Auf dem Elberadweg: Radeln im Flow

Die ungeschlagene Nummer eins. 14 Mal in Folge der beliebteste Deutschlands – der Radweg, der sich dieser Titel rühmen kann, muss etwas Besonderes haben.

Der Elberadweg ist 1.200 km lang und führt Dresden, die sächsische Schweiz und Wittenberg.
Alexander Lange ist einer von vielen, die großen Gefallen an dem Elberadweg gefunden haben. Der Radweg wurde bereits zum 14. Mal zum beliebtesten Deutschlands ernannt. Bild. Alexander Lange.

Treffen sich ein Zimmermann auf der Walz und ein Backpacker auf einem Reisetreckingrad bei einer Eisdiele in Torgau. Was wie der Anfang eines Witzes klingt, ist eine Begegnung, an die Alexander Lange gern zurückdenkt. »Drei Monate war der junge Mann schon unterwegs«, erzählt der 40-jährige Wahlhamburger vom Treffen im Sommer 2016, als er als eben jener Radtourist den Elberadweg bestritt. »Drei Jahre wollte er durchs Land ziehen und von Tagelöhnen leben. Es war eine schöne Erfahrung, jemanden kennen zu lernen, dem ich normalerweise nicht begegnen würde.« So unterschiedlich Alexander und der Zimmermann auf den ersten Blick waren, hatten sie mehr gemeinsam als man vermutet: »Wir hatten das gleiche Ziel«, bringt es der Online- und Digital-Marketer auf den Punkt. »Wir lebten in den Tag hinein und guckten, was er so bringt.«

In 12 Tagen und 11 Etappen radelte Alexander 704 Kilometer von Hamburg bis Dresden. Doch das Glück steckte für ihn nicht in diesen Fakten, sondern in den kleinen Momenten. »Es war zauberhaft, wenn eine halbe Minute lang eine Schwalbe auf Augenhöhe neben mir herflog«, schwelgt er in Erinnerungen, »du fährst durch menschenleere Landschaft, kannst dich ans Ufer setzen oder in die Elbe springen. Oder in kleinen Städten ein Alster mit einem Fremden trinken.« Warum für seine erste größere Solo-Radtour die Wahl auf den Elberadweg fiel, ist leicht erklärt: »Einerseits ist er für mich praktisch, weil er direkt an Hamburg vorbeiläuft«, meint Alexander, der seiner Passion im Blog »draussenlust.de« Ausdruck verleiht, »vor allem liebe ich es am Wasser zu sein. Kaum aus der Großstadt raus, bist du in einer schönen Flusslandschaft.«

Den Elberadweg kann man entweder auf Etappen fahren oder immer wieder die gleiche Strecke.

Bild: Alexander Lange.

Wie Alexander hat so mancher sein Herz an den 1200 Kilometer langen Elberadweg verloren, der im tschechischen Riesengebirge beginnt. In Deutschland führt er übers Elbsandsteingebirge durch die sächsische Schweiz bis Dresden. Entlang der sächsischen Weinstraße geht es vorbei an der Porzellanstadt Meißen und Torgau zur Lutherstadt Wittenberg. Von dort zieht die Route durch die Bauhausstadt Dessau und das Biosphärenreservat »Mittlere Elbe« nach Magdeburg und Havelberg. Dann streift der Weg die Prignitz, älteste Region der Mark Brandenburg und früheres Grenzgebiet zwischen Ost und West.

Im naturbelassenen Gebiet, in dem man mehr Störche trifft als Menschen, geht es weiter nach Lauenburg, Hamburg und durch den Obstgarten Altes Land nach Stade. In Cuxhaven mündet Deutschlands zweitlängster Fluss schließlich in die Nordsee. Es sind diese 860 Kilometer in der Bundesrepublik, die den Elberadweg unwiderstehlich machen: Die Strecke wurde 2018 zum 14. Mal in der Radreiseanalyse des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zum beliebtesten Radfernweg Deutschlands gewählt.

Rast bei Tante Storch

Flach, hervorragend ausgebaut sowie beschildert und abwechslungsreich – für Alexander kommt die Popularität des Elberadwegs genauso wenig überraschend wie für Blanka Haiduck und Jürgen Kakoschke. Seit 2016 betreibt das Paar, das nach dem Flüggewerden des Kindes seine Jobs in Bremen aufgegeben hat, die charmant-alternative Pension »Tante Storch« in Tießau bei Hitzacker. »Er ist von der Lage interessant und landschaftlich facettenreich«, argumentiert Blanka, die den Elberadweg mehrfach durchgeradelt ist und Insidertipps auf Lager hat. »In Cuxhaven ist die Elbe 4 Kilometer breit  und Kreuzfahrtschiffe ziehen vorbei«, beschreibt Jürgen den Facettenreichtum, »bei uns hingegen ist alles naturbelassen.«

Unterkünfte entlang des Elberadweges werden von dem ADFC emfpohlen.

Bild: Alexander Lange.

Ein Radweg fürs Leben

Die Vielfalt der Landschaft und die Routenoptionen scheinen für Wiederholungstäter prädestiniert. »Man kann den Elberadweg gut portieren und über Jahre befahren«, weiß Blanka. Oder man fährt immer wieder dieselbe Strecke: Wie die Gruppe, die alljährlich im August drei Tage lang von Hamburg nach Berlin radelt und 2016 zufällig in der »Tante Storch« gelandet ist. Mittlerweile ist die Übernachtung in der Pension, die dank Bücherregale und Hollywoodschaukel mit Gemütlichkeit und dank ihrer Betreiber mit Weltoffenheit, Humor und Kreativität punktet, Teil ihrer Tradition geworden.

»Man kann den Elberadweg gut portionieren und über Jahre befahren.« – Blanka Haiduck, Pension »Tante Storch«

Zu einer solchen zählt der Elberadweg für Alexander (noch) nicht, doch 2017 hat er sich erneut aufs Rad gesetzt und in die 900-Kilometer-Strecke auch eine Etappe auf dem Elberadweg eingebaut. Und jedes Mal, wenn er in seiner Heimat Hamburg zur Hafencity oder Richtung Südosten radelt, denkt er an die Erlebnisse auf dem Elberadweg. Die Begegnung mit dem Zimmermann auf der Walz ist nur eines davon.

Mit der Deutschen Bahn kommt man zu vielen Städten auf dem Elberadweg.

Cannaletto-Blick vom Rad aus: Der Elberadweg führt direkt an der Altstadt Dresdens vorbei. Bild: elberadweg.de/S.Dittrich.


Hier geht’s zur offiziellen Seite des Elberradwegs.

An- und Abreise zum Elberadweg

Die Deutsche Bahn führt zu zahlreichen Städten auf dem Elberadweg.

Unterkünfte

Der ADFC hat ein »Bett und Bike«-Konzept herausgegeben, das geprüfte Unterkünfte empfiehlt. Übernachten kann man auch auf den zahlreichen Elberadweg-Campingplätzen.

Karten und Prospekte

Bikeline-Radtourenbuch Elberadweg 2 für den Streckenabschnitt Magdeburg bis Cuxhaven, Maßstab 1:75.000, Verlag Esterbauer.

Umfangreiche Infos zum Elberadweg gibt´s auch in der kostenlosen Rad-Infokarte sowie dem Handbuch zum Elbradweg: Bestellbar hier.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #56 erschienen

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