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Keine Angst vor dem Wolf!

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Foto: Verlag Christian Brandstätter

Die Wölfe kommen nach Mitteleuropa zurück! Wir haben den Verhaltensbiologen Kurt Kotrschal gebeten, uns Gründe zu nennen, die dafür sprechen, dem Wolf in unserer Nachbarschaft seinen Lebensraum zu gewähren.

Professor Kotrschal:

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Es stimmt natürlich nicht, dass niemals Haustiere oder Menschen durch Wölfe zu Schaden gekommen wären. Allerdings steht es uns Mitteleuropäern aus zumindest zwei Gründen gut an, wieder zu versuchen, mit großen Beutegreifern, wie Wolf oder Bär zu leben:

1. Diese Beutegreifer haben über „Kaskadeneffekte“ bedeutende positive Einflüsse auf die Ökosysteme in denen sie leben.

2. Wenn es Afrikanern und Asiaten zugemutet wird, ihre Großfauna „für uns“ zu schützen, dann ist es seltsam, dass wir nicht fähig oder willens wären, mit Wolf und Bär zu leben. Es geht dabei auch um die ethische Einstellung zur Biospäre. Menschen sind nicht die einzige Art auf dieser Welt, es ist daher nicht einzusehen, warum Menschen heute einen Lebensraum monopolisieren wollen, den sie traditionellerweise immer mit den großen Beutegreifer teilten.

3. In Europas Wäldern leben Beutetiere in rekordverdächtigen Dichten; mit einer signifikanten Bedrohung von Menschen oder ihren Haustieren ist daher nicht zu rechnen.

4. Aufgrund der zunehmenden Urbanisierung entvölkern sich seit dem 19. Jhdt bis heute ländliche Gebiete, die damit wieder zu geeigneten Lebensräumen für die großen Beutegreifer werden.

5. Prinzipiell scheuen Wölfe die Menschen, sofern diese es unterlassen, die Wölfe anzulocken (anfüttern oder dgl.).

6. Lassen Wölfe/Bären diese Scheu vor Menschen vermissen, dann werden im Einklang mit den gültigen Managementplänen Maßnahmen getroffen.

7. Wo Wölfe in von Menschen besiedelten Gebieten auftauchen, kann es zu Konflikten kommen. Im Gegensatz zu früher gibt es allerdings Management- und Konfliktbewältigungspläne, sodass etwaige Geschädigte nicht alleine gelassen werden.

8. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass auch in traditionellen Wolfsgebieten Viehwirtschaft betrieben werden. Geeignete Schutzmaßnahmen sind etwa Elektrozäune und Herdenschutzhunde.

photo credit: via photopin (license)

 

Kurt Kotrschal hat einen Lehrstuhl für Verhaltensbiologie an der Universität Wien inne und ist Mitgründer des Wolf Science Center. Er forscht insbesondere zu Mensch-Tier-Beziehungen und ist mit zahlreichen Publikationen auch über den Wissenschafts-Betrieb hinaus bekannt geworden. Er ist u.a. Kolumnist der Tageszeitung Die Presse.

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