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Hat Niederösterreich die Energiewende jetzt geschafft?

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Bild: Josef Hofer, Flickr, CC BY-ND 2.0
Soll laut EVN bis 2025 stillgelegt werden: das Kohlekraftwerk Dürnrohr
(Bild: Josef Hofer, Flickr, CC BY-ND 2.0)

„Wir sind unabhängig von Strom aus fossilen Energieträgern“ stellt Erwin Pröll, Landeshauptmann in Niederösterreich fest. Hat das Land damit die Energiewende geschafft? 

Schon seit über 40 Jahren steht in Zwentendorf an der Donau inmitten der Gemüse-Anbauregion Tullerfeld ein Atomkraftwerk. Ans Netz ging es nie. Denn den Betrieb verhinderte 1978 ein Volksentscheid, der knapp gegen die Erzeugung von Strom aus Atomenergie in Österreich ausging. Seither dient die gut gewartete und kostspielige Ruine als Stahl- und Beton gewordene Erinnerungshilfe daran, für welche Energieerzeugung sich die Menschen damals entschieden haben. Damit geriet in den 70ern ein Prozess in Gang, der inzwischen dazu geführt hat, dass Niederösterreich, das „Land unter der Enns“, sich seit dieser Woche als energieautark bezeichnet – und das ganz ohne Atomenergie, und auch ohne Energie aus fossilen Quellen. Niederösterreich hat die Energiewende quasi geschafft. 100 Prozent der in Niederösterreich verbrauchten elektrischen Energie stammen aus erneuerbaren Energieträgern.

Das ist ein Erfolg, der sich auch international herumspricht. Ein schöner Erfolg auch für Erwin Pröll in seinem 24. Jahr als Landeshauptmann und für Landesrat Stephan Pernkopf, die Energiepolitik in St.Pölten entschiedener zur Chefsache gemacht haben, als man es in vielen anderen Hauptstädten tut.

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Der Termin für die Pressekonferenz zum erreichen dieses Ziels, für das seit 2002 ganze 2,8 Mrd. Euro in den Ökostromausbau geflossen sind, wurde mit Bedacht auf den Jahrestag des Volksentscheids von 1978 gelegt. Energiewende mit Tradition, sozusagen.

In Wald-, Wein-, Most- und Industrieviertel fließt Ökostrom pur – könnte man nun meinen. Ganz so ist es dann doch nicht. Und deshalb gibt es zum Beispiel auch Kritik von Global 2000 an der Inszenierung als Energie-Musterland. Schließlich betreibt der Energieversorger EVN, der mehrheitlich im Besitz der niederösterreichischen Landesholding ist, in Dürnrohr weiterhin ein Kohlekraftwerk. „Die Landesregierung in Niederösterreich hat einige Erfolge bei der Energiewende vorzuweisen. Für eine glaubwürdige Umsetzung der Energiewende, muss jetzt aber als nächster Schritt der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2020 gelingen“, mahnt Global 2000 Klimasprecher Johannes Wahlmüller. Die Abschaltung des Kohlekraftwerks in Dürnrohr hat EVN für 2025 angekündigt. Das ist für Johannes Wahlmüller zu lang: „Wenn die EVN einen Beitrag zum Klimaschutz leisten will, dann muss sie spätestens bis 2020 aus Kohle aussteigen. In zehn Jahren ist das Kohlekraftwerk ohnehin schrottreif und am Ende der Lebensdauer angelangt. So lange können wir aus Klimaschutzgründen nicht mehr warten.“ Das Kohlekraftwerk wurde nach dem Aus für das AKW Zwentendorf übrigens als Ersatz für den Atommeiler in Betrieb genommen.

Bild: Stefan Ledwina, Flickr, CC BY-SA 2.0

Bild: Stefan Ledwina, Flickr, CC BY-SA 2.0

Hat Niederösterreich nun die Energiewende geschafft?

Dass die Energiewende ein langer Prozess ist, und das man bei Energiegewinnung und -Effizienz immer weiter optimieren kann, liegt auf der Hand. Deshalb wäre es falsch zu behaupten, Niederösterreich habe die Energiewende schon geschafft.

Der profilierte Energieexperte und Strategie-Berater Georg Günsberg meint dennoch: „Es ist positiv, dass man im Strombereich auf 100% Erneuerbare setzt, bzw. den Ausbau weiter vorantreibt, denn Abnehmer für den erzeugten Strom sind ja unabhängig von den Landesgrenzen da, zum Beispiel die Großstadt Wien. Man muss aber die Relationen sehen. Wichtig ist zu wissen, dass knapp zwei Drittel davon aus der Wasserkraft kommen, wo auch die großen Donaukraftwerke reinfallen. Aber Strom macht weniger als 20% des Gesamtenergieverbrauchs in Niederösterreich aus.“ Für eine ländliche Region, die noch dazu an Donau und Enns liegt, ist es unlängst einfacher, beim Strom unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden, als für urbane Regionen mit viel Industrie.

Damit es auch in Niederösterreich bei der Energiewende ambitioniert weitergeht, kommt es auf mehr als die Stromversorgung an, meint Günsberg: „Strom ist nur ein Teil der Energiewende. Wichtig ist jetzt, auch im Wärmesektor den Anteil der Erneuerbaren zu erhöhen und den Verbrauch zu reduzieren. Und auch die Wende in der Mobilität zu schaffen, wäre ein weiteres Ziel. Da hat Niederösterreich mit seiner (Zer)Siedlungsstruktur deutlich größere Probleme.“

 

 

 

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