Energie in Bewegung
Dezentrale Erzeugung und Stromspeicher sorgen für häufigere Bewegungen von Strom...
Privat Strom zu speichern, rechnet sich rein finanziell mitunter noch nicht, erfreut sich aber großer Beliebtheit: »Wir stehen aktuell am Beginn einer positiven Entwicklung«, sagt Britta Ehrenberg, Expertin für Stromspeicher und Verteilnetze bei ENU, Serviceagentur und Anlaufstelle des Landes Niederösterreich für die Themen Energie, Natur & Klima sowie Umwelt & Nachhaltigkeit. Im Jahr 2024 verzeichnete man bei Netz NÖ einen Anstieg von 13.000 auf 29.000 Anlagen. »Sie ermöglichen mehr Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz und leisten einen wichtigen Beitrag zur Eigenverbrauchsoptimierung«, so Ehrenberg und weiter: »Mit dem zunehmenden Ausbau flexibler Stromtarife, die sich stärker an Angebot und Nachfrage orientieren, ermöglichen Speicher, gezielt Zeiten mit günstigen Strompreisen zu nutzen – sei es für den Eigenverbrauch oder für die Einspeisung ins Netz.« Damit leisten sie auch einen Beitrag zur Entlastung und Stabilisierung des Stromnetzes zur Vermeidung von Blackouts. »Ein Stromspeicher allein reicht jedoch bei einem Stromausfall oft nicht aus, um als Notstromlösung zu funktionieren, dafür braucht es zusätzliche Technik«, klärt Ehrenberg auf. Wirtschaftlich sind Stromspeicher als Investition zu sehen. Der Mehrwert liegt in der Unabhängigkeit und Flexibilität.
Entscheidend ist die Steuerung
Generell ist die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energiequellen selten konstant – und die Nutzung bei aller Optimierung selten gleichgeschaltet mit der Erzeugung. Im Großen wie im Kleinen. »Ohne Speicher lassen sich in Haushalten rund 25–30 % des produzierten Stroms selbst nutzen«, weiß Britta Ettenbacher. »Mit einem Speicher lässt sich dieser Wert auf 60–70 % erhöhen. Wichtiger als ein Speicher ist aber in den meisten Fällen ein intelligentes Energiemanagement, das etwa steuert, wann welches Gerät läuft. Und wenn ein Speicher vorhanden ist, auch steuert, wann er geladen und wann auf ihn zugegriffen wird.«
»Ohne Speicher lassen sich in Haushalten rund 25–30 % des dort produzierten Stroms nutzen, mit Speicher 60–70 %. Wichtiger als ein Speicher ist aber ein intelligentes Energiemanagement.«
Britta Ehrenberg, ENU
Haushalte und Energiegemeinschaften, die aus anderen als rein finanziellen Überlegungen möglichst viel eigenen Strom nutzen wollen, brauchen dafür aber Speicherlösungen. Diese bestehen aus einem Akku und dem erwähnten intelligenten Lade- und Entlademanagement – das Produktion und Speicher überwacht und steuert. Ist die Erzeugung größer als der Stromverbrauch, wird mit dem Überschuss vorrangig der Akku aufgeladen. Erst dann erfolgt die Einspeisung in das übergeordnete Stromnetz. Wenn kein Strom erzeugt wird, steht der gespeicherte Strom zur Verfügung.
Hindernisse
Wer sich also für die Anschaffung eines Stromspeichers entscheidet, konsultiert zur Planung üblicherweise Fachleute, die die Anlage kennen und auch bei der Größe des Speichers mit Expertise und Berechnungen unterstützen. Ein zu großer Speicher zahlt sich nämlich nicht nur deswegen nicht aus, weil der Speicher selbst Geld kostet, sondern auch, weil beim Laden und Entladen Strom verbraucht wird und damit verloren geht. Entscheidend ist das Verhältnis aus dem Peak der Stromerzeugung, der Speicherkapazität und dem Jahresverbrauch. Klassische Heimspeicher haben oft eine Größe von rund 10 kWh. Die Akkus von E-Autos je nach Fahrzeuggröße zwischen 40 und 100 kWh. Naheliegend also, das eigene E-Auto als Stromspeicher nutzen zu wollen. Noch bis Sommer 2025 läuft eine Studie, koordiniert vom Green Energy Lab – einem Verein für angewandte Forschung und Innovation im Bereich erneuerbare Energie- und Wärmelösungen. Gründungsmitglieder sind die Energieversorgungsunternehmen Energie Steiermark, EVN, Wien Energie und Burgenland Energie, geleitet wird sie von Georg Lettner von der TU Wien, die einen Einsatz von E-Autos als Speicher in der Praxis testet – und zwar sowohl für Einfamilienhäuser als auch Flotten, Unternehmen und Mehrparteienhäuser. In der Praxis gibt es derzeit viele technische Hürden, wie jene, dass das in Europa weit verbreitete E-Auto mit CCS-Ladesystem im Gegensatz zum japanischen Chademo-Standard technisch noch nicht darauf ausgelegt ist, von der Autobatterie aus auch zu entladen. Auch für das Chademo-System sind die entsprechenden Wallboxen für die Umsetzung auf dem Markt nicht leistbar verfügbar. Wären die technischen Hürden gelöst, gibt es organisatorische, wie jene, dass Fahrzeuge auch bewegt werden und nicht unbedingt dann immer zur Verfügung stehen, wenn der eigene Strom gespeichert werden kann oder zur Verfügung steht, wenn er benötigt wird. Die deswegen benötigte Flexibilität bedeutet wieder durch mehr Laden und Entladen einen größeren Stromverlust. Und wirklich spannend würden diese Systeme vielfach erst, wenn mehrere Fahrzeuge, Stromerzeugungsquellen und Verbrauchereinheiten intelligent gesteuert zusammengeschlossen werden können. Das ist praktisch aber noch schwer umsetzbar.
Massive Aufgabe
Für Energiegemeinschaften rechnet sich der Kauf eines Stromspeichers schneller – da die Preise für diese skalieren. Josef Walch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nachhaltigkeit der Fachhochschule Wiener Neustadt, leitete unter anderem das Forschungsprojekt Netse, das sich schon vor der Schaffung deren gesetzlicher Grundlage damit beschäftigt hat, wie Energiegemeinschaften am besten aufgesetzt werden, sich organisieren oder auch wie diese ihre Tarife gestalten. Die hier erprobten Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEG) – unter anderem eine in Wieselburg angesiedelte – erzeugten ihren Strom auch mithilfe von Kleinwasserkraftwerken und hatten deswegen eine konstantere Energieerzeugung als etwa PV-Anlagen – weswegen man sich hier gegen Speicherlösungen entschieden hat. Walch sieht gerade in der Speicherung und der nötigen Steuerung aber »eine massive Aufgabe«: Denn »die Smart Meter von den Energielieferanten liefern ihre Daten an die Unternehmen zeitversetzt am Folgetag. Für die nötige Steuerung muss man Erzeugung, Verbrauch und weitere Daten aber in Echtzeit über Schnittstellen auslesen und dann die beste Variante berechnen«. Energiegemeinschaften können hier eine größere Flexibilität bieten und so dafür sorgen, dass mehr eigener Strom genutzt werden kann. Ohne entsprechende Steuerung und Anpassungen sorgen mehr Verbraucher aber auch dafür, dass die Bedarfsspitzen höher sind. Bis dezentrale Erzeugung und vielleicht auch Speicherung gut ineinandergreifen, sind Forschung und Entwicklung gefragt.
Für eine Auslesung von Stomerzeugungs- und Verbrauchsdaten in Echtzeit wurde der »Smongle« von der Firma Mechsat entwickelt.
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