Tofu – Verwandlungskünstler aus Fernost

Er ist die Mutter aller Naturkost-Kost. Das Alpha und das Omega vegetarischer Essweise. Aus dem Fernen Osten kommend und bei Feinschmeckern – zu Unrecht – übel beleumundet: der Tofu.

Bild von 8 verschiedenen Tofu-Produkten

Sieht man einmal davon ab, dass er, mit einer Ausnahme, geradezu entstellt hässlich verpackt im Regal steht und dass ihm zweifelhafte Rezepturen ordentlich zusetzen, ist der er ein Proteinbringer mit eindrucksvollem kulinarischen Potenzial. Man muss in nur aus der Birkenstockschlapfenecke holen. Rein lebensmitteltechnisch gesehen ist er nichts anderes als Käse, der aus Sojamilch gekäst wird. Die Parallelen zum Käse ziehen sich durch: Das Eiweiß in der Sojamilch wird zu Stocken gebracht. Ganz frisch und feucht ist das dann Seidentofu. Für festere Konsistenzen wird er gepresst, für noch härtere Bandagen geräuchert und besonders kreative Tofisten würzen den Tofu mit Basilikum, Chili, Pfeffer oder was ihnen sonst in den Sinn kommt. Hier ein paar Beispiele aus den Super- oder Fachmarktregalen.

SPAR, veggie Bio-Tofu Geräuchert

Die beiden SPAR-Produkte sind die einzigen, die in einer schicken Kartonverpackung angeboten werden. Allerdings muss man in diese Verpackung nur kurz reinschauen und weiß sofort, warum. Optisch wirkt der geräucherte Tofu verrunzelt und trocken. Das ist er aber nicht. Im Gegenteil, er schmeckt erstaunlich frisch, filigran geräuchert und fest.

SPAR, veggie Bio-Tofu Natur

Für beide SPAR-Produkte (und das spricht für sie) gilt: die Biosojabohnen kommen aus Österreich, beide Produkte sind vegan zertifiziert, die einzigen, die ungekühlt gelagert werden können, daher auch die mit den längsten aller Mindesthaltbarkeiten. Sensorisch ist der Bio-Tofu Natur auch nicht uninteressant. Wasser, Sojabohnen und ein wenig Gerinnungsmittel.

natürlich für uns, Bio Tofu Chili

»Chili« heißt er natürlich nur, weil es die identitätsstiftende Zutat ist. Mengenmäßig macht der Chili laut Zutatenliste 0,7% vom Gesamtprodukt aus. Aber man sieht und schmeckt ihn, und das ist gut so. Der Tofu wirkt durch die Gewürzmischung (bei der auch Paprika im Spiel ist) dunkel. Geschmacklich ist er aber frisch und einigermaßen saftig. In Summe ein durchaus gelungenes Experiment.

natürlich für uns, Bio Tofu Natur

Es ist erstaunlich, dass man mit wenig Zutaten (Soja, Wasser, Calciumsulfat), noch dazu im exakt gleichen Verhältnis, also 20% Soja, der Rest Wasser, das Calciumsulfat als Gerinnungsmittel, so unterschiedliche Geschmäcker produzieren kann. Dieser Tofu sieht grauenhaft aus, schmeckt aber abartig gut und kommt den Originalen aus China schon sehr nahe.

Taifun, Seidentofu

Vegan, bio, demeter. Und die Königsklasse unter den Tofus dieser Welt. Seidentofu ist quasi der Frischkäse. Schwimmt fast noch in der Sojamolke, die bei der Eiweißgerinnung übrigblieb und ist daher der saftigste, glatteste Tofu ever. Japaner servieren ihn gern mit Sojasauce und frischen Algen oder mischen ihn unters Maguro Tataki, das Thunfischtatar. Taifun schickt jedenfalls ein außerordentlich gelungenes Produkt ins Rennen.

Taifun, Black Forest Tofu

Wieder Taifun, diesmal aber nicht biodynamisch, sondern »nur« bio. Dafür aus dem Schwarzwald. Oder so. Nein, er heißt »Black Forest«, und eher ist damit »dunkler Wald« gemeint. Buchenholzgeräuchert und mit einer Gewürzmischung aus Kümmel, Petersilie und Meersalz verfeinert riecht der Black Forest einfach wie feuchter Waldboden. Und schmeckt auch so.

Vegavita, Bio-Tofu geräuchert

Vegavita ist die Eigenmarke des Rewe-Konzerns für Vegetarier und Veganer. Und dass Rewe das mit den Eigenmarken gut draufhat, zeigt auch »Ja! Natürlich«. Also ist auch das Angebot beachtlich, nur eben nicht in jeder Filiale verfügbar. Da gäbe es nicht nur geräuchert, sondern auch »stark geräuchert«, Tofu zum Grillen und Seidentofu im Glas. Aber auch der einfach geräucherte ist eine Zierde seiner Art. Sauber, kräftig, bissfest und richtig gut.

Vegavita, Bio-Tofu natur

Schnittfest und trotzdem saftig und weich. Sortentypischer Sojageschmack, ohne dabei zu »gesund« zu wirken. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Am besten in Scheiben schneiden, in einer Marinade aus (guter) Sojasauce und Whisky marinieren und mit reichlich hauchdünn geschnittenen Frühlingszwiebeln servieren. So schmeckt der Frühling.

Dieser Artikel ist im BIORAMA-Magazin #54 erschienen

Biorama abonnieren

VORGESCHLAGENE ARTIKEL DER REDAKTION