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Wie gedruckt? Für welche Kinderbücher kein Regenwald abgeholzt wird

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Auf FSC-Papier gedruckt: der Kinderbuchklassiker „Pettersson & Findus“. Bild: Sven Nordqvist, »Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch« © Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg, ISBN 978-3-7891-6174-2

Auf FSC-Papier gedruckt: der Kinderbuchklassiker „Pettersson & Findus“. Bild: Sven Nordqvist, „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“ © Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg

Zu den beliebtesten Geschenken für den Nachwuchs zählt in der Weihnachtszeit nach wie vor das Buch. Doch was genau legen wir unseren Kleinen da eigentlich Jahr für Jahr unter den Christbaum? Es lohnt sich, auch mal zwischen den Zeilen zu lesen.

Ob zum Ausmalen, selber Schmökern oder für gemütliche Vorlesestunden mit Mama oder Papa, Bücher machen Kindern immer eine große Freude. Mit tollen Bildern und spannenden Geschichten entführen sie in eine bunte Welt der Fantasie und tragen dabei bestenfalls auch zur Entwicklung unserer Allerkleinsten bei. Denn gerade im Kindesalter wird das Bewusstsein nachhaltig geprägt. Wie toll, wenn da dem Nachwuchs auf so schöne Weise noch die richtigen Werte vermittelt werden und somit einen guten Einfluss auf ihren Lebensverlauf nehmen. Die Wertschätzung der Natur und mit ihr ökologische Verantwortung als zentrale Rollen sind daher thematisch in der Welt der Kinderbücher gern gesehen. Doch hält die Verpackung auch, was der Inhalt uns verspricht?

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Der Papierverbrauch in der Welt steigt Jahr für Jahr um unfassbare Mengen. Laut Prognosen soll er 2025 bei rund 500, 2050 schließlich sogar bei 800 Millionen Tonnen liegen. Ein Großteil des dafür geschlagenen Holzes geht dabei unweigerlich für die Produktion von Büchern drauf. Wer bei der Qual der Wahl schon mal einen tieferen Blick ins Buch und somit auf die Herkunft seiner Seiten gewagt hat konnte sicher feststellen, dass China hier die Nase ganz weit vorn hat. Muss nichts heißen, kann es aber. Und wie die neuesten Studien beweisen: tut es leider auch.

Gelesen im Kinderzimmer, produziert in China

Bereits 2009 werden bei einer Analyse der Naturschutzorganisation WWF deutschsprachige Kinderbücher – überwiegend hergestellt in Asien, aber ohne Herkunftsangabe – auf ihre Zusammensetzung geprüft. Das erschreckende Ergebnis: Eine Vielzahl der getesteten Bücher enthält Tropenholz. Zu den Spitzenreitern gehört der Coppenrath Verlag, gefolgt von namhaften Anbietern wie Herder oder Esslinger. Sofort wurden sämtliche Verlage dazu aufgerufen, ihre Produktionen schleunigst umzustellen. Diese scheinen dabei Länder wie China, in denen sowohl Rohstoffpreise als auch Löhne niedrig sind, unverkennbar zu bevorzugen. Da dort zudem keine Gesetze über den Import von Papier und Zellstoff bestehen, ist deren genauer Ursprung meist nur sehr schwer nachweisbar.

Was jedoch längst jeder weiß: China importiert sein Papier zum größten Teil aus Indonesien. Und welche Zustände dort herrschen, ist ebenfalls bekannt. So ist der Waldanteil auf Sumatra in den letzten Jahren durch Raubbau auf weniger als 30 Prozent gesunken. Sowohl legal als auch illegal werden auf der Insel immense Urwaldflächen abgeholzt und mit ihnen auch der Lebensraum bedrohter Arten zerstört.

Was schnabuliert Herr Hai zu Mittag? „Ein Pflaster für den Zackenbarsch“ von Jens Rassmus wird in Österreich produziert und ist mit dem FSC-Logo versehen. Bild: Nilpferd in Residenz

Was schnabuliert Herr Hai zu Mittag? „Ein Pflaster für den Zackenbarsch“ von Jens Rassmus wird in Österreich produziert und ist mit dem FSC-Logo versehen. Bild: Nilpferd in Residenz

Doch all das scheint die Verlage herzlich wenig zu interessieren. Trotz zahlreicher Verhandlungen und dem Versprechen, auf FSC-zertifiziertes Papier aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft umzustellen, kam man auch im Dezember 2012 zu einem ähnlichen Resultat. Für die Studie »Im Wald, da sind die Räuber« des WWF werden die Testergebnisse der vergangenen zwei Jahre ausgewertet und man stellt fest, dass immer noch fast 30 Prozent der Produktionen mit Tropenholz belastet sind – wieder machte dabei der Coppenrath Verlag das Rennen.

Getreu dem Motto »Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß« verschließen die Verlage weiterhin gewohnheitsmäßig die Augen. Dabei ist es doch längst möglich, umweltschonend zu produzieren – auch, wenn das nicht immer die kostengünstigste Variante ist. Zuletzt zeigten Untersuchungen des WWF Schweiz im November 2014, dass immer noch ganze zehn Prozent der getesteten Bücher aus Verlagen wie Depesche und Moewig, gekauft in beliebigen Kiosken und Buchhandlungen, Hölzer aus dem Regenwald enthalten. Bleiben nur ein Kopfschütteln und die Frage: »Sieht so etwa Verantwortung gegenüber dem Nachwuchs aus?«

Verlage mit Verstand und Verständnis

Der genaue Blick ins Buch scheint sich also zu lohnen. Denn wie heißt es doch so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel. So lässt der Residenz Verlag seine Kinderbücher im österreichischen St. Stefan im Lavanttal drucken und hält damit auch die Transportwege möglichst kurz. Neben dem FSC-Logo tragen die Bücher außerdem das Österreichische Umweltzeichen und werden vor dem Verkauf nicht in Folie geschweißt. Auch der Magellan Verlag geht mit gutem Beispiel voran. Das FSC-zertifizierte Papier der Bücher wird hauptsächlich in Deutschland und mit Farben auf Pflanzenölbasis bedruckt. Verwendete Klebstoffe enthalten keine Lösungsmittel und nötige Lacke sind ausschließlich auf Wasserbasis. Mit dem Vorsatz »100 % Natur« haben die Verlage Beltz & Gelberg und Ars Edition es gleich getan und mit schadstofffreien Mitteln recycelbares Papier bedruckt. Entstanden sind kunterbunte Pappbilderbücher, die mit umweltbewusster Produktion und eindrucksvoller Gestaltung überzeugen.

Katrin Wiehle erzählt in »Mein kleiner Dschungel« vom wilden Leben im Dschungel – auf unnachahmliche Weise und auf Karton aus 100 % Recyclingpapier. Bild: Beltz & Gelberg

Katrin Wiehle erzählt in »Mein kleiner Dschungel« vom wilden Leben im Dschungel – auf unnachahmliche Weise und auf Karton aus 100 % Recyclingpapier. Bild: Beltz & Gelberg

Für die ganz Kleinen hat sich schließlich der Oetinger Verlag etwas Tolles überlegt und die sogenannte Natur-Reihe ins Leben gerufen. Mit ihr auch Bücher, die aus reinem Biostoff und nach GOTS und Fairtrade zertifiziert sind. Das ist nicht nur ökologisch, sondern auch in gesundheitlicher Hinsicht besonders wertvoll. Denn meistens ist es so: Was die Kleinsten in die Hand bekommen, wird auch gern mal geschmacklich probiert. Damit der Nachwuchs unbedenklich an den Seiten knabbern kann, ist der Verzicht auf jegliche Schadstoffe also besonders wichtig.

Blauer Engel für Druckerzeugnisse

Und es scheint sich noch viel mehr zu tun. Nach dem vom Oekom Verlag ins Leben gerufenen Projekt »Nachhaltig publizieren«, das den Verlagen Anstoß zu umweltschonender Papierproduktion und ebensolchem Druckverfahren geben soll, ist nun Größeres geplant: Seit 2013 arbeitet der Verlag gemeinsam mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu), dem Hamburger Institut für Ökologie und Politik (Ökopol) und der Frankfurter Buchmesse an der Entwicklung eines Umweltzeichens für Druckerzeugnisse, das höchste Standards verspricht. Bereits von Taschentüchern oder Schulheften bekannt, auf denen der Blaue Engel 100% Altpapier verspricht, soll das Siegel ab 2015 in noch höherer Mission zu finden sein: Der »Blaue Engel für Druckerzeugnisse« soll garantieren, dass nicht nur das Papier, sondern auch alle weiteren verwendeten Materialien wie Druckfarben, Lacke und Klebstoffe die notwendigen Kriterien erfüllen.

Mit diesem Ziel ist auch die Hoffnung groß, dass ab dem nächsten Jahr Äußeres wie Inneres unserer Buch-Geschenke moralisch wertvoll und zugleich auch unbedenklich ist – und schließlich auch der Christbaum beim Blick unter sein Tannenkleid keine einzige Träne mehr um seine bedrohten Artgenossen vergießen muss.

Information

FSC_LOGO

FSC:

Kann bei Papierproduktion der Einsatz von Frischefasern nicht verhindert werden, garantiert das »FSC«-Logo die Herkunft aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung.

 

BLAUER_ENGEL_LOGO

Blauer Engel:

Produkte, die mit dem »Blauer Engel«-Siegel gekennzeichnet sind, versprechen höchste Ansprüche an Umwelt-, Gesundheits- und Gebrauchseigenschaften.

 

 

HIER haben wir eine Auswahl ganz besonderer Kinderbücher für euch zusammengestellt.

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1 Reaktion

  1. Steffi sagt:

    Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Artikel – über das Thema hatte ich noch gar nicht nachgedacht, obwohl ich einen Kinderbücher-Blog habe. Ich freue mich, dass mein Lieblingsverlag Beltz & Gelberg auf Nachhaltigkeit achtet und will das in Zukunft auch mehr tun.