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Was Männer wissen müssen: Volker Wittkamp klärt auf

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Mit „Fit im Schritt“ hat der deutsche Arzt und Intro-Kolumnist Volker Wittkamp einen Bestseller über Männergesundheit geschafft, der dem Thema alles Mysteriöse nimmt. Der Bestseller-Autor über Hodenkrebs, #Movember und Linus Volkmann.

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Seit einigen Jahren wird jeden November der sogenannte „Movember“ zelebriert. Mehr oder weniger junge Männer lassen sich Schnauzbärte wachsen und teilen Fotos davon auf Facebook und Twitter um unter dem Hashtag #Movember auf Themen der Männergesundheit aufmerksam zu machen. Ist der #Movember mehr als eine Lifestyle-Angelegenheit, d.h. bringt er der Sache wirklich Aufmerksamkeit?
Volker Wittkamp: Auch ich war beim letzten Movember aktiv und halte die Bewegung für eine wertvolle Sache. Zunächst geht es darum Männer auf möglich Erkrankungen aufmerksam zu machen. Neben Krebserkrankungen rund um Prostata und Hoden spielen auch psychische Erkrankungen wie Depressionen im Movember eine Rolle. Und natürlich wie man dem allen vorbeugen kann. Irgendwie muss man gerade eine jüngere Zielgruppe für diese Themen begeistern, wenn Lifestyle dabei eine Rolle spielt, schadet das ja sicher nicht.

Ab 45 empfiehlt man Männern eine regelmäßige Vorsorge beim Urologen.“
(Volker Wittkamp)

Volker Wittkamp, Urologe und Autor des Bestsellers „Fit im Schritt“. (Foto: Piper)

Männer gehen allgemein eher ungern zum Arzt. In welchem Alter betreten denn Männer im Schnitt erstmals eine urologische Praxis?
Volker Wittkamp: Der junge Mann muss nicht regelmäßig in einer urologischen Praxis vorstellig werden, wie es bei jungen Frauen und der Gynäkologie der Fall ist. Trotzdem sollte er sich natürlich mit seinem Körper auseinandersetzen und sich mit Sexualität auskennen. Auch mit den Risiken. Da ist aber mehr Aufklärung als Untersuchung gefragt. Ab 45 empfiehlt man Männern dann eine regelmäßige Vorsorge beim Urologen. Hat Mann vorher Probleme mit Hoden, Penis und Co steht die Praxistür (fast) jederzeit offen. Im Schnitt liegt das Alter allerdings über 40 Jahren.

Ein Tumor in der Prostata ist die häufigste Krebsart beim Mann. Dennoch siehst du in der Prostata „das mysteriöseste Organ der Urologie“. Wer nicht bereits Probleme hat, weiß in den wenigsten Fällen darüber Bescheid. Hast du dafür eine Erklärung?
Volker Wittkamp: Ich glaube, das liegt an ihrer Arbeit im Verborgenen. Im Gegensatz zu Penis und Hoden bringt man die Prostata nicht wirklich mit beispielsweise dem Samenerguss in Verbindung und tut ihr dabei Unrecht. Sie steuert dem Samen wichtiges Sekret bei und sorgt durch Muskelarbeit mit für den Ausstoß.
Daneben gibt es oft auch Verwechslungen in Bezug auf die Prostata, was Erkrankungen betrifft. Hier muss man klar eine gutartige Vergrößerung der Prostata, welche mit Beschwerden beim Wasserlassen einhergeht, von bösartigen Tumoren in der Prostata unterscheiden.

 Wie lässt sich denn in jungen Jahren späteren Prostataproblemen vorbeugen? Bringt es wirklich etwas, Kürbiskerne zu knabbern? Es kursieren ja eine Menge Volksweisheiten.
Volker Wittkamp: Auch hier gilt es wieder diese zwei Formen zu unterscheiden. Bei Prostatakrebs gibt es bis auf eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener, am besten mediterraner Ernährung und gemäßigtem Sport noch kein Wundermittel, welches man eindeutig entdeckt hat.
Kürbiskerne und Konsorten sollen bei Beschwerden aufgrund einer gutartigen Vergrößerung der Prostata helfen, tun dies aber erwiesenermaßen weniger als andere Medikamente. Ein bisschen frustrierend ist das schon, da studiert man ewig und Mama hatte immer Recht mit: „Mach Sport und ernähr dich gesund!“

Auch häufiger Sex, schreibst du, ist aus medizinischer Sicht sehr zu empfehlen. Gilt das auch für Masturbation?
Volker Wittkamp: Hier ist die Studienlage leider ebenfalls nicht sehr aussagekräftig. Es gibt allerdings Studien, die einem häufigen Samenerguss – also ja: auch Masturbation – eine schützende Wirkung vor beispielsweise Prostatakrebs zugestehen. Ich denke, Sex mit einer anderen Person ist allerdings allgemein etwas wirksamer. Hier werden einfach nochmals mehr Kalorien verbraucht und mehr Glückshormone ausgeschüttet.

Mittlerweile als Hörbuch auch via Spotify verfügbar: „Fit im Schritt“

Du rätst auch, den Schwellkörpermuskel des Penis zu stärken. Wie geht das ganz konkret?
Volker Wittkamp: Genau, Schwellkörper- und Beckenbodenmuskulatur stehen in einer engen Beziehung zueinander. Diese zu trainieren kann beim sogenannten Nachträufeln helfen oder wenn zum Beispiel der Samenerguss mit dem Alter schwächer wird (und dies ein Problem darstellt). Wenn man zum Beispiel beim Urinieren den Strahl anhält oder bei einer Erektion den Penis „hüpfen“ lässt, weiß man, welcher Muskel es ist. Diesen kann man dann auch in Alltagssituationen wie auf der Couch oder im Stau anspannen und wieder locker lassen. Einfach ab und an anspannen und locker lassen. Wichtig ist dabei weder Po-, noch Beinmuskulatur anzuspannen.

Die Prostata beschäftigt überwiegend alte Männer. Im Alter von 18 bis 35 ist hingegen der Hodentumor die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Du empfiehlst jungen Männern deshalb, mit Eintreten der Pubertät regelmäßig ihre Hoden abzutasten. Auf was ist denn dabei zu achten?
Volker Wittkamp: Genau, einmal im Monat kann man dies einfach im Bett oder unter der Dusche tun. Dabei sollten beide Hoden einigermaßen gleich groß sein. Eine kleine Differenz kann normal sein. Außerdem sollten keine Verhärtungen tastbar sein. Ein normaler Hoden fühlt sich prall aber leicht elastisch an. Dass es beim Abtasten ein bisschen zwicken kann ist auch normal. Neben dem Hoden kann man noch den weicheren Nebenhoden tasten. Ist man sich unsicher, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Du schreibst in deinem Buch: „Stünde plötzlich jemand vor meiner Haustür und würde sagen, ich müsse mir eine Krebsart aussuchen, würde ich Hodenkrebs wählen.“ Was macht Hodenkrebs verhältnismäßig angenehm?

Volker Wittkamp: Das ist natürlich etwas provokativ, denn sicher ist kein einziger Tumor angenehm. Aber beim Hodentumor gibt es sehr gute Heilungschancen von über 90 Prozent. Man darf allerdings auch nicht vergessen, dass dafür in den meisten Fällen ein Hoden entfernt werden muss und teilweise noch Chemo- oder Strahlentherapien notwendig sind.

Immerhin ein Prozent der Brustkrebsfälle in Deutschland treten bei Männern auf. Lässt sich hier auch durch das Frauen empfohlene Abtasten vorbeugen?
Volker Wittkamp: Schaden tut es auf keinen Fall, allerdings ist der Prozentsatz wirklich sehr gering. Aber gemeinsam mit Partner oder Partnerin kann man das ja vielleicht zusammen mit dem Hodenabtasten ins Vorspiel einbauen.

Was nur wenige wissen: Du hast deine Karriere als Autor beim Magazin Intro begonnen, für das dich Linus Volkmann als Kolumnist angeworben hat. Hat dich das Schreiben für ein Pop-Publikum geprägt?
Volker Wittkamp: Eigentlich habe ich Linus Volkmann alles zu verdanken. Er hat mich zum Schreiben gebracht und gleichzeitig in der Kölner Intro- und Indie-Szene verankert. Das lief recht unkompliziert ab und war mit viel Zigaretten und Jägermeister-Cola verbunden. Gerade Zigaretten muss ich heute aus urologischer Sicht verteufeln – die verursachen nämlich unter all dem anderen Übel auch Blasenkrebs.
Zugleich war Linus mein erster Lektor und es war sehr faszinierend, was er aus meinen anfänglich stümperhaft und immer verspätet abgegeben Texten rausgeholt hat. Dadurch lernt man natürlich viel. Als es zu der Buchidee für „Fit im Schritt“ kam, war Linus mit der Erste, der davon erfahren hat und Leseproben erhielt. Allgemein ist es kein Geheimnis: Jeder, der diesen Typen einmal persönlich kennengelernt hat, liebt ihn sofort.

Mittlerweile ist die Hörbuchversion von „Fit im Schritt“ auch auf Spotify verfügbar. Musiker jammern immer über die Erlösmodelle von Streaming-Diensten. Ist die Verfügbarkeit auf Spotify für einen Autor auch finanziell interessant – oder ist es eher eine missionarische Entscheidung des Arztes, der möglichst viele Menschen aufklären möchte?
Volker Wittkamp: Spotify, echt? Dann stell ich das jetzt auf allen meinen Geräten auf Endlosschleife und werde megareich. So hab ich mir das früher naiv mit Spotify vorgestellt. Heute weiß ich um die sehr, sehr geringen Gagen, die man da bekommt. Für mich als nebenberuflichen Autor ist das nicht ganz so relevant wie für eine fünfköpfige Indie-Band, welche Familie und Lebensstil unterhalten muss. Ehrlich gesagt, muss ich mir da mal meinen Vertrag genauer durchlesen, was überhaupt bei mir am Ende an Lohn ankommt. Persönlich nutze ich Spotify selbst ganz gerne und sehe es auch etwas als Werbe- und Sprungbrett-Plattform für kleinere Bands, deren Konzerte ich dann möglichst besuche.


„Fit im Schritt“ ist im Piper Verlag erschienen. Die gekürzte Version dieses Interviews wurde ursprünglich im Kurier-Magazin zum Thema Krebs veröffentlicht. Bestellungen via
kurierclub@kurier.at

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Thomas Weber

Herausgeber

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