Summer Wines

Kühle Erfrischungen für heiße Sommertage und Abende am Grill.

Eigentlich ist es ja paradox. Mit »Sommerwein« assoziieren wir spritzige, meist leichte Weine mit hohem Spaßfaktor und Durstlöschpotenzial. Andererseits entstehen dort, wo es richtig heiß ist, also in der Toskana oder in Sizilien, in Südafrika oder in Chile, eher konzentrierte, kraftvolle Weine mit einer gewissen Schwere. Die Sonne küsst die Trauben dort nicht, sie grillt sie. Das führt zu höheren Zuckergehalten und damit auch zu mehr Volumsprozent Alkohol. So gesehen gehen als Sommerwein beide durch. Wir haben uns hier für die erste Sichtweise entschieden.

Bild: Jürgen Schmücking.

2019 Grüner Veltliner Lois, Weingut Loimer (Kamptal)
Fred Loimer ist ein umtriebiger und innovativer Winzer aus Langenlois. Ein Hansvolldampf in allen Kellergassen und ein Meister der feinen Klinge. Wir haben uns trotzdem für seinen Veltliner entschieden. Weil er ein Paradebeispiel seiner Art ist. Weil er nach (getrockneten) Ananas, weißem Pfeffer, Äpfeln und Meyer-Zitronen riecht und damit ein Sommerwein erster Wahl ist. Und weil der Trinkspaßfaktor ein verblüffend hoher ist. Auch nach der zweiten Flasche. Oder der dritten.
loimer.at  € 9,90

Uhudler – Das Original, Karl Trummer (Österreich)
Weil das mit dem Uhudler so eine rechtliche Sache ist, geht es nicht genauer als »Österreich«. Eigentlich ist er eine regionale Spezialität der südlichen BurgenländerInnen. Da der Amtsschimmel aber stets seine Attacken gegen den Wein reitet, darf keine genauere Herkunftsbezeichnung auf der Flasche stehen. Wo kämen wir denn hin? Im Glas (oder den Gläsern) ist der wild erdbeerduftige Wein ein willkommener Durstlöscher an heißen Tagen. Auch wegen seiner markanten Säure.
interspar.at€ 6,99

Bild: Jürgen Schmücking.

2019 Rosa Marie, Martin & Anna Arndorfer (Kamptal)
Rosé hat immer was Leichtfüßiges. Feingliedriges. Meistens Elegantes. Außer in Südfrankreich. Da sind es alkoholgetragene Kraftlackel. Allerdings mit subtilem Geist und Tiefgang. Der zyklamfarbene rosa marie von Martin und Anna Arndorfer ist da ein Grenzgänger zwischen den Welten. Auf der einen Seite rotbeerige Fruchtnuancen (Kirsche, Himbeere, Ribisel), kräutrige Frische und noble Eleganz. Auf der anderen Struktur und Körper. Ein genialer Spätsommerwein, wenn die Abende schon kühler und die Gespräche länger werden.
schreiblehner.com € 11,78

Bild: Jürgen Schmücking.

2019 Novi Secco, Timo Dienhart, Weingut zur Römerkelter (Mosel)
Timo Dienhart ist Moselaner und Biowinzer der ersten Stunde. Seit 25 Jahren ist das Weingut (10. Generation!) von ECOVIN zertifiziert. Großartige Rieslinge, perfekte Sekte. Aber auch der Rest kann sich sehen lassen. Zum Beispiel der Novi Secco, ein herrlich erfrischender Perlwein, rieslingduftig, hell, elegant, spritzig. Dazu noch federleicht im Alkohol. Da gibt es nichts, das das Vergnügen trübt. Fehlen eigentlich nur noch die Terrasse und die FreundInnen, die man jetzt lange nicht (oder vielleicht doch) sehen durfte.
dienhart-weine.de € 6,80

Bild: Jürgen Schmücking.

2019 Sauvignon Blanc, Weingut Oberhofer (Pfalz)
Eigentlich sind ja die Burgundersorten das bevorzugte Terrain des jungen Pfälzers. Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder (allesamt große Klasse). Als Sommerwein empfehlen wir aber den Sauvignon Blanc des Ökoweinguts. Es ist ein Sauvignon wie aus dem Bilderbuch. Unheimlich intensiv und ausdrucksstark in der Nase, am Gaumen trinkanimierend und entspannt gleichermaßen. Florale Noten nach gelben Blüten und frischen Ananas. Natürlich auch zauberhaft vegetabile Noten nach frisch geschnittenem Gras. Am Gaumen kraftvoll und mit reifer Säure.
weingutoberhofer.de € 7,50

Bild: Jürgen Schmücking.

2018 Cuvée Rot, David Klenert (Badische Weinstraße)
Dornfelder (!), Lemberger (für die ÖsterreicherInnen: Blaufränkisch) und Spätburgunder (also Pinot Noir). Es fällt nicht jedem ein, das zu mischen. Sorry, zu cuvetieren. Aber es lohnt sich: Der Wein besticht durch ein intensives Aroma nach roten, dunklen Beeren (vom Lemberger) und seine eleganten, weichen Tannine (vom Spätburgunder). Und irgendwas steuert der Dornfelder sicher auch bei. Jedenfalls ist die Cuvée Rot die beste Wahl, wenn die Kohle glüht und ein scharf gewürztes, T-Bone-Steak-großes Stück von der Wassermelone am Grill landet.
klenert-wein.de € 8,80

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #67 erschienen

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