Buchrezension: »Woman on Fire«

Nachgelesen für Männer, die mitsprechen können wollen, wenn von Prämenopause und Perimenopause die Rede ist und ...

Cover des Buches »Woman on Fire« von Sheila de Liz.
Sheila de Liz, »Woman on Fire«, Rowohlt, 2020. Bild: Rowohlt.

Laut dem Vorwort zur 25. Auflage dieses Bestsellers gibt es »ein Leben vor und ein Leben nach dem Lesen von ›Woman on Fire‹«. Die Anrede richtet sich ausschließlich an die »liebe Leserin«. Ich bin als Mann allenfalls mitgemeint. Das ändert nichts an meiner Neugierde – und daran, dass ich nach der Lektüre dieses leicht zu lesenden Buchs hilfreich mehr über mich und meine weibliche Umwelt weiß als davor. Über den Unterschied von Prämenopause und Perimenopause beispielsweise hatte ich mir davor ehrlicherweise noch keine Gedanken gemacht. Über sehr viel anderes auch nicht. Doch was auch mir als Mann klar war: Die Geschichte der Menopause ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und gleichzeitig mit einer Enttabuisierung der Menstruation war und ist auch die Enttabuisierung der Menopause fällig. Genau das leistet dieses Buch der in Wiesbaden praktizierenden Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Sheila de Liz. Ihr gelingt es, die Fortschritte in der Menopausen-Medizin zu beschreiben, die Veränderungen während der Wechseljahre im Körper, im Kopf und in der Seele zu entmystifizieren – und als völlig natürlich zu kontextualisieren. Der Autorin geht es darum, Frauen über 40 ein Vokabular zu geben für »die crazy Dinge, die du erlebst«, um bei der Gestaltung der Wechseljahre eine mündige und aktive Rolle spielen zu können und »um eine geile zweite Lebenshälfte zu haben«. Die Verheißung: »Wenn du alles richtig machst, wird dein sechzigjähriges Selbst sich bei deinem jetzigen Ich bedanken.« Gut möglich, dass de Liz das mit diesem Buch wirklich gelingt. Manches bleibt zwar stilistisch gewöhnungsbedürftig und etwas gar »populär«. So bekommen wir es etwa mit »Hormonstars« zu tun: Östrogen wird von Schauspielerin Drew Barrymore gespielt, Progesteron von Cameron Diaz und Lucy Liu gibt das Testosteron. In dieser Konstellation bewegen wir uns durch das Koordinatensystem des Hollywood-Blockbusters »Charlie’s Angels« (aus dem Jahr 2000). Das schafft als Referenzuniversum Nähe und ist wohl auch einer der Gründe für den Erfolg dieses Ratgebers. Fazit? Vielleicht braucht es genau solch ein Buch auch für die männliche »League of Extraordinary Gentlemen«.

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Cover des Buches »Woman on Fire« von Sheila de Liz.

Sheila de Liz, »Woman on Fire«, Rowohlt, 2020. Bild: Rowohlt.

BIORAMA #103

Dieser Artikel ist im BIORAMA #103 erschienen

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