Alles paletti

Weil der eine schweinchenrosa Stift in »Hautfarbe« nie der Vielfalt unserer Gesellschaft entsprach, bringen die »Hautfarben«-Wachsmalkreiden aus Berlin nun Diversität in Kitas und Kinderzimmer.

Wachsmalkreiden aus Berlin in der Vielfalt an real existierenden Hautfarben
Die Wachsmalkreiden aus Berlin repräsentieren die Vielfalt an real existierenden Hautfarben. Ihren Versand wickelt eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung ab. Alle Verkaufserlöse kommen Integrationsprojekten zugute. Bild: GoVolunteer.

Schon Wochen vor Weihnachten waren die Wachsmalkreiden ausverkauft, nur noch der Satz an Buntstiften verfügbar. »Leider«, sagt Marie Mechela am Telefon, »wir können erst ab Ende Januar wieder liefern«. Vorbestellung nimmt die Studentin der Politik- und der Wirtschaftswisschaft aber gerne entgegen.
Mechela leitet das »Hautfarben«-Team bei Govolunteer, einer Community an Freiwilligen, die 2015 gegründet wurde. Als in Deutschland die offiziellen Einrichtungen angesichts der sogenannten »Flüchtlingskrise« an ihre Grenzen kamen, stellte Govolunteer der Zivilgesellschaft Strukturen zur Verfügung: Der Verein vermittelt ehrenamtliches Engagement, koordiniert und bündelt es zu sinnvollen Projekten. So wird Angela Merkels »Wir schaffen das« mitunter auch zu Produkten – wie den Malutensilien in »Hautfarben«. Bereits 2017 wurde der erste Satz an Buntstiften vorgestellt, samt Malbuch »So bunt ist Deutschland«.

So richtig in Gang kam das Social Business aber erst 2020. Für Kinder im Vorschulalter gibt es mittlerweile auch ein Puzzle und einen Satz hautfarbener Wachsmalkreiden. Und die Vielfalt an Stiften hat zwei zusätzliche Verpackungen gefunden: »So bunt ist Österreich« und »So bunt ist die Schweiz«.
3200 Packungen Wachsmalkreiden wurden 2020 abgesetzt, 11.850 Sätze an Buntstiften. Eine größere Bestellung kam auch vom Goethe-Institut in China. Man belieferte pädagogische Einrichtungen in Spanien und Belgien. Im nächsten Schritt möchte man sich europa- und irgendwann weltweit engagieren. Die Motivation der Studentin ist klar: »Wir schaffen mit unserem Produkt die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche für verschiedene Hautfarben zu sensibilisieren. Sie wachsen mit Diversität auf und können sich selbst, wie sie sind, und die Nuancen der Hautfarben ihres Freundeskreises zeichnen.«

Entwickelt wurden die Stifte und Kreiden in Kooperation mit Staedtler aus Nürnberg. Gemeinsam mit dem traditionsreichen Schreibwarenhersteller hat man zuletzt auch die Farbpalette des Produkts noch einmal überarbeitet. »Die neuen Farben entsprechen den realen Farben noch besser«, sagt Mechela.
Anfang 2021 möchte man dann nicht nur wieder liefern können, sondern auch neue Produkte entwickeln. »Vielleicht ein Spielzeug«, meint Marie Mechela, »vielleicht auch für Erwachsene«.

Wachsmalkreiden in ihrer »So bunt ist Österreich«-Verpackung
Die Verpackung für die Wachsmalkreiden gibt es auch individualisiert für Deutschland und die Schweiz, geliefert wird schon über die drei Länder hinaus. Zukünftig möchten sich die ProduzentInnen europa- und irgendwann weltweit engagieren. Bild: Govolunteer.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #70 erschienen

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