Der Tinder-Charakter

Es geht nicht immer nur um Sex: Wer Tinder nützt, landet mit etwas höherer Wahrscheinlichkeit in einer Langzeitbeziehung.

Die Dating App Tinder funktioniert vor allem über den ersten visuellen Eindruck der NutzerInnen. Nur wer sich über die Profilbilder »matched«, also gegenseitiges Interesse bekundet, kann auch Kontakt zueinander aufnehmen. Bild: Tinder.

Nur wer sich über die drei Kriterien Standort, sexuelle Orientierung und Alter findet und aus dem Meer der Selfies »matched«, also gegenseitiges Interesse bekundet, kann über die Smartphone-Dating-App Tinder durch Textnachrichten Kontakt aufnehmen. Trotz dieses recht oberflächlichen Konzepts überwiegt bei den NutzerInnen das Motiv der Suche nach einer dauerhaften Beziehung. Und die ist verhältnismäßig erfolgreich. 

Das liegt jedoch nicht an der App, sondern an den Eigenschaften der NutzerInnen, wie eine im August in »Frontiers in Psychology« veröffentlichte groß angelegte Studie norwegischer ForscherInnen nahelegt. Studierende Singles, die Tinder nicht nutzen, wurden mit solchen, die auf Tinder sind, verglichen – und der Beziehungsstatus zu zwei Zeitpunkten erfragt. Wer Tinder nützt, war zum Zeitpunkt der zweiten Befragung mit einer leicht höheren Wahrscheinlichkeit in einer Langzeitbeziehung. Und das liegt womöglich weniger an der Funktionaliät der App als an den Eigenschaften der untersuchten Tinder-NutzerInnen. Sie sind tendenziell jünger, überwiegend männlich, kinderlos und seltener religiös. Sie neigen eher zu Alkohol- und Drogenkonsum, haben einen ängstlicheren und weniger aufgeschlossenen, aber auch extrovertierteren und umgänglicheren Charakter. Auch wenn also die Merkmale, nach denen Tinder sichtbar filtert, eher oberflächliche sein mögen, es zieht Menschen mit charakterlichen Gemeinsamkeiten an.
tinder.com

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #69 erschienen

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