Schon einmal Dosenwein probiert?
Die Alternativen zur 0,75-Liter-Weinflasche sind besser als ihr Ruf...
Abhängig von Studiendesign macht die klassische Weinflasche zwischen 35 und 50 Prozent der CO₂-Belastung beim Genuss von Wein aus. Ein Großteil davon wird durch den Energieaufwand bei Glasrecycling beziehungsweise -herstellung sowie durch den Transport verursacht. Denn Glas ist schwer und die Form sorgt dafür, dass es viele Hohlräume gibt. Alternativen gibt es schon lange. Zu den gängigsten zählen die Dose, Bag-in-Box (ein dünner Kunststoffsack in einer Kartonverpackung), die Petflasche oder auch die sogenannte Papierflasche aus innen beschichtetem (Recycling-)Papier. Hier hat etwa Kunststoffproduzent Alpla 2023 die Mehrheit beim dänischen Produzenten Paboco übernommen und will eine komplett recyclingfähige Papierflasche auf den Markt bringen.
Steigende Akzeptanz
Immer mehr WinzerInnen, HändlerInnen, DesignerInnen und auch Transportunternehmen beschäftigen sich mit der Suche nach passenden Alternativen zur 0,75-Liter-Glasflasche, um auch Abseits von Weingarten und Keller möglichst ökologisch zu arbeiten. Die Deutsche Weinmesse Prowein hat 2500 HändlerInnen und ProduzentInnen zum Thema Weinverpackung für ihren Business Report 2022 befragt. Ergebnis ist: In der Branche dominiert die Erwartungshaltung, dass Alternativen – und hier vor allem die Papierflasche und Bag-In-Box – künftig deutlich häufiger genutzt werden. Aber auch, dass die Umstellung seitens ProduzentInnen und HänderInnen schneller geht, als die Akzeptanz der KundInnen. Die Zeit, in der WinzerInnen möglichst schwere Flaschen nutzen, um eine hohe Wertigkeit ihres Produkts zu vermitteln, könnte einem Ende zugehen.
Das »Porto Protocol«, eine nach einer Konferenz zum Thema Klimaschutz und Wein ins Leben gerufene Bewegung, gegründet vom portugiesischen Portweinproduzenten Taylor’s Port, hat kürzlich die Online-Broschüre »Unpacking Wine« veröffentlicht. WinzerInnen und alle anderen Interessierten bekommen hier eine Menge Ideen und Infos, die helfen können, mehr zum Klimaschutz beizutragen. Informationen reichen von internationalen Regularien über Studien bis zur Diskussion von Lösungsansätzen. Eine für alle Regionen und WinzerInnen passende Allgemeinlösung gibt es nicht. Als WeintrinkerIn kann man sich inzwischen problemlos trauen, einmal etwas zu kaufen als die klassische Weinflasche – es gibt guten Biowein in fast jeder Verpackung.

Bag-In-Box (BIB)
International ist die Bag-In-Box auch bei Biowein immer häufiger zu sehen. In Österreich gibt es sie bei Biowein nur vom Rebenhof. Die Verpackung ist leicht, verbraucht wenig Material, im Transport gut stapelbar und in unterschiedlichen Größen erhältlich. Sie bringt auch sonst nur Vorteile: Unter anderem den, dass in Gastronomie und im Privatkühlschrank der Wein auch geöffnet länger frisch bleibt, weil kein Sauerstoff an den Wein kommt.

Dose
Die Dose hat selbst bei BiertrinkerInnen teilweise noch immer einen schlechten Ruf. Dabei schützt sie den Inhalt vor Licht und Aluminium braucht im Recyclingprozess weniger frisches Material und ist leichter als Glas. Djuce setzt als Verpackung nur auf die Dose und bietet viel Bioweine, auch aus Österreich in dieser an. Julie Hoch füllt ihre Botanicals für verschiedene Märkte und Zielgruppen auch in kleine Dosen.

Doppler
Jahrzehntelang stand der Doppler für Wein von vorsichtig formuliert, zweifelhafter Qualität. In den letzten Jahren hat er vor allem unter hippen jungen Zielgruppen ein Revival erfahren und bringt zumindest ein besseres Mengenverhältnis von Wein zu Glas. Birgit Braunstein hat 2020 eine »Voodoo Jürgens Zwara Vasn« mit Grünem Veltliner auf den Markt gebracht und Gottfried Lamprecht vertreibt Weißburgunder und Furmint in der Zwei-Liter-Flasche. Für die Gastronomie füllt etwa das Weingut Schmelzer im Doppler ab.

Bierflasche
Bag-In-Box-Pionier Hartmut Aubell vom Rebenhof sucht weiter nach neuen Verpackungswegen für seinen Wein und ist so auch auf die klassische Bierflasche gekommen. Die dunkle Farbe schützt den Wein, die kleinere Füllmenge ist oft praktisch und die 0,5-Liter-Flasche ist das wahrscheinlich am häufigsten anzutreffende Mehrweggebinde in Österreich. Mögen dieser Idee noch viele WinzerInnen und WeingenießerInnen folgen! Immer wieder sind gute Lösungen nämlich schon vorhanden und es braucht nur ein bisschen Umgewöhnung.
Die Online-Broschüre »Unpacking Wine« des »Porto Protocol« bietet für WinzerInnen und Interessierte Ideen und Infos zum Thema Klimaschutz bei Weinverpackungen.
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