Industrieviertel unter Palmen

Der Klimawandel sorgt in der Flora für ein Kommen und Gehen. Über drei Neulinge, die aktuell in Niederösterreich heimisch werden.

In Bad Deutsch-Altenburg gedeihen Palmen. Und das nicht im Gewächshaus, sondern einfach so in der Natur. Und sie überwintern sogar. Es geht um die Chinesische Hanfpalme, um genau zu sein. Die war dem Forscher Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Uni Wien in der Hauptstadt aufgefallen. Also begab er sich auf eine Recherche und fragte unter BotanikerInnen, wo ihren geschulten Augen bereits ähnliche Pflanzen aufgefallen sind. Mehrere Standorte konnten identifiziert werden. In Wien, im oberösterreichischen Luftenberg und eben im Industrieviertel. Eindeutige Zeichen für die beginnende Ausbreitung der Palmen in Österreich sieht der Forscher. »Bislang handelt es sich nur um kleine Vorkommen, besonders in Städten wie in Wien, und es wurden ausschließlich junge verwilderte Palmen aufgefunden. Aber in einigen Jahrzehnten könnten Palmen in Österreich schon häufiger verwildert angetroffen werden«, erklärt der Wissenschafter, dessen Studie zur Ausbreitung der Chinesischen Hanfpalme bereits im Jänner im Fachblatt BioInvasions Records erschienen ist. 

Übrigens hat Franz Essl nicht zum ersten Mal die verwilderte Ausbreitung eines pflanzlichen Neulings in Niederösterreich nachgewiesen. Schon vor über einem Jahrzehnt stieß Essl auf Opuntia phaeacantha Engelmann. Deren Heimatgebiet liegt in den südwestlichen USA und im angrenzenden Nordmexiko. In Mitteleuropa ist die dickblättrige, stachelige Kakteenart in Ziergärten beliebt. Damals beschrieb Essl: »Von dieser Art liegen aus Europa bislang erst sehr wenige Angaben zu Verwilderungen vor, für Mitteleuropa war diese Sippe bislang nicht bekannt.« Nachgewiesen wurde die Kaktee seit 2007 an mehreren sonnenexponierten Fundorten, z. B. bei Dürnstein in der Wachau.

Douglasien- statt Fichtenforst

Während der Klimawandel dafür sorgt, dass sich eingewanderte Pflanzen im wärmer werdenden Niederösterreich ausbreiten können, bekommt er einigen angestammten Gewächsen ganz und gar nicht gut. Im Waldmanagement wird inzwischen darauf reagiert. Zum Beispiel durch das gezielte Anpflanzen von nordamerikanischen Douglasien, die aufgrund der klimatischen Gegebenheiten in ihrer ursprünglichen Heimat besser mit langen, sommerlichen Trockenperioden umgehen können, als es etwa die heimischen Fichten können. Manche sehen in dem amerikanischen Nadelbaum schon eine Alternative zur Fichte. »Die Douglasie gilt als alter Newcomer unter den Baumarten. Ursprünglich vor allem in Nordamerika verbreitet, stellt sie an geeigneten Standorten eine schnellwüchsige forstliche Alternative dar, die gewaltige Dimensionen erreichen kann«, heißt es vonseiten der Österreichischen Bundesforste, die vor der gewaltigen Aufgabe stehen, die heimischen Wälder behutsam an den Klimawandel anzupassen und den »Wald der Zukunft« zu gestalten. KritikerInnen befürchten allerdings, dass die Douglasie die heimischen Böden wegen ihres hohen Nähstoffbedarfs schädigen und eine Waldwirtschaft mit Düngung erforderlich machen könnte. »In manchen Regionen Österreichs müssen wir uns vom heutigen Waldbild verabschieden. Das Waldbild wird sich verändern, doch es wird bunter und vielfältiger werden!«, erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste, optimistisch. Dafür – so viel scheint sicher – sorgt die Natur am Ende von selbst. 

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #-4 erschienen

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