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CSR-Brille #21: Warum Verantwortung im Kleiderschrank so schwierig ist

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Unternehmensverantwortung im Kleiderschrank: Warum das mit der Fair Fashion so schwierig ist. 

118 Kleidungsstücke besitzen Frauen durchschnittlich, 73 sind es bei Männern – und jedes 5. Stück im Kleiderschrank wird nie getragen!

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Meine Bilanz im Kleiderschrank? Auch ich habe gezählt: Ich besitze allein 55 Pullover. Aber zumindest 14 davon sind getauscht oder vererbt, 14 Pullis älter als 10 Jahre, 3 sind Ü30 und damit älter als ich, 3 Stück habe ich geschenkt bekommen und ja, einen habe ich in einem Wahn vor Jahren selbst gestrickt (!).

Unternehmensverantwortung in der Textilbranche

Eigentlich kennen wir die Fakten. Die Textilbranche ist im Ranking der Arbeitsverletzungen ganz oben. Und das bleibt auch so, wenn man sich die Masse der Kleidungsstücke und die Kultur von „Fast-Fashion“ mit Zahlen untermauert ansieht. Und auch die Schlagzeilen reißen nicht ab: Unfassbar miserable Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern wie Indien, China und Bangladesch mit Katastrophen wie Rana Plaza im Jahr 2013, auf das der jährliche „Fashion Revolution Day“ im April aufmerksam macht. Erst kürzlich, vor den Toren Europas, der Skandal um syrische Flüchtlinge, die in türkischen Textilfabriken ausgebeutet werden. Darüber hinaus ist die Textilbranche laut oekom research auch jedes Jahr unter den Top 10 der Biodiversitätsvernichter. Die verwendeten Chemikalien und andere wasser- und bodenvernichtenden Abfallstoffe aus der Produktion machen das möglich.

Die „guten“ Textilriesen?

Dennoch stehen die großen Textil-Player nicht ganz so schlecht da. Zumindest ein paar davon sind auch in den Nachhaltigkeitsratings, wo zumindest der Wille zu einer positiven Veränderung und Teile der Wertschöpfungskette transparent gemacht werden, präsent (Gründe dafür siehe CSR-Brille zu Nachhaltigkeitsrankings). H&M ist laut dem Nachhaltigkeitsrating von oekom research unter den Top 2 mit einer Bewertung von B- und damit Top der Branche. Der Fashion Transparency Index, der zum diesjährigen Fashion Revolution Day publiziert wurde, zeigt ein ähnliches Bild der „Guten“: Darunter u.a. Adidas und H&M. C&A bringt gerade seine ersten Cradle-to-Cradle Shirts heraus und hat gleich das Ziel rausposaunt, dass 400.000 Stück davon in einem ersten Schritt verkauft werden sollen (wie sinnvoll ein kompostierbares Shirt ist, lasse ich an dieser Stelle undiskutiert). Bis 2020 verzichten einige der großen Namen – auf Druck der Detox Kampagne von Greenpeace – zumindest freiwillig auf gewisse Chemikalien. Somit sollen die giftigen Schadstoffe vermindert werden, die nicht nur für die Abwässer der Fabriken, sondern auch auf der Haut jener, die das Textilstück produzieren und derer, die´s dann tragen, höchst problematisch sind.

Null Transparenz in der Wertschöpfungskette

Die Kampagnen von nachhaltiger“er“ Mode und bio-zertifizierten Billigshirts bleiben leider zu oft nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind die unzähligen Arbeitsschritte bei der Herstellung eines Textils, die uns eben meist gar nicht bewusst sind und die die Sache mit der fairen Kleidung so schwierig machen. Das konnten wir bei unserer Unterhose, einer schlichten weißen Unterhose, die eines der ersten Produkte im erdbeerwoche-Sortiment war, begreifen. Wo ist das Garn her, wo der Stoff gestrickt, genäht, wo werden die Muster entworfen und wo kommt überhaupt die Baumwolle her? Uns hat hierbei das System von Fairtrade geholfen, bei dem die Rückverfolgbarkeit bis zur Biobaumwollkooperative mittels Faircode gesichert ist. Laut der Ethical Corporation gibt übrigens kein einziges der untersuchten internationalen Textilunternehmen im Fashion Transparency Index die Lieferanten seiner Rohstoffe preis.

Zurück zu meiner Bilanz: Ich will sicher sein, dass ich Kleidung ohne Chemikalien trage, ich will sicher sein, dass keine Leute ausgebeutet werden und ich will sicher sein, dass für meinen Pullover keine Abwässer geschädigt werden. Vielleicht bleib ich auch bei meinen 55 Pullovern, da ist was für jede Gelegenheit dabei und die halten sicher auch noch die nächsten 20 Jahre. Ansonsten sind Messen wie die FairFair oder der Fair Fashion Guide immer eine gute Anlaufstelle.


Dieser Artikel ist der 21. Teil der Reihe CSR-Brille bei Biorama. 

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1 Reaktion

  1. Isabel sagt:

    Hallo und danke für den tollen Artikel!! Was den Einsatz der unterschiedlichen Chemikalien in der Kleidug betrifft, finde ich es noch immer – darf ich es so direkt sagen – mehr als schade, dass wir hier vom Gesetzgeber nicht besser geschützt sind.
    Wenn man aber selbst aktiv wird und schadstoffarme Kleidung kauft, kann man zumindest für sich selbst vorsorgen. Das bedeutet aber meist eine deutliche Umstellung des Lebensstils – Anstatt 5 Billig-T-Shirts beim Discounter gibt es dann eben nur noch ein T-Shirt mit Zertifikat!!
    Ehrlich gesagt, brauche ich mittlerweile auch keine 55 Pullis mehr im Schrank. 10 reichen völlig. 🙂 Ich mag nicht mehr bei diesem Konsumwahn mitspielen und mir irgendein Modediktat aufzwingen lassen, es reicht. Ich mag ein unbelastetes Leben leben 🙂
    In diesem Sinne, danke für Eure unermüdlichen Einsatz für die Sache!