Immer auf der Hut

Zum Alltag von BerufsjägerInnen gehört weit mehr als der in Kinderliedern besungene Umgang mit dem Schießgewehr.

Berufsjäger bei der Arbeit
Heutzutage werden auch Dronen bei der Jagd eingesetzt. Bild: BDB Archiv.

JägerInnen eilt ein gemischter Ruf voraus, klar ist aber: In Österreich ist knapp die Hälfte, in Deutschland ungefähr ein Drittel des Staatsgebiets von Wald bedeckt und BerufsjägerInnen leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser Flächen, auch wenn TierliebhaberInnen ihnen mitunter kritisch gegenüberstehen. Ein intakter Wald speichert nicht nur Tonnen von CO2, sondern reinigt auch Luft und Wasser und schützt vor Naturgefahren. Lebt zu viel Reh- oder Rotwild in einem Wald, beißen die Tiere die Knospen, Zweige und Blätter der jungen, nachwachsenden Bäume ab und beeinflussen so die Waldverjüngung, also das Nachwachsen einer jungen Waldgeneration.

Weit mehr als die Jagd

Die dreijährige Ausbildung zum/zur BerufsjägerIn, in Deutschland auch als RevierjägerIn bezeichnet, beinhaltet neben den Maßnahmen zur Regulation des Wildbestandes – also der Jagd – auch den Erhalt der Schutz- und Lebensräume der Tiere und die genaue Beobachtung des Waldes sowie aller darin lebenden Pflanzen und Tiere. Die Wildbretverarbeitung und -vermarktung sowie Informationsarbeit gehören ebenso zum Berufsalltag wie das Errichten von Hochsitzen, Futterstellen und die Ausbildung von Jagdhunden.

Bauen eines Hochsitzes
Auch das Bauen von Hochsitzen gehört zur Ausbildung eines/einer BerufsjägerIn. Ein Praktikum ist außerdem ein verpflichtender Teil in der Ausbildung.

Über den klassischen »Revierdienst« hinaus, wie Marius Pieper, angehender Berufsjäger in Deutschland im dritten Ausbildungsjahr, die Arbeit im Wald nennt, spielt mittlerweile auch die Öffentlichkeitsarbeit eine immer größere Rolle im Berufsalltag. »Sehr interessant sind dabei die Umweltbildung und Erwachsenenbildung, aber auch die Fortbildungen in der JägerInnenschaft an sich, beispielsweise für ehrenamtliche JägerInnen«, erklärt Pieper. Denn nur ein Bruchteil der Jagd ist in der Hand von BerufsjägerInnen. In weiten Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz dominiert die ehrenamtliche Jagd in der Freizeit.

Dass einem die Tiere, die man tötet, als JägerIn leidtun, hält er für die falsche Formulierung. »Man hat Ehrfurcht und Achtung vor jedem Lebewesen, egal ob Fuchs, Reh oder Wildschwein. JägerInnen töten Tiere aus unterschiedlichen Gründen: zum Zweck des Verzehrs oder zu dem des Seuchenschutzes, etwa zur Eindämmung der Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest, oder aufgrund einer zu hohen Wilddichte in einer von Menschen geschaffenen Kulturlandschaft«, sagt Pieper. »Den Respekt und die Achtung vor dem Lebewesen verlieren wir dabei nie aus den Augen.«

Familienfreundlichkeit

Aufgrund der zeitlichen Flexibilität sei es ein familienfreundlicher Beruf, erklärt Hermann Wolff, Geschäftsführer und Ausbildungsberater des »Bundesverbands Deutscher Berufsjäger«. Da die RevierjägerInnen in der Regel von zuhause arbeiten, können sie ihre Tagesplanung relativ frei koordinieren, Kinder können zum Beispiel nachmittags auch mal mit in den Wald genommen werden. Nicht selten komme es vor, dass sie einen ähnlichen Ausbildungsweg wie die Eltern einschlagen, erzählt Wolff.

Keine einheitliche Regelung

In Deutschland ist die Ausbildung bundesweit geregelt, in Österreich bestimmen noch die jeweiligen Landesjagdgesetze den Ausbildungsverlauf. Eine bundesweit einheitliche Ausbildung wird auch hier angestrebt; noch sei jedoch unklar, wann diese final in Kraft trete, erklärt Veronika Käfer-Schlager von der Forstfachschule Traunkirchen in Oberösterreich. Manche Bundesländer schreiben den zweijährigen Besuch dieser Forstfachschule vor, anschließend verbringen die Lehrlinge ein beziehungsweise zwei Jahre in dem von ihnen gewählten Praxisbetrieb.

»Jagd ohne Hund ist Schund, ein Hund ist unabdingbar.« – Hermann Wolff, Bundesverband Deutscher Berufsjäger

Ausbildung in Deutschland

Voraussetzung für die Ausbildung ist in Deutschland eine erfolgreich abgeschlossene JägerInnenprüfung, die aus einem schriftlichen, einem mündlich-praktischen Teil sowie einer Schießprüfung besteht. »Das ist für manche InteressentInnen ein Hindernis, außerdem haben die BewerberInnen oft falsche Vorstellungen davon, welch vielfältige Aufgaben einE BerufsjägerIn heute hat«, sagt Wolff. Der Beruf sei eher unbekannt, geeignete Auszubildende zu finden mitunter nicht einfach, mehr BewerberInnen wären wünschenswert. »Es gibt mehr Arbeitsplätze als noch in den vergangenen Jahren. Wer eine Ausbildung erfolgreich durchlaufen hat, findet anschließend auch einen Arbeitsplatz«, versichert er. Ausbilden lassen kann man sich in Deutschland in allen staatlich anerkannten Ausbildungsbetrieben, das Aufkommen variiert je nach Bundesland. Deutschlandweit gebe es momentan ungefähr 70 Betriebe, schätzt Wolff.

JägerInnen mit Jagdhund
Die Ausbildung der Jagdhunde ist Teil der Berufsausbildung zum/zur BerufsjägerIn. Das Bruttoinkommen während der Ausbildung variiert abhängig von Staat, Region, Ausbildungsbetrieb und Lehrjahr zwischen zirka 700 und 1960 Euro. Bild: BDB Archiv.

Nach der Ausbildung müsse man keine Sorge haben, im Berufsalltag allein auf weiter Flur zu sein. Ein Jagdhund sei ständiger, treuer Begleiter und für die Jagd unabdingbar, so Wolff. »Gemäß dem alten Sprichwort ›Jagd ohne Hund ist Schund‹.« Die meisten JägerInnen haben mehrere Hunde unterschiedlicher Rasse, abhängig vom Revierschwerpunkt – beispielsweise einen Schweißhund in einem Hochwildrevier.

Ausbildung in Österreich

Etwas anders stellt sich die Lage in Österreich dar: Hier variiert der Ausbildungsverlauf je nach Ausbildungsbetrieb und Bundesland. Ein großer Ausbildungsbetrieb sind die Österreichischen Bundesforste, sie bewirtschaften jeden zehnten Quadratmeter der Landesfläche. Die Österreichischen Bundesforste suchen BewerberInnen, die bereits eine Jagdkarte besitzen und die Forstfachschule absolviert haben. Der Besuch einer landwirtschaftlichen Fachschule vor Absolvierung der Forstfachschule sei hierbei sinnvoll, abernicht verpflichtend, erklärt Petra Öllermayr, zuständig für Personalentwicklung und Recruiting bei den Österreichischen Bundesforsten. »Die BewerberInnenzahlen unterscheiden sich nach Region, insgesamt würden wir uns aber freuen, wenn es mehr BewerberInnen gäbe«, sagt Öllermayr.

Zu Beginn der Ausbildung an der Forstfachschule wird noch keine Jagdkarte benötigt. Voraussetzung ist lediglich ein Pflichtschulabschluss, bei dem das Abschlussjahr an einer Fachschule beziehungsweise einer berufsbildenden mittleren oder höheren Schule absolviert wurde.

Bau einer Kofferfalle
Auszubildende beim Bau einer lebendfangenden Kofferfalle, die in der Bejagung von Beutegreifern eingesetzt wird. Bild: BDB Archiv.

Mehrere Wege, dasselbe Ziel

Auch wenn die Ausbildungswege unterschiedlich sind, sie verfolgen dasselbe Ziel. Nach ihrer Ausbildung kümmern sich die BerufsjägerInnen in ihren Dienstbezirken um die Wildbewirtschaftung sowie das Jagd- und Wildtiermanagement.

Die Akzeptanz und somit die Zukunftsfähigkeit der Jagd seien wesentlich von der Qualifikation und dem Auftreten der JägerInnenschaft in der Öffentlichkeit abhängig, sagt Wolff. »Ein Ziel muss es daher sein, die Aus- und Fortbildung kontinuierlich zu optimieren. Dabei ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen der ehrenamtlichen JägerInnenschaft und den BerufsjägerInnen unabdingbar«, betont er. Es sei noch einiges an Aufklärungsarbeit zu leisten, um deutlich zu machen, dass die Jagd nichts Böses, sondern eine nachhaltige Nutzung und Pflege der natürlichen Ressourcen sei und zum Leben mit dazugehöre, schließt er.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #71 erschienen

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