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Pizzeria Disgusto: Illustrierter Wortwitz für Italo-Fans

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Zeichner und Illustrator Michael Hacker im Selbstporträt.

Illustrator Michael Hacker über Blödeleien, die Leidenschaft seiner italienischen Freunde fürs Essen und seinen Sammelband „Pizzeria Disgusto“. Ein Interview.

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Dass der Illustrator und Gig-Poster-Künstler Michael Hacker die Codes der Skate- und Subkultur mit breitentauglichen Schmähs auch in die Ebene des Alltags überführt ist nichts ganz Neues. Seine vielleicht immer noch gelungenste Arbeit – die „Brainwashing Machine“ aus dem Jahr 2012 – kennen wohl trotzdem nur wenige. Zu oft bewegt sich Hacker im Schatten der großen Lifestyle-Marken, die seine originellen Auftragsarbeiten finanzieren. Berührungsängste kennt der aus Feldkirch stammende Wahlwiener kaum. Auch seine „künstlerischen“ Arbeiten sind letztlich werblich. Wir reden von Konzertpostern für Bands wie Queens of The Stone Age, Green Day, Dinosaur Jr oder die Eagles of Death Metal. Wer jetzt an den legendären Frank Kozik denkt, liegt nicht falsch. Diesem zutiefst US-amerikanischen Erbe und einer Jugendkultur, in welcher das Testosteron in Form von Pickeln in blasse, zumeist weiße Gesichter einschießt, ist auch Michael Hackers jüngster Streich verpflichtet. Der Name des Bands, „Pizzeria Disgusto“, ist unmissverständlich – und Programm. Wenn man will, dann zelebrieren Zeichnungen wie „Miami Slice“, „Gnocchi Balboa“ oder „Ghostpastas“ auch die globalisierte italienische Küche. Unterm Strich werden hier aber vor allem ungustiöse Schmähs ausgekostet und derbe Geistesblitze in Illustrationen festgehalten.
Ist das ‚Bubenkunst’ für alternde Jünglinge, ausgemalt von einem, der sich selbst jetzt dann auch schon sein halbes Leben rasieren muss? Egal. Hackers Arbeiten anzusehen ist ein Vergnügen. Das gilt gerade auch für die in „Pizzeria Disgusto“ gesammelten.

 

„Pizzeria Disgusto“: seinen Band hat Michael Hacker von der Crowd via Kickstarter vorfinanzieren lassen.


BIORAMA: Warum Pizza?
Michael Hacker: Die ersten Ideen für „Pizzeria Disgusto“ entstanden einerseits beim Herumblödeln mit italienischen Freunden und anderseits beim Zeichnen in mein Skizzenbuch. Nachdem ich eine Handvoll Ideen hatte, habe ich mich schließlich einige Wochen auf Pizza, Pasta und Co konzentriert und mir über hundert Wortspiele ausgedacht. Manche Ideen sind gleich ausgeschieden, da sie sich nicht wirklich in einem Bild umsetzen ließen. Und einige davon habe ich dann bei der Umsetzung noch stark verändert und überarbeitet. Obwohl ich ca. eineinhalb Jahre an „Pizzeria Disgusto“ gearbeitet habe, bin mir sicher, dass mir irgendwann wieder ein Wortspiel einfällt, dass ich unbedingt im Buch hätte haben wollen…
Glitzer, Glitzer – jeder mag Pizza. In „Pizzeria Disgusto“ dreht es sich aber nicht nur um Pizza. Auch eine „Zuppa Mario“, „Gnocchi Balboa“, „David Brusguetta“, „Spa Ghetti“ oder „Pasta Rhymes“ hast du dir ausgemalt. Warum ist die Italo-Küche so popaffin?
Michael Hacker: Das liegt nicht so sehr an der italienischen Küche sondern vielmehr an meiner Vorliebe für Wortspiele, die schon seit jeher einen wichtigen Bestandteil meiner Arbeit ausmachen. Mir war es wichtig, dass nur ein kleiner Teil der Cartoons mit popkulturellen Referenzen spielt und die Mehrheit der Witze auch ohne dieses Wissen verständlich ist.

„Miami Slice“ – Wortspielereien ziehen sich durch „Pizzeria Disgusto“ (Illustration: Michael Hacker)

Du hast dein Buch von der Crowd vorfinanzieren lassen. Wer sind denn die Leute, die sich für deine derben Schmähs und grausige Illus begeistern kann?
Michael Hacker: Die Unterstützer der Kickstarter-Kampagne kamen aus insgesamt 30 Ländern. Anscheinend gibt es von Liechtenstein über Russland bis nach Singapur Menschen, die „Pizzeria Disgusto“ witzig finden. Und natürlich auch ein paar ItalienerInnen. In Wien gibt es das Buch mittlerweile bei Pictopia, Bilderbox, Morawa, Rabbit Eye Movement und den Komische Künsten im Museumsquartier. Oder in meinem Webshop

„Pizza Guillotino“, illustriert von Michael Hacker

Gibt’s auch Pizzerien, in denen dein Band aufliegt?
Michael Hacker: Bisher noch nicht …
Aber Anfragen von Pizza-Zustellern, ob du Pizza-Kartons für sie gestalten möchtest, gibt es noch keine, oder?
Michael Hacker: Während der Crowdfunding-Kampagne gab es eine Kollaboration mit „Vice“ und „Pizza Mann“. Ich habe dafür einen Pizzakarton gestaltet und eine Illustration aus „Pizzeria Disgusto“ fand darauf Verwendung.

„Pizza Romana“: Bei Michael Hacker ernähren sich Romulus und Remus von – genau! – Pizza. (Aus: „Pizzeria Disgusto“)

Italienische Lebensmittel werden samt Italo-Lifestyle weltweit als „Eataly“ vermarktet. Bist du abgesehen vom Essen auch italophil?
Michael Hacker: Nicht wirklich, aber ich fand es immer faszinierend, was für ein leidenschaftliches Verhältnis meine italienischen Freunde zu Essen und Kochen haben.
„Die österreichische Küche wird unterschätzt“, meint der Frankfurter Ernährungsethnologe Marin Trenk. Auch sonst sind sich Kulinarikkenner weitgehend einig, dass neben der italienischen und einigen asiatischen Ess-Traditionen gerade auch die österreichische Küche das Zeug dazu hätte, global zu begeistern. Kannst du dich für den Kult ums Schnitzel auch begeistern?
Michael Hacker: Definitiv. Wenn ich auswärts esse, dann am liebsten ein Schnitzel in einem urigen Wirtshaus.

„Gnocchi Balboa“ – in „Pizzeria Disgusto“ triumphieren teils spätpubertäre Wortspielereien, dass es nur so eine Freude ist. (Illustration: Michael Hacker)

Fiele dir zu anderen typisch österreichischen Speise auch etwas ein?
Michael Hacker: Kann gut sein, aber das Reizvolle an Pizza, Pasta und Co war, dass die italienische Küche in vielen Teilen der Welt bekannt ist und somit meine Cartoons auch weltweit verstanden werden.

Zurück nach „Eataly“: Wann warst du zuletzt in Italien?

Michael Hacker: Letzten Dezember. Anlässlich von „Filler DIY“ – einer Grafikmesse mit Schwerpunkt auf Illustration, Siebdruck und Skateboard in Mailand.
Die letzte Frage muss sein: Hast du eine Lieblingspizza?
Michael Hacker:
Pizza Diavola. Wegen der Credibility…

„Pizza Spionaci“ aus Michael Hackers Band „Pizzeria Disgusto“


Weiterlesen? Der deutsche Ernährungs-Ethnologe Marin Trenk erklärt im Interview, wie und warum Deutschland sich kulinarisch abgeschafft hat – und wieso mittlerweile selbst im „Islamischen Staat“ Pizza gegessen wird. Und falls du jetzt Hunger, aber keine Lust auf Pizza hast – hier erklärt Parvin Razavi wie du das perfekte Gulasch kochst.

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Thomas Weber

Herausgeber

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