Mythbusting: Lüften 

Im Umgang mit Hitze halten sich einige hartnäckige Irrtümer...

Eine Illustration einer Person, die aus einem offenen Fenster blickt, neben ihr eine Pflanze und ein Hund.
Besonders im Sommer ist falsches Lüften ineffektiv bis kontraproduktiv. Bild: Istock.com/SV Sunny.

Lüften – das Konzept wurde im Sommer 2024 auf dem amerikanischen Blog Apartment Theory »Deutsches Herbstritual« genannt und als »Wellness-Trend« betitelt, den man unbedingt ausprobieren sollte. Das in den USA offensichtlich weniger verbreitete Lüften ist in Österreich und Deutschland nach wie vor eine naheliegende Grundmaßnahme für ein gesundes Raumklima – und trotzdem kursieren darüber viele Irrtümer. Besonders im Sommer ist falsches Lüften schlicht ineffektiv bis kontraproduktiv.

Mythos: Im Sommer lüften hilft gegen Schimmel

Der Gedanke, dass regelmäßige oder konstante Luftzirkulation durch lange geöffnete Fenster Feuchtigkeit aus den Räumen ziehen lässt, mag naheliegen – doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Warme Außenluft enthält viel Feuchtigkeit und kann in kühleren Räumen (insbesondere in Kellerabteilen) zu Kondensation führen, die wiederum ein ideales Verbreitungsmilieu für Schimmelpilz bietet. Tatsächlich ist die beste Methode gegen Schimmel zeitlich begrenztes Stoßlüften, am besten frühmorgens oder spätabends, da zu diesen Zeiten die Temperaturen am niedrigsten sind. Am kältesten ist es im Laufe des Tages kurz vor oder sogar kurz nach Sonnenaufgang.

Mythos: Am Vormittag ist es zu spät zum Lüften

Lüften um zu kühlen? Eine Uhrzeit, ab der es zu spät zum Lüften zur Raumabkühlung ist, gibt es nicht. Das hängt vom Wetter oder der Sonneneinstrahlung in einen bestimmten Raum ab. Um Diskussionen abzukürzen, kann man sich an dem Grundsatz orientieren, dass Lüften so lange (oder so bald wieder) Sinn macht, wie die Außentemperatur die Innentemperatur nicht übersteigt. Auch Pflanzen und Beschattung im Außenbereich können sich auf die Innentemperatur auswirken.

Mythos: Gekippte Fenster sorgen für gute Luft

Auch wenn sie dauerhaft gekippt bleiben, geht bei gekippten Fenstern nur wenig Luftaustausch vonstatten. Dazu kommt, dass durch sogenannte Wärmebrücken, wenn an einer Stelle am Gebäude die Wärme schneller als an umliegenden austritt, wieder Kondensation und Schimmelbildung eintreten können.
Richtiges Stoßlüften reduziert nicht nur Feuchtigkeit, sondern kann, wenn richtig angewendet, die Temperatur in Räumen deutlich senken.

Mythos: Ventilatoren machen nur heißen Wind

Ventilatoren kühlen die Luft nicht wirklich, sondern bewegen sie nur. In Kombination mit feuchten Tüchern oder Bettlaken können sie aber durch Verdunstungskälte die Raumtemperatur leicht senken und bieten so eine stromsparende Alternative zur Klimaanlage. Besonders für Räume, in denen Querlüftung nicht möglich ist, kann es hilfreich sein, den Ventilator beim Stoßlüften vor das Fenster zu stellen und so die Luftzirkulation zu beschleunigen.

Mythos: Nur Klimaanlagen kühlen Räume effektiv

Klimaanlagen regulieren die Temperatur schnell und effektiv. Doch die Systeme sind teuer und brauchen viel Energie – und auch regelmäßige Wartung, damit sich das Klimagerät nicht zur Keim- und Bakterienschleuder entwickelt. Es gibt durchaus andere Methoden, Räume nachhaltig abzukühlen: Besonders außen an den Fenstern angebrachte Rollläden oder Jalousien etwa verringern die Wärme, die durch Sonneneinstrahlung im Raum entsteht. Auch in Büroräumen ein Klassiker: Viele Elektrogeräte stellen eine relevante Wärmequelle dar und sollten, sofern sie nicht benutzt werden, vollkommen abgeschaltet werden und nicht im Standby-Modus laufen.

Hier hat BIORAMA weitere nützliche Tipps für heiße Tage – und hier solche für kalte gesammelt.



BIORAMA #97

Dieser Artikel ist im BIORAMA #97 erschienen

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