Vorbereitung: positiv!

Tipps für die Vorbereitung auf eine Sexpositiv-Party – von einer Veranstalterin solcher Events.

Ein klassisches Sexpositiv-Party-Outfit.
Auf Sexpositiv-Partys findet man sich oft zwischen vielen Dessous, Leder und Latex wieder. Bild: Erfan.

Sexpositiv-Partys finden in größeren Städten seit ein paar Jahren häufiger statt. Ihr Appeal liegt für einige natürlich dabei, sich sexuell auszuleben, viele Menschen feiern bei solchen Partys aber auch die Möglichkeit der Selbstfindung, der Körperakzeptanz und die dort intendierte freie, offene Atmosphäre. Die Popularität von Sexpositiv-Partys scheint auch die Fantasie von Menschen anzuregen, die sich bisher vielleicht nicht mit dem Konzept der Sexpositivität beschäftigt haben. Und sie werfen für manche – ob man nun selbst teilnehmen möchte oder nicht –  eine Menge Fragen auf – unter anderem zu ihrem Ablauf und wie man sich am besten darauf vorbereitet.

1. Einlesen

Generell ist es auf Sexpositiv-Partys essenziell, mit dem dahinterliegenden Grundkonzept der Sexpositivität vertraut zu sein. Darunter wird heute meist verstanden, Sexualität, sowie die eigene als auch die anderer Personen, vorbehaltlos zu akzeptieren – solange Erwachsene sich konsensuell auf eine Spielart einigen. Sexpositivität bedeutet nicht, mit möglichst vielen PartnerInnen zu verkehren oder eine bestimmte Beziehungsform oder sexuelle Orientierung zu haben. Es gibt diverse Bücher,Podcasts und Onlineartikeln, die zur Information zum Thema hilfreich sein können, dazu am Ende des Beitrags mehr. Wenn der Austausch im Freundeskreis möglich ist, bietet dieser oft auch eine wichtige Option, Wissen zu teilen und Unsicherheiten zu reduzieren.

Eines der wichtigsten Prinzipien auf Sexpositiv-Partys ist gegenseitiges Einverständnis. Bild: Erfan.

2. Anmelden

Abgesehen von dem grundlegenden Gedanken der Sexpositivität gelten bei jeder Party andere Regeln, besonders bei der Anmeldung. In beinahe allen Fällen verlangen die VeranstalterInnen ein gewisses Maß an Grundwissen, welches oft auch in irgendeiner Form »abgeprüft« wird. Das Wiener »Technokollektiv« Hausgemacht etwa ist mittlerweile für sein recht ausführliches Onlinebewerbungssystem bekannt, bei dem Gäste Multiple-Choice-Fragen zu diversen Themen – etwa Grundsätzliches rund um das Thema sexueller Konsens oder der Diskriminierung von LGBTQIA+ Personen, aber auch Fragen zum Verhalten auf der Party – beantworten müssen. Bei Hausgemacht ist außerdem eine Art Motivationsschreiben einzureichen, um einen Eindruck zu vermitteln, ob man zur Party passt. Bei manchen anderen Veranstaltenden, beispielsweise der Wiener Verein SOUL (Symbiosis of United Love) muss man für die Teilnahme an der Party wechselnde Fragen per Mail beantworten.

LGBTQIA+

Steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual und weitere nicht explizit genannte Geschlechtsidentitäten.

Diese ziemlich aufwendigen Prozeduren stellen für die Veranstaltenden eine Kontrollinstanz dar, um sicher zu gehen, dass Gäste sich mit gewissen Grundwerten und Konzepten vertraut gemacht haben. Das geschieht aus dem Ansatz heraus, vulnerablen Gruppen, welche im Alltag oft Diskriminierung und Übergriffen ausgesetzt sind, auf Sexpositiv-Partys einen Safer Space bieten zu wollen.
Es ist also empfehlenswert, sich Zeit zu nehmen, zur Beantwortung von Fragen auch  zu recherchieren und mit Bedacht zu antworten. Wenn man also beispielsweise erklärt, wie man sich im Alltag dem Thema Konsens widmet und nicht nur eine generelle Definition wiedergibt, fährt man in der Regel deutlich besser.

Konsens

Einer der Eckpfeiler des sexpositiven Gedanken ist konsensuales Verhalten. Demnach wird bei allen Aktionen aktives Einverständnis der teilnehmenden Personen eingeholt, welches auch jederzeit wieder zurückgezogen werden kann.

Oft werden in solchen Fragenkomplexen bereits wichtige Dinge zu den Partys abgefragt – sollte dies nicht so sein – ist angeraten, sich trotzdem vorab zu informieren.

3. Das Outfit

Für viele ist die Auswahl des Outfits einer der aufregendsten und auch beunruhigendsten Teile der Vorbereitung auf eine Sexpositiv-Party. Sich vor vielen unbekannten Menschen zu entkleiden und zu feiern, bedeutet große Überwindung – wird aber von vielen wiederkehrenden Gästen als der Aspekt genannt, den sie als besonders befreiend empfinden, wenn sie erst einmal über die anfängliche Unsicherheit hinweggekommen sind. Für viele ist inzwischen die Outfitwahl oder sogar das eigene Basteln- und Schneidern eine herbeigesehnte Möglichkeit die eigene Kreativität und Individualität auszuleben.

Eine Person bekleidet sich für eine Sexpositiv-Party.
In die Outfitselektion für eine Sexpositiv-Party fließt oft viel Zeit und Überlegung. Bild: Erfan.

Grundsätzlich gilt auf Sexpositiv-Partys: weniger ist mehr. Der Großteil der Gäste trägt Unterwäsche, Dessous oder Outfits aus dem Kink- und Fetisch Bereich wie Leder und Latex. Auch völlige Nacktheit ist keine Seltenheit. Harnesses, meist aus Leder bestehende Accessoires, welche ähnlich einem Gürtel über Körperteile, oft den Brustkorb, geschnallt werden, sind besonders beliebt und geben eine Möglichkeit sonst eher unauffälligere Looks etwas aufregender zu gestalten. Viele Gäste experimentieren über das eigentliche Outfit hinaus gerne mit Make-up, Glitzer oder Bodypainting.
Man sollte sich informieren, welcher Dresscode auf einer Party gilt. Manche Veranstaltenden belohnen bestimmte Farben oder Ideen – es gibt aber auch Verbote. Bei Hausgemacht beispielsweise ist es nicht erlaubt, Leuchtelemente im Outfit zu tragen, da man sonst mit dem wichtigen Awareness-Team verwechselt werden könnte. Untersagt sind dort ausserdem Ganzkörperanzüge oder Onesies – dies wird damit argumentiert, dass sich weniger bekleidete Personen (insbesondere FLINTA*) in Gegenwart eines völlig bedeckten Menschen unwohl fühlen könnten. Im Zweifelsfall gibt es oft die Möglichkeit, im Vorhinein bei den Veranstaltenden nachzufragen, ob ein bestimmtes Outfit dem Dresscode entspricht. Generell kann man davon ausgehen: Kreativität und Eigeninitiative werden gerne gesehen.

FLINTA*

Ein Akronym für Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, transgender und agender Personen.

4. Die Utensilien

Abgesehen von Kleidung benötigt man auf Sexpositiv-Partys auch etwas, um diese aufzubewahren. Manche Partys bieten Spinde an, oft finden sie allerdings in ganz normalen Nachtclubs statt, wo es lediglich reguläre Garderoben gibt. Vor allem hier braucht man mindestens eine Tasche oder einen Beutel, in der die Straßenkleidung abgegeben werden kann – besser eine zweite, für die Dinge die man am Körper tragen möchte – Unterwäsche hat (leider) keine Hosentaschen. Besonders beliebt sind hierfür die klassischen Bauchtaschen, ein Accessoire, dem die Sexyness normalerweise eher abgesprochen wird. 
Obwohl auf den Partys für Kondome, Gleitgel und Desinfektionsmittel gesorgt wird, schadet es nie, selbst welche im Täschchen zu tragen, sei es um die bestimmte Lieblingsmarke verwenden zu können oder einfach immer alles schnell griffbereit zu haben.
Sexspielzeug aller Art ist auf Sexpositiv-Partys natürlich erlaubt und oft erwünscht, man sollte allerdings bedenken, dass man es auf manchen Partys den ganzen Abend mit sich tragen muss, da man nicht immer Dinge zusätzlich bei der Garderobe abgeben kann.

Wenn all diese Dinge gelernt und eingepackt sind steht einer rauschenden Partynacht kaum noch etwas im Weg. Wer weiterlesen möchte, findet hier einen Einblick in den typischen Ablauf einer Sexpositiv-Party.

Hanna Stummer engagiert sich seit 2021 beim Kollektiv Hausgemacht und ist dort unter anderem für die Organisation der Sexpositiv-Party-Reihe »Zusammen-Kommen« mit zuständig.

Weiterführende Literatur und Infos:

»Sex Positive Now: Everything you need to know about sex positivity«, von Allena Gabosch und Jeremy Shub«, (bisher nur auf Englisch erhältlich), Jeremy Shub Counselling, 2019

»Sexpositiv. Intimität und Beziehung neu verhandelt.«, von Beatrix Roidinger und Barabara Zuschnig, Goldegg Verlag, 2021 (Rezension schon auf biorama.eu)

Empfehlenswert zum Kontext: 

»Come As You Are (Komm, wie du willst)«, von Emily Nagoski, Scribe UK, 2015 .

»Ist das normal?: Sprechen wir über Sex, wie du ihn willst«, von Melanie Büttner, Alina Schadwinkel und Sven Stockrahm, Beltz, 2020.

»The Ethical Slut (Schlampen mit Moral)« von Dossie Easton und Janet Hardy, Random House LLC US, 2017.

Podcast-Episoden

Anastasia Lopez: Sexuelle Selbstbestimmung und die sexpositive Bewegung, aus: Ö1 Follow Me, 2023.

Erklär mir: Sexpositivity mit Rainhard Gaida, aus: Erklär mir die Welt von Andreas Sator, 2019.

Rein & Raus: Sexpositive – mit Janina Vivianne über Sexpositive Festivals und Sex-Aware Kommunikation, aus: Rein & Raus – der No Bullshit Sex Podcast, 2021.

Sexologisch: Sexpositiv, was bedeutet das?, aus: Sexologisch by Magdalena Heinzl, 2021.

Sexpositivität – eine kleine Aufklärung

Der Begriff »Sexpositiv« schaffte im Sommer 2023 den Einzug in den Duden, Missverständnisse gibt es trotzdem noch viele. Ein Aufklärungsversuch.

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