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Die Achse St. Pölten – München: Blaugelb trifft Blauweiß

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Wo sich Österreichs größtes Bundesland und Deutschlands größtes Bundesland treffen könnten, liegen Stücke von Tschechien und Oberösterreich dazwischen. Obwohl es keinen direkten Grenzkontakt gibt, entstehen immer mehr Bezugspunkte und Lerneffekte zwischen den beiden Regionen, egal ob es um inhaltlichen Austausch von Projektideen oder um konkrete Zusammenarbeit geht. Drei Beispiele dafür.

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Beim Humor trennt sich die Spreu vom Weizen. Da wächst das Unverständnis darüber, je weiter man sich wegbewegt vom Weißwurstäquator in Richtung Norden. „Die Ostösterreich und die Bayern sind sich hingegen sehr ähnlich und das macht es mir so angenehm hier zu leben“, sagt Alexander Putz. Er ist nicht einfach nur Bewohner der Niederbayrischen Stadt Landshut, sondern sogar Oberbürgermeister dort. Und das ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert: Einerseits ist er gar kein angestammter Bayer, sondern Zuagroasta aus Klosterneuburg, dem Speckgürtel von Wien, wie er selbst sagt, und eine Parallele zu Landshut und München zieht. Andererseits gehört er der liberalen FDP an, im tiefschwarzen CSU-Land wohlgemerkt. Landshut selbst hält bei 70.000 Einwohnern. Jedes Jahr kommen 1000 neue Bürger und Bürgerinnen dazu. Das liegt an der besagten Nähe zur Bayrischen Hauptstadt und daran, dass man von Landshut in einer halben Stunde am Flughafen ist.

Digitalisierung

Das starke Stadt-Land-Gefälle innerhalb des Bundeslandes sieht Putz als Gemeinsamkeit zwischen Niederösterreich und Bayern. In NÖ ist das Zentrum Wien zwar eigenes Bundesland, aber ein Anziehungspunkt neben der eigenen Landeshauptstadt, deren Wichtigkeit er betont. „In der Landwirtschaft ist der Wiener Raum extrem gut versorgt aus dem Umland“, erinnert sich Putz. Da könne sich Bayern noch was abschauen. Die Großstadtorientierung und Verkehrsprobleme seien ähnlich. Der Speckgürtel ist extrem urban geprägt, wohingegen Waldviertel und Weinviertel kleinteilig strukturiert und landwirtschaftlich orientiert sind. „Insofern ist vielleicht der Bayrische Erfolgsweg ein Vorbild“, meint er und nennt dazu, den CSU-Sprech von „Laptop und Lederhose“ – „Landwirtschaftlich und traditionell, aber Aufbruch in die Moderne, inklusive Digitalisierung.“ Und da sind wir auch schon bei einem Berührungspunkt. Unlängst war nämlich der zuständige bayerische Staatssekretär für Wirtschaft und Technologie, Franz Josef Pschierer, im Palais Niederösterreich zu Besuch. Er traf sich mit zum Gedankenaustausch mit der NÖ-Wirtschafts-Landesrätin Petra Bohuslav. Das von ihr angekündigte „Haus der Digitalisierung“ sowie die „Digitalisierungsstrategie Niederösterreich“, die im „92-Punkte-Masterplan“ verankert werden soll, stieß bei den bayrischen Gästen auf großes Interesse, heißt es in der Presse-Aussendung. Leider ist beides noch nicht aufbereitet und einsehbar, aber man darf gespannt sein. Schließlich soll im kommenden Herbst eine Online-Plattform ins Leben gerufen werden, „um dort nach einmaliger Registrierung noch einfacher und schneller zu Förderungen zu kommen”, informiert die neue Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Umgekehrt ist das Zentrum für Digitalisierung Bayern europaweit ein Vorzeigemodell. Es bündelt und koordiniert von der Geschäftsstelle in Garching aus bayernweit eine Vielzahl von Maßnahmen: Die Themenplattform vernetzt Unternehmen und Wissenschaftler, Studierende arbeiten in Nachwuchsforschungsgruppen, Doktorandenprogrammen und Innovationslaboren. „Vor allem das Ziel, das Bewusstsein, die Möglichkeiten und damit auch die durch die Digitalisierung entstehenden Chancen in die peripheren Regionen zu bringen, deckt sich vollinhaltlich mit der niederösterreichische Ambition“, sagt Bohuslav. Grundvoraussetzung aller Maßnahmen in diesem Zusammenhang ist natürlich eine leistungsfähige und zeitgemäße Breitbandversorgung. Ein Glasfasermodell durchläuft in vier niederösterreichischen Pilotregionen gerade eine Testphase: im Waldviertel, im Thayaland, im Triestingtal und im Ybbstal.

Hochwasserschutz

Weitaus dramatischer entstand die Kooperation auf einem anderen Gebiet: Das Jahrhunderthochwasser 2013 rief NÖ, OÖ und Bayern auf den Plan. Seitdem arbeiten die drei Regionen entlang der Donau intensiv beim Hochwasserschutz zusammen. Der zuständige niederösterreichische Landesrat Stephan Pernkopf weist darauf hin: „Hochwasser an der niederösterreichischen Donau treten vor allem dann auf, wenn die Donau aus Bayern und der Inn große Wassermengen bringen“. Ihm ist deshalb wichtig, dass Maßnahmen an der bayerischen Donau und am Inn nicht zu Verschlechterungen in Niederösterreich führen. Nur ein abgestimmtes Konzept für das gesamte Donaueinzugsgebiet hält er für sinnvoll. Zwanzig Jahre davor gab es übrigens schon das internationale Donauschutzübereinkommen.

Dieser Artikel erschien in der ersten Niederösterreich-Ausgabe von BIORAMA.

 

Kulinarik

Im Mai 2015 starteten Bayern, Niederösterreich und das Burgenland eine Zusammenarbeit bei Erzeugung und Vermarktung regionaler kulinarischer Spezialitäten. Wie ist es dabei um Regionalität und Nachhaltigkeit bestellt? Milchprodukte aus Niederösterreich nach Bayern zu fahren und umgekehrt, fällt da nicht darunter. Der Bayrische Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, antwortet auf Anfrage: „Die Vereinbarung hatte das Ziel, die Wertschöpfung in den ländlichen Räumen der drei Partnerländer zu erhöhen. Insofern stand der gegenseitige Warenaustausch hier nicht im Fokus.“ Zum Beispiel indem sich die drei Kulinarik-Initiativen „Spezialitätenland Bayern – Heimat der Genüsse“, „So schmeckt Niederösterreich“ und „Genuss Burgenland“ zusammenschließen. Nicht zuletzt sei Bayern ein wichtiger Kernmarkt für den Tourismus in Niederösterreich. Von den rund 6,9 Millionen Nächtigungen in Niederösterreich im vergangenen Jahr waren mehr als 800.000 Übernachtungen durch deutsche Gäste generiert und Bayern ist mit rund 277.000 Nächtigungen dabei die anteilig stärkste deutsche Region. Damit das auch so bleibt oder sogar noch mehr wird, hat die Niederösterreich Werbung samt Delegation mit der zuständigen Landesrätin Bohuslav die deutsche Presse zum „Genießer-Brunch“ in die Münchner Käfer-Schänke eingeladen. Motto der Veranstaltung: „Bio und Nachhaltigkeit“. Mitgereist aus Österreich waren der Joseph Floh von der Bio-Gastwirtschaft Floh in Langenlebarn, Christine Saahs vom Demeter-Weingut Nikolaihof in Mautern, die Wilhelmsburger Hoflieferanten mit Johannes Bertl sowie Michael Priessnitz, Geschäftsführer von green sheep. „Vor allem das Genuss-Thema verbindet unsere Kulturen und ist mitunter ein relevantes Urlaubsmotiv für unsere deutschen Gäste“, meint der Geschäftsführer der Niederösterreich-Werbung, Christoph Madl. Helmut Brunner betont, man wolle sich gegenseitig unterstützen, eine bessere Aufmerksamkeit insbesondere für regionale Produkte zu erzielen. „Dabei spielt die ökologische Landwirtschaft eine besondere Rolle, da es sich um ein wachsendes Segment innerhalb der Landwirtschaft handelt”, sagt er. Auch was den Weintourismus angeht, gibt es mittlerweile Kontakt zwischen den Ländern. Auf bayerischer Seite ist die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim Ansprechpartner. Zum Austausch der Meisterschüler gibt es schon ein Erasmus+-Programm. Das wird den Klosterneuburger in Landshut bestimmt freuen.


Dieser Artikel ist erschienen in BIORAMA Niederösterreich, der ersten Regionalausgabe von BIORAMA. Leider ist uns im gedruckten Heft ein Fehler passiert: Dort ist anstatt Juliane Fischer fälschlich Thomas Weber als Autor des Artikels angegeben. 

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