelegen. Einer der Wirkstoffe, die in diesen Ölen vorkommen, ist Pinen- bzw. Pinosylvin. Moser weißt darauf hin, dass allerdings aus Studien der Universität Tübingen bekannt ist, dass das Zusammenwirken verschiedener ätherischer Öle, wie sie auch als natürliches Gemisch im Zirbenholz vorkommen, stärkere Wirkung zeigen als in Form isolierter Einzelsubstanzen.

Hinzu kommt: Pinosylvin kommt nicht nur in der Zirbe vor, sondern auch in anderen Kieferngewächsen. Ab welcher Menge es sich auf den menschlichen Organismus auswirkt, muss allerdings noch geklärt werden.

Für die Weizer Studie ließ man Probanden in Zirbenholz-Betten schlafen. Die Ergebnisse von insgesamt 72 Nächte von zwölf teilnehmenden Versuchspersonen: Jene Teilnehmer, die im Zirbenholz-Schlafzimmer geschlafen haben (jeder Teilnehmer hat 6 Nächte in jedem Bett geschlafen), »ersparten« sich durchschnittlich 3500 Herzschläge pro Tag. Das entspricht etwa einer Stunde Arbeit fürs Herz.

Zirbenholz enthält ätherische Öle, die schlaffördernd wirken sollen.

Bild: iStock.com/Tinieder.

Die Zirbel unter den Kiefern

Ob sich auch andere Massivholzbetten ähnlich auf die Herzfrequenz auswirken, bleibt noch zu erforschen. Allerdings zeigte ein Fichtenholzbüro (auch hierzu wurde am Joanneum Research geforscht) ähnliche Wirkungen. Moser fasst zusammen: »Die Wirkung liegt hier nur bei etwa einem Drittel der der Zirbe. Nadelhölzer gehen in ihrer Wirkweise wahrscheinlich alle in die gleiche Richtung.« Fest steht laut dem Physiologen Moser, dass das Zirbenholz eindeutig den Schlaf verbessert und damit gesundheitsfördernd ist, denn: »Schlaf ist unsere wichtigste Regenerationsquelle und guter Schlaf ist eine Voraussetzung für Gesundheit.«

Moser ist auch von einer ganzheitlichen Wirkung der Zirbe überzeugt: »Wissenschaftlich untersucht ist auch, dass die ätherischen Öle im Zirbenholz entzündungshemmend wirken. Insbesondere die von uns beobachtete vagusstärkende Wirkung weist in diese Richtung, da ein hoher Vagustonus Voraussetzung für Entzündungshemmung ist.«

Es gehört einfach viel mehr geforscht

In Bezug auf eine möglicherweiser breiteres Wirkungsspektrum untersuchte eine weitere Joanneum-Research-Studie, ob Kleiderschränke aus Zirbenholz die Entwicklung von Kleidermotten verhindern. Dabei wurden Kästen aus Holzspannplatten, Fichten- und Birkenholz mit Larven besetzt. Zum Vergleich wurde die Entwicklung zeitgleich in Kästen aus Kunststoff beobachtet. Die Ergebnisse zeigen, dass Zirbenholz innerhalb von 15 Wochen die Larvenentwicklung der Kleidermotte am stärksten hindert. Das Holz der Fichte schneidet bei der Reduktion von Mottenlarven ebenfalls gut ab. Im Umfeld von Birkenholz und Holzspannplatten überlebten Kleidermottenlarven am ehesten.

Andere Nadelhölzer wirken ähnlich wie Zirbenholz, jedoch weniger stark.

Bild: iStock.com/hsvrs.

Angesichts dieser Wirkungsvielfalt von Zirbenholz wäre es eigentlich längst Zeit für weitere Forschung. Diese wünscht sich auch Moser und kritisiert die mangelnde Bereitschaft der Holzindustrie, hier zu investieren: Diese hätte, obwohl es diesbezügliche Vorstöße der Wissenschafter gegeben habe, kein Interesse an einer weiteren Beforschung gehabt. Das könnte, so suggeriert Moser, daran liegen, dass die schon vorhandene Studie ohnehin zur gewünschten Preissteigerung beigetragen habe.

Was Moser aufstößt: »Die Zirbenstudie wird leider auch für Verschiedenstes missbraucht. Polster, Decken oder Raumlüfter werden damit beworben. Untersucht wurde in der Studie aber nur das Zirbenholzbett.« Angesprochen auf die Kritiker der Studie, weist Moser trocken darauf hin, dass erst jüngst japanische Studien ganz ähnliche Wirkungen von Kiefern auf den menschlichen Organismus nachgewiesen haben, so etwa auch eine Studie der Autoren Harumi Ikei, Chorong Son, Yoshifumi Miyazaki aus dem Jahr 2016. Diese Kiefern sind mit den Zirben nahe verwandt: Der Vagustonus stieg an, die Herzfrequenz verringerte sich. Weiters sei eine Publikation der Ergebnisse der Joanneum-Studie in einem renommierten wissenschaftlichen Journal in Arbeit.

Laut Moser werden die Zirbenstudien für andere Produkte missbraucht.

Bild: iStock.com/weisschr.

Darüber, dass die Studie Wellen geschlagen hat, freut sich Moser insgesamt und sieht auch Bewusstseinsbildung als eine der positiven Konsequenzen davon: »Vor 20 Jahren konnte so mancher Tischler nicht einmal Kirschholz von Ulme unterscheiden, aber alle verschiedenen Spannplatten. Hier gibt es nun einen deutlichen Gegenstrend. Massivholz ist im Kommen« Und letztlich freue ihn am meisten, dass mehrere hundert kleiner Handwerksbetriebe nun eine Existenz basierend auf dem Werkstoff Zirbenholz gebaut haben und die Studie hierzu vielleicht einen Beitrag geleistet hat.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #56 erschienen

Biorama abonnieren

VORGESCHLAGENE ARTIKEL DER REDAKTION