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Women Welcome Women World Wide

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Das Reisenetzwerk Women Welcome Women World Wide vernetzt reiselustige Frauen in aller Welt. Und das seit über zwei Jahrzehnten. 

Vor fast 20 Jahren steckte eine Frau namens Frances Alexander in einer kleinen Stadt etwa 50 Kilometer westlich von London eine Liste mit Frauennamen in ein Kuvert. Es war die erste Mitgliederliste des Reisenetzwerkes Women Welcome Women World Wide (5W), die sie verschickte.

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Mit ihrer neu gegründeten Organisation gedachte sie, Frauen überall in Europa miteinander zu verknüpfen, damit diese einander treffen und gegenseitig besuchen können. 5W ist sozusagen eine Frühvariante des Couchsurfens für Frauen. Heute hat 5W etwa 2.300 Mitglieder in 88 Ländern überall auf der Welt. 5W-Frauen kommunizieren längst nicht mehr nur per Brief miteinander, sondern online. Caroline Stevens und Moira Byers, beide langjährige Mitglieder des Netzwerkes, erzählen von ihren Erfahrungen mit 5W.

BIORAMA: Worum geht es bei Women Welcome Women World Wide? Mit welcher Intention gründete Frances die Organisation?

Caroline: Die Idee war, das Selbstbewusstsein von Frauen überall in Europa zu stärken. Eine Reise zu planen, ein Wochenende im Nachbarland zu verbringen, verschiedene Lebensstile kennenzulernen und Freunde in fremden Ländern zu gewinnen, ist sehr gut für das Selbstwertgefühl und die Persönlichkeitsbildung und es macht stark. Durch eine kleine Spende erhält man Zugriff auf die Mitgliederliste. Frances ist überall in Europa, Nord- und Südamerika und auch Australien herumgereist und hat 5W-Mitglieder besucht. Sie ist nicht aufzuhalten. Wird sie gefragt, wieso sie so viel Zeit in das Projekt steckt, sagt sie: »I like to see things happen!«

Wie unterscheidet sich 5W von anderen Reiseportalen wie Couchsurfing?

Moira: Ich bin in einem abgelegenen Nest auf den Okney-Inseln aufgewachsen, in dem jeder Tag und jede Facette des täglichen Lebens von den Normen und Werten der Dorfgemeinschaft dominiert wurde. Als erwachsene Frau wurde mir klar, dass ich mein ganzes Leben nach den Erwartungen anderer ausrichtete. Ich hatte mir eine Maske erschaffen, hinter der ich meine Schüchternheit und meine Unfähigkeit, frei und selbstbewusst zu sprechen, versteckte und fühlte mich sehr isoliert. Durch 5W habe ich Frauen kennengelernt, die ähnliche Probleme hatten und auch erst lernten, wie man Lebensfreude empfindet und für sich selbst einsteht. Durch die Loslösung von unserem einsamen Leben gewannen wir Selbstbewusstsein. In der toleranten und geschützten Atmosphäre von 5W trauten wir uns erstmals, uns anderen zu öffnen. Ich spüre, dass 5W ein Katalysator für Veränderung ist. Wir können einander helfen, wenn wir zusammenarbeiten, wenn wir etwas von uns selbst investieren und wenn wir auch als selbständige Menschen das Fremde kennenlernen. Unsere Art von Reiseerfahrung überwindet Einsamkeit und ich glaube, dass sie eine Atmosphäre erschafft, die die Welt verbessern kann.

5W wird auch von vielen älteren Frauen genutzt. Ist 5W vor allem etwas für Frauen über 55? Wieso sollte jemand, der kein abgebrannter, ausgehungerter Student mehr ist, irgendjemandes Sofa einem Hotel vorziehen?

Caroline: 5W war nie und ist nicht speziell auf ältere Frauen ausgerichtet. Es ist nur so, dass Frauen, die nicht mehr arbeiten müssen und deren Kinder erwachsen sind, mehr Zeit   für ausgedehnte Reisen haben. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, ein Land aus der Perspektive einer Einheimischen zu sehen, was viel besser ist als in Hotels und auf den Touristenrouten gefangen zu sein. Außerdem halten einige der so entstehenden Freundschaften ein Leben lang.

Gilt es für Frauen über 55 Jahren andere Hemmschwellen zu überwinden, als für andere? 

Moira: Ich glaube, die wichtigste Aufgabe von 5W ist es, anderen Frauen zu helfen Befangenheit aller Art hinter sich zu lassen. Dies ist ein Punkt, auf den unsere Organisation großen Wert legt. Mir persönlich kommen andere Menschen nicht mehr so fremd vor, seit ich mich im Zuge von 5W mit Frauen von überall her treffe und unterhalte. Mir ist, als würde das Leben für mich gerade erst anfangen. Ich bin zwar gerade allein, aber ich habe keine Angst. Als ich 2012 Stuttgart besuchte, übernachtete ich bei einer deutschen 5W-Host-Familie. Ihre beiden 17-jährigen Zwillingssöhne besuchten eine Rudolf-Steiner-Schule. Den Zwillingen schrieb niemand vor, sich in bestehende soziale Systeme einzufügen. Zusammen sind wir mit dem Zug nach Heidelberg, Nürnberg, Würzburg und Fulda gefahren. Nicht eine einzige Minute lang langweilten wir einander. Wir haben etwas gewagt und eine neue Sicherheit geschaffen. 5W hat mir geholfen, in solchen Situationen offener zu werden. Nie bin ich so schnell an meinen Aufgaben gewachsen, nie habe ich mich so reich gefühlt.

Wie verhält sich 5W zu Begriffen wie Feminismus und Empowerment? Hilft es Frauen dabei, sich behaupten zu lernen, wenn sie allein reisen?

Moira: Ich halte mich selbst für ziemlich revolutionär. Ich habe das Gefühl, dass ich mit vielen Frauen auf der Welt gemeinsam für Frieden und Demokratie einstehe. So etwas beginnt bei kleinen Dingen. Es gibt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl in der Organisation. 5W-Frauen sprechen viel darüber, wie sie mit ihren neu gewonnen Erfahrungen zu Hause umgehen werden, in der Ehe, im Job, mit Kollegen, in ihrer Gemeinde und im Freundeskreis. Obwohl viele internationale Abkommen ihre Rechte schützen sollten, ist Armut und Analphabetismus unter Frauen auf der ganzen Welt noch immer sehr viel verbreiteter als unter Männern. Frauen in ihrem Recht zur Selbstbestimmung zu unterstützen, hilft ganzen Familien und viele zukünftige Generationen werden davon profitieren. 5W bietet auch Geschenksmitgliedschaften an. Dabei kann ein 5W-Mitglied stellvertretend die jährliche Mindestspende für eine Frau in einem armen Land übernehmen. Selbst, wenn diese Frau nicht die Mittel hat, selbst zu reisen, bietet ihr die Mitgliedschaft die Möglichkeit, andere Frauen zu treffen und diese Zusammenkünfte für ihre eigene persönliche Entwicklung zu nutzen.

5W hat auch Mitglieder in ziemlich gefährlichen Ländern, wie im Moment zum Beispiel Nigeria. Besteht die Gefahr, dass durch die Selbstpräsentation von 5W ein Gefühl falsches Sicherheitsgefühl vermittelt wird? Sieht 5W sich verantwortlich, auf Risikos hinzuweisen?

Caroline: Wir sind kein Reisebüro. Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder überall auf der Welt miteinander bekannt zu machen. Jeder entscheidet selbst, wo er hinreisen möchte. Als erfahrene Reisende wissen unsere Mitglieder um Gefahren und informieren sich selbst über die Sicherheitslage eines Landes.

Bietet 5W im Falle von großen Problemen mit der Gastgeberin irgendeine Art von Hilfe oder Unterstützung an?

Caroline:  Wenn es ein gravierendes Problem mit der Gastgeberin gibt, bemühen wir uns, beide Seiten der Geschichte anzuhören, bevor wir irgendetwas unternehmen. Manchmal handelt es sich nur um ein Missverständnis oder eine sprachliches Verständigungsproblem. Wir haben sehr viele Mitglieder und sind stolz sagen zu können, dass wir nur sehr selten von Problemen welcher Art auch immer hören. Die meisten unserer Mitglieder sind glücklich über die Erfahrungen, die sie mit 5W gemacht haben.

Was kostet die 5W-Mitgliedschaft?

Moira: 5W finanziert sich ausschließlich durch Spenden unserer Mitglieder. Momentan raten wir zu einer Mindestspende von etwa 40 Euro, um Zugriff auf die Mitgliederliste zu bekommen, mit einer jährlichen Erneuerungsspende von etwa 30 Euro. Inkludiert sind auch drei Newsletter im Jahr, die stets voll mit beeindruckenden Reisegeschichten sind.


www.womenwelcomewomen.org.uk

Die Biorama-Autorin und leidenschaftlich Reisende Teresa Reiter hat außerdem einen Leitfaden für allein reisende Frauen zusammengestellt. HIER kann man ihn lesen. Gute Reise!

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