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Vier Süßkartoffeln aus North Carolina sagen viel über die Nahrungsmittel-Industrie

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Heute hat uns in der BIORAMA-Redaktion ein Päckchen aus den Niederlanden mit vier Süßkartoffeln erreicht. Der Inhalt stammt aus Amerika. Eine alltägliche Geschichte aus der Lebensmittel-Wirtschaft. 

Die Wege der Markenkommunikation können absurde Wendungen nehmen. Das ist nichts Neues. Manchmal nehmen auch Süßkartoffeln besonders weite Wege, wenn es um die Kommunikation angeblicher Produkt-Innovationen geht.

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Heute Morgen erreichte uns in der Wiener Redaktion von BIORAMA ein kleines Paket mit niederländischem Absender. Der Inhalt: vier Süßkartoffeln und eine Menge Polstermaterial. Beigelegt war ein Schreiben von einer Agentur für Markenkommunikation mit Sitz in Frankfurt. Darin wird auf die „International Sweet Potato Week“ aufmerksam gemacht, ein Event, bei dem vom 1. bis 13. April in ganz Europa die Süßkartoffel gefeiert werden soll. Im Schreiben wird über die beigelegten Süßkartoffeln aufgeklärt: „Anbei erhalten Sie eine frische Bio-Süßkartoffel, die direkt von unserem Bio-Erzeuger, der Familie Barnes aus North Carolina, stammt.“ Ein Rezeptvorschlag, in dem die Süßkartoffel als glutenfreier Brotersatz zum Einsatz kommt, war auch dabei.

Bio-Süßkartoffeln aus den USA zu importieren – das ist schon relativ fragwürdig. Das muss nicht sein. Kartoffeln wachsen schließlich auch in Europa. Die Süßkartoffeln dann auch noch per Post quer durch Europa zu schicken, muss eigentlich auch nicht sein. Verpackungsmaterial, und Transport könnte man sich sparen.

Die Bio-Süßkartoffel aus North Carolina dann auch noch als echte Innovation anzupreisen, macht das ganze zu einer wirklich sonderbaren PR-Aktion. Worin die Innovation besteht? Sie besteht in der Art und Weise, wie das Label – schließlich kann auch eine Süßkartoffel ein Markenprodukt sein – auf den Süßkartoffeln angebracht wurde. Das Anschreiben verrät: „Dank unserer Methode des natürlichen Labelings bringen wir ein Bio-Siegel oder Kundenlogo auf einer Frucht an, ohne dafür irgendeine Art von Verpackungsmaterial zu verwenden. Ausschließlich mit einem gebündelten Lichtstrahl werden Pigmente in der äußersten Schicht der Schale entfernt.“ Ein Markenlogo, das per Laserstrahl auf Kartoffeln angebracht wird – okay. Das mag eine Innovation sein.

Was sagt uns das über die moderne Nahrungsmittel-Industrie?

Dass es ein lohnendes Geschäft ist, Gemüse über Ozeane zu transportieren, ist keine Überraschung. Bei manchen Sorten lohnt es sich sogar, dafür das Flugzeug zu benutzen. Und dass Essen Markenware sein kann, ist auch keine Überraschung. Dass inzwischen sogar Kartoffeln zum Markenprodukt werden, ist allerdings schon ein bisschen seltsam.

Heutzutage lässt sich rund um Lebensmittel eine Menge Wertschöpfung generieren. An den vier Knollen, die nun in unserer Redaktion auf dem Küchentisch stehen, haben ihre Produzenten in North Carolina verdient, vermutlich gleich mehrere Logistik-Unternehmen, ein Importeur aus den Niederlanden und eine PR-Agentur aus Frankfurt am Main. Ehrlicherweise muss man sagen, dass BIORAMA durch diesen Artikel letztlich auch ein Teil dieser Wertschöpfungskette wird. Und im Normalfall kämen noch Einzelhandelsunternehmen dazu.

Es sind auch diese langen Wertschöpfungsketten, die dazu führen, dass dort, wo Lebensmittel hergestellt werden, immer weniger Gewinn übrig bleibt, nämlich in der Landwirtschaft. Und das setzt die Landwirtschaft unter Druck, immer scheineffizienter und billiger zu produzieren – zu Lasten der Umwelt. Das gilt im Fall der konventionellen Landwirtschaft ganz besonders. Die Bio-Landwirtschaft sollte sich diesem Druck nicht selbst unterwerfen. Die Alternative zur Bio-Süßkartoffel mit Laser-Branding aus den USA bleibt Bio-Gemüse aus der Region. Es ist natürlich nicht per se verwerflich, dafür Marketing zu betreiben. Einzelne Süßkartoffeln durch die Gegend zu schicken, um ihr Markenlogo anzupreisen, erscheint allerdings wirklich unnötig.

Hinweis: In einer ursprünglichen Version dieses Artikels wurden die Süßkartoffeln auch als Kartoffeln bezeichnet. Allerdings sind Süßkartoffeln lediglich entfernt mit der Kartoffel verwandt. 


Wurst mit Hirn

 

 

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1 Reaktion

  1. Ganz so innovativ ist auch das Label auf der Frucht auch nicht, habe vorgestern hier im Rewe eine Bio-Avocado mit genau so einem Label gekauft 😉

    LG Michaela