Ausgezeichnet: Das sind die Bioprodukte des Jahres 2022

65 Bioprodukte waren nominiert. Diese 9 haben die Jury wirklich begeistert - und wurden als »Bioprodukte des Jahres« ausgezeichnet.

Der Andrang war groß, die Auswahl alles andere als leicht: Ganze 65 außergewöhnliche Produkte hatten es in die engere Wahl geschafft (siehe dazu die Shortlists in den Kategorien Farm & Craft und Retail & Big Brand). Erstmals waren bei der Wahl für die Bioprodukte des Jahres Einreichungen aus allen neun Bundesländern vertreten – von direkt am Neusiedlersee bis (fast) zum Bodensee. Seit 2018 vergeben BIORAMA und die Messe Wieselburg die begehrten Auszeichnungen. Auch Bio Austria ist wieder als Kooperationspartner beteiligt.

Auffällig viele nominierte Produkte basieren heuer auf innovativen Ansätzen Food Waste & Loss zu vermeiden, den Fleischkonsum genussvoll zu reduzieren oder das Tierwohl weiter zu verbessern.

Vorgesehen war, die Auszeichnung in sieben Kategorien zu vergeben. Geworden sind es schließlich 9 ausgezeichnete Bioprodukte des Jahres. Das liegt einerseits am Ex-aequo-Ergebnis durch Punktegleichstand in der Kategorie »Biogetränk des Jahres« – wo die Auszeichnung deshalb ausnahmsweise an zwei sehr unterschiedliche Produkte und Betriebe geht. Andererseits begeisterte ein anderes Produkt die Jury dermaßen, dass sie abermals davon Gebrauch machte, einstimmig eine Sonderkategorie auszuloben – diesmal für das Convenience-Bioprodukt des Jahres.

Die Bewertungskriterien der Jury – bestehend aus Reinhard Gessl (Forschungsinstitut für biologischen Landbau), Bio-Austria-Obfrau Gerti Grabmann, Jürgen Undeutsch (Messe Wieselburg), Kochbuchtexterin Sarah Krobath, Kulinarik-Journalistin und Kochbuch-Autorin Katharina Seiser und BIORAMA-Herausgeber Thomas Weber – waren abermals Innovation, Design, Nachhaltigkeit und NomNom/Spaßfaktur bzw. Geschmack.

Die Jury bzw. das Organisationsteam (v. l. n. r.): Katharina Seiser, Reinhard Gessl, Sarah Krobath, Gertraud Grabmann, Thomas Weber, Lisa Linsberger und Jürgen Undeutsch. (Bild: Messe Wieselburg)

Das sind die ausgezeichneten Bioprodukte des Jahres 2022:

Kategorie Farm & Craft:
Weinviertler Bio-Erdnussbutter von Roman & Stefan Romstorfer

»100% bio, 100% Erdnüsse und ein bissl Salz, 0% Klumpat«, fasst der Raggendorfer Biobauer Stefan Romstorfer zusammen, was er gemeinsam mit seinem Bruder Stefan unter der Marke Neuland präsentiert: »die allererste und allereinzigste Bio-Erdnussbutter aus dem Weinviertel«. Das wohlschmeckende, würzig geröstete Erdnussmus ist das Ergebnis von vier Jahren Feldversuch. Bereits 2017 hat er im niederösterreichischen Nordosten erstmals Erdnüsse angebaut; auch als Anpassung an den Klimawandel, weil es trockener wird – besonders im Weinviertel. Im Vorjahr wurden Romstorfers in Kooperation mit Ja! Natürlich zur Vorweihnachtszeit verfügbaren Bio-Erdnüsse als niederösterreichisches Bioprodukt des Jahres ausgezeichnet. Eine Erntesaison später kommt nun der Weinviertler Brüder Bio-Erdnussbutter auf den Markt – unter der eigens geschaffenen Marke Neuland. Bis auf die Röstung passieren alle dafür nötigen Verarbeitungsschritte auf seinem Hof. Abgefüllt wird in Gläser, die Etiketten sind aus Graspapier, der Versand läuft plastikfrei ab. Konsequent, stimmig, köstlich.

Jury-Mitglied Katharina Seiser: »Wer braucht denn das? Geht das wirklich? Ähnlich wie beim Ingwer reiben wir uns bei heimischen Erdnüssen ungläubig die Augen, weil wie sie ganz woanders verorten. Sie gedeihen hier aber gut und findige Landwirte wie die Romstorfers haben getüftelt, sie auch heil aus der Erde und nach mehreren Wasch-, Trocknungs-, Röst- und Selektionsdurchgängen ins Nikolaussackerl zu bringen. Natürlich bleibt da Bruch über. Es ist nicht nur nachhaltig, sondern kulinarisch von überzeugender Qualität in Geschmack und Textur, was daraus gemacht wurde: Erdnussbutter wie in Amerika, nur noch besser, sehr aromatisch, zart süß (ohne gesüßt zu sein!), genau richtig salzig, cremig, nicht pappig. Und apropos »Wer braucht denn das?« War das nicht vor gar nicht so langer Zeit auch bei Erdäpfeln und Paradeisern so?«

Wird im Weinviertel eingebürgert: die Erdnuss und ihre »Butter«. (Bild: Neuland)

Kategorie Farm & Craft – Niederösterreich:
Bio-Kichererbsen-Miso von Genusskoarl

Karl Severin Traugott »bringt Würze ins Leben« – und das in beeindruckender Konsequenz. Schon 2016 gründete der junge Brauer in 8. Generation mit einer von ihm entwickelten Lupinen-Würzsauce das Unternehmen Genusskoarl. Nach einer Reihe von Auszeichungen (zuallererst wurde die Lupinensauce als Bioprodukt des Jahres gewürdigt) ist die »Wiener Würze« längst etabliert, gut erhältlich und aus vielen Küchen nicht mehr wegzudenken. Bereits seit einiger Zeit braut der Genusskoarl auch eine »Tiroler Würze«, eine »Schoarfe Würze« und eine »Salat Würze«. Und nun hat der gebürtige Salzburger ein traditionelles Miso auf den Markt gebracht – mit Bio-Kichererbsen. Vier Zutaten – Wasser, Rollgerste, Kichererbsen und unjodiertes Salz – mehr braucht es nicht, um im Weinviertler Wolkersdorf ein klassisches Miso aus besten regionalen Biozutaten zu fermentieren. Ins Glas kommt es in traditionell grobstückiger Tsubu-Qualität und lässt sich dort gut lagern und zum Verfeinern und Würzen von Suppen, Gemüsegerichten, Eintöpfen, Fleischsaucen und Wokspeisen einsetzen.

Jurorin Sarah Krobath: »Mit seiner Kichererbsen Miso ist dem Genusskoarl-Team eine geschmacklich ausgewogene und in der Küche vielseitig einsetzbare Würzpaste gelungen. Auch von der stückigen Konsistenz war ich positiv überrascht.«

Juror Reinhard Gessl: »Miso ist in der österreichischen Küche noch nicht ganz angekommen. Noch bestellt man »beim Asiaten« als Vorspeise sicherheitshalber lieber die Frühlingsrolle, statt der Misosuppe. Das wird sich mit dem Angebot des sehr gefälligen, mild-würzigen Kichererbsenmiso in bester österreichischer Bio-Qualität nun hoffentlich ändern. Super gut für den Boden, super gut für mich.«

Einer der innovativsten niederösterreichischen Biobetrieb, der Genusskoarl, begeistert die Jury mit seinem Bio-Kicherebsen-Miso. (Bild: Genusskoarl)

Kategorie Farm & Craft – Oberösterreich:
»Ich bleib am Hof« Bio-Kalbfleisch von Sonnberg

Die KonsumentInnen kaufen mehr Biomilch und Biokäse als Biofleisch. Das Problem: Die Kälber von Biomilchkühen landen deshalb gar nicht so selten in konventionellen Rindermastbetrieben – oder sie werden in Drittstaaten exportiert. Wohin, ist nicht genau bekannt. Gleichzeitig importiert Österreich jährlich doppelt so viel billiges Kalbfleisch wie Kälber exportiert werden. Dieses Dilemma – untragbare Kälbertransporte und den Import von Billigfleisch – möchte das neue Projekt des innovativen oberösterreichischen Schlachtbetriebs Sonnberg auflösen. Der Name ist Programm und wurde zur Marke: »Ich bleib am Hof«. Das heißt: Derart gekennzeichnetes Fleisch stammt von Betrieben aus dem Mühl-, Wald- und Mostviertel, die ihre Kälber (per definitionem sind das Rinder bis zum Alter von sechs Monaten) mit hofeigener Biomilch direkt am Hof aufgezogen haben. Das erspart den Kälbern Strapazen, schon das Klima (weil Tiertransporte wegfallen), bietet Transparenz und liefert als besondere Delikatesse (u. a.) hochwertiges  Schnitzel von der Schale/vom Kaiserteil: perfekt für das original Wiener Schnitzel. Auch nicht schlecht: Das anfallende Faschierte ist als Bio-Kalbs-Faschiertes seit kurzem ist auch unter der Spar-Eigenmarke Natur pur erhältlich.

Jurorin Katharina Seiser: »Wird Zeit, dass das Thema Milchwirtschaft in allen Facetten beleuchtet wird und die Bio-Branche bessere Lösungen findet. Sonnberg geht mit diesen Kalbsschnitzeln voran. Hoffentlich kann der Hintergrund auch mittransportiert werden. Schmecken tun die bereits geschnittenen Kalbsschnitzel aber auch so: sehr saftig und aromatisch.«

Juror Reinhard Gessl: »Blass-rosa Kalbfleisch am Teller geht gar nicht. Im Wirtshaus nicht und zu Hause schon gar nicht. Das Kalbfleisch der 100 % Bio-Fleischerei Sonnberg hat nicht nur eine gesunde Farbe, sondern auch alle Tierwohlgarantien der Bio-Landwirtschaft. Mit diesem Angebot spricht nun rein gar nichts mehr gegen ein originales Bio-Wiener-Schnitzel. Das ist echter Genuss ohne Reue.«

»Ich bleib am Hof« heißt: Sonnberg erspart Biokälbern die Strapazen von Tiertransporten ins Ungewisse – und sorgt für bestes Biokalbfleisch aus regionaler Haltung. (Bild: Sonnberg Biofleisch GmbH)

Kategorie Retail & Big Brand:
Ja! Natürlich Bio-Ingwer aus dem Seewinkel vom Bio-Pusztahof Michlits

Trockenheit und die immer heißer werdenden Sommer machen der Landwirtschaft nicht nur im Burgenland zu schaffen. Dennoch ist der schon traditionell trockene Südosten Österreichs ganz besonders vom Klimawandel betroffen. Wenig verwunderlich also, dass Bäuerinnen und Bauern sich nach neuen Kulturen umsehen und ausprobieren, welche Feldfrüchte sich unter den sich ändernden Bedingungen bewähren. Am Pusztahof Michlits im Seewinkel versucht sich Biobauer Oliver Michlits bereits seit 2018 mit Kiwibeeren, Kurkuma, Ingwer und besonderen Gemüsesorten. Sein Ingwer aus dem Nordburgenland ist zwar überaus anspruchsvoll anzubauen, nun allerdings so weit gediehen, dass er in Kooperation mit Ja! Natürlich als regionale Bioware in den Regalen von Billa und Billa plus gelandet ist. Die Pflanzen werden zu Jahresbeginn vorgezogen. Erst Anfang April wandern sie in den Folientunnel, wo die Ingwerknollen erst im Spätherbst, gegen Mitte/Ende Oktober, wenn sich das Grün der Blätter bereits bräunlich verfärbt, geerntet werden.

Jurorin Gertraud Grabmann: »Saftig, gschmackig – Bio!«

Jurorin Katharina Seiser: »Dieser Ingwer wäre sogar eine Sensation, wenn er entweder nicht Bio oder nicht aus Österreich wäre, denn: so frisch, saftig und aromatisch hat es hierzulande die frischen Rhizome noch nie gegeben. Und in diesem ausgezeichneten Fall aus Seewinkler Bioanbau noch dazu. Das sind für mich jene Vorzüge der Globalisierung, die weniger oft als deren Nachteile genannt werden: Dass sich Biobetriebe trauen, Kulturen anzubauen, die hier Null Tradition haben, unterstützt durch garantierte Abnahme von der größten Biomarke des Landes. So geht Zusammenarbeit und Innovation auf Bio. Was für eine wunderbare Bereicherung der Winterküche!«

Juror Reinhard Gessl: »Im Burgenland geht nicht nur die Sonne auf, sondern neuerdings auch fruchtig-scharfer Bio-Ingwer. Die gesunde Knolle ist damit in bester, regionaler Bioqualität erhältlich, zudem sehr schön eingepackt. Die wertschätzende Kooperation von Ja! Natürlich mit den Biobauern im Seewinkel zeigt das unglaubliche Innovationspotenzial der heimischen Bioandwirtschaft auf.«

Ja! Natürlich lässt Bio-Ingwer im burgenländischen Seewinkel anbauen. Der saftige Ingwer überzeugt geschmacklich und mit niedrigeren CO2-Emmissionen als asiatischer oder südamerikanischer Importingwer. (Bild: Rewe)

Kategorie Getränke: (zwei Auszeichnungen, ex aequo)
Randig Ingwer Sirup vom Vetterhof

Die Urkraft der Erde und der Geschmack des Bodens – für all das stehen die drei Zutaten dieses besonderen Sirups: Randig (Vorarlbergerisch für die Rote Rübe bzw. Rote Beete), Ingwer und Rübenzucker. Was Gefahr läuft womöglich esoterisch zu klingen, schmeckt vor allem richtig gut und – im positiven Sinne – eigenwillig. Die Randig wachsen auf den Feldern des Lustenauer Vetterhof, einem Slow Food Partner und Bio-Austria-Partnerbetrieb der ersten Stunde. Alle weiteren Zutaten stammen aus Österreich (und natürlich aus ökologischer Landwirtschaft). Man fragt sich, warum das nicht schon eher kombiniert wurde: Der Ingwer sorgt für eine sachte Schärfe und wohlige Wärme, die Rüben garantieren die nötige Süße (Rübenzucker), ein kräftiges Pink und sorgen geschmacklich für eine angenehme Erdung (Randig). Klingt nicht nur ungewöhnlich; ist es auch. Und passt als selbstgemachter Soft Drink ebenso wie als das gewisse Etwas zum Mixen in jeder von Experimentierfreude geprägten Hausbar.

Jurorin Sarah Krobath: »Mit seiner leuchtenden Farbe, dem rübigen Duft und der ungewöhnlichen Kombination aus Ingwer-Schärfe und fruchtig-erdiger Roter Rübe ein ausgefallenes Trinkerlebnis und frischer Wind im fruchtlastigen Sirup-Angebot.«

Jurorin Katharina Seiser: »Der Randig Ingwer Sirup ist kein Crowdpleaser, denn obwohl mehrheitsfähig süß und trendig nach Ingwer duftend, steuern die Roten Rüben ordentlich Bodenhaftung und Eigensinn bei, typisch vorarlbergerisch halt. Ich kann mir das intensiv-erdige Aroma dieses Sirups vor allem in der Küche gut vorstellen: für Dressings von Wintergemüse, Bittersalaten, Linsen, Käferbohnen …«

Juror Reinhard Gessl: »Der Randig Sirup vom Lustenauer Vetterhof holt die Kraft und den Geschmack der Erde/des Bodens ins Glas. Die leuchtend rote Rübenfarbe ist ein Fest für unsere Augen, die frisch-erdige Süße macht ihn zum idealen Speisenbegleiter. Mit Leitungswasser oder gespritzt. Der Sirup eignet sich auch bestens als Zutat für Cocktails.«

Urtümliche Kraft, eigene Süße: der Randig Ingwer Sirup vom Vorarlberger Vetterhof (Bild: Kirstin Tödtling)

Kategorie Getränke: (zwei Auszeichnungen, ex aequo)
Wildshuter Bio-Hopfen Gin von der Brauerei Stiegl

Es gibt wahrlich kaum noch einen Landstrich, der nicht begonnen hätte, seinen eigenen Gin zu vermarkten. Nicht immer, aber doch gar nicht so selten von beeindruckender Qualität. Dementsprechend schwer ist es geworden, im nach wie vor anhaltenden Gin-Trend mit wirklich Besonderem hervorzustechen. Der Stieglbrauerei – beziehungsweise deren Gut Wildshut als exquisiter R-&-D-Außenstelle mit Raum und Muße für Experimente – ist das mit dieser Kreation allerdings gelungen: dem Wildshuter Hopfengin mit feinsten, handverlesenen Zutaten, darunter der bereits im Namen angedeutete Saphir-Aromahopfen, der dem sonst geschmacklich von Wacholder, Zitrone und Latschenkiefer geprägten Gin eine zusätzliche Note verleiht. Ein charakterstarker Gin für KennerInnen, die ihn nicht bis zur Unkenntlichkeit mit Tonic strecken wollen. Kann man auch genussvoll pur trinken.

Jurorin Sarah Krobath: »Der Hopfen Gin hält, was die edle Aufmachung und die neugierig stimmende Bezeichnung versprechen: ein überraschend aromatisches und rundes Geschmackserlebnis mit langem Nachhall.« 

Jurorin Katharina Seiser: »Craft Gin ist ja nix Neues mehr, aber a) mit Hopfen (wie es sich für eine Brauerei gehört) und b) so dermaßen harmonisch wie der Wildshuter Hopfen Gin, dass man Sorge hat, ihn mit einem Tonic zu verhunzen, das ist – in Bio noch dazu – die Ausnahme.«

Jury-Mitglied Reinhard Gessl: »Was Stiegl im Gut Wildshut in Flaschen füllt, ist nicht nur immer besonders konsequent in Bio-Kreislaufwirtschaft hergestellt, sondern auch geschmacklich ein Liebesbeweis an die Fülle einer intakten Natur. Der Hopfen Gin interpretiert das alkoholische Trendgetränk mit der Bittere von Aromahopfen und Latschenkiefer besonders erfreulich. Ein herausragender Gin in Bioqualität.«

London Dry Gin mit 12 Botanicals: der Wildshuter Hopfen-Gin vom Stiegl-Gut Wildshut (Bild: Brauerei Stiegl)

Kategorie Bio Austria:
Speckup – Bio-Rinderspeckpulver von Robert Weißengruber

Schon die Bezeichnung Speck ist reichlich ungewöhnlich, wenn von Rindfleisch die Rede ist und nicht von Schweinernem. Aber Speckpul-was? Speckpulver, genau! 97 Prozent geriebener und geräucherter Rinderspeck, der Rest: Natursalz, Wacholderbeeren, Kümmel, Pfeffer, Majoran, Lorbeerblätter, Knoblauch und natürlich Rauch. Das schmeckt wie es klingt: intensiv nach Rindfleisch, würzig, angenehm rauchig. Auch der argumentative Ansatz, mit dem der Einsatz von Speckup gepriesen wird, verwundert – zumindest aufs erste. »Gerade in der heutigen Zeit schauen viele Leute darauf, ihren Fleischkonsum zu minimieren.«, weiß Robert Weißengruber jun., Biooxnfleisch-Vermarkter aus dem Mühlviertel. Was ihm als Ochsenmäster dabei hilft, den ganzen Schlachtkörper seiner Black Angus Rinder zu verwerten, möge anderen helfen, lustvoll den eigenen Fleischkonsum zu mäßigen. Bereits eine Prise Speckup reicht, um ein einfaches Gericht besonders aufzuwerten.« »Reduce to the max«, nannte man dieses Prinzip früher in der Werbung. Im Fall des Rinderspeckpulvers ist das aber kein Marketingblabla, sondern ein Versprechen, das Speckup auch wirklich halten kann: puren Genuss.

Jury-Mitglied Sarah Krobath: »Hinter dem modern verpackten und kongenial benannten Produkt verbirgt sich eine ebenso kreative wie nachhaltige Produktidee: hochwertiges Biofleisch als Gewürz einzusetzen.«

Jury-Mitglied Katharina Seiser: »Wahnsinnig aromatisches, aber zugleich nicht überwürztes grobes »Pulver« aus geräuchertem, geselchtem Rinderspeck. In der Jurysitzung wurden leider keine Spiegeleier vom Bio-Zweinutzungshuhn als Unterlage serviert, aber geruchlich/geschmacklich hat es uns auch so den Kopf verdreht. Könnte helfen, Fleischkonsum ohne jeglichen Verzicht zu reduzieren, weil man sehr wenig davon braucht und es trotzdem kein Fake ist.«

Juror Reinhard Gessl: »Speckup! Auf dieses Produkt – und diesen Namen – muss man einmal kommen. Mit dem kräftig schmeckenden Bio-Speckpulver aus Mühlviertler Biorindfleisch können alle, die unbedingt ein bisschen Fleisch- oder Rauchspeckgeschmack im Essen wünschen, vegetarisches Essen »aufpimpen«. Homöopathischer Fleischgenuss, sozusagen.«

Jurorin Gertraud Grabmann: »Mit einer Prise zum vollendeten Geschmack!«

Intensiver Speckgeschmack hilft beim Würzen weniger Fleisch zu essen – mit dem Bio-Speckup aus dem Mühlviertel. (Bild: Speckup)

Kategorie Biogarten:
Saatgut von Natürlich für uns

Biosaatgut ist in Österreich mittlerweile gut und zumindest im Frühjahr flächendeckend verfügbar – seit langem auch unter der Marke Natürlich für uns. Je nach Saison gibt es Anfang des Jahres stets um die 100 verschiedene Saatgutsäckchen, teilweise mit alten, besonderen Sorten (die deshalb erhalten werden können, weil sie genutzt und angebaut werden) und jedenfalls – wie alle 600 Bioprodukte von Natürlich für uns – CO2-neutral. Nun geht die »Green Brand« abermals einen Schritt weiter und hat ihr Saatgut (das durchwegs von Samen Maier stammt) in Sackerl aus Graspapier packen lassen. Alles ist zeitlos klassisch gestaltet und konsequent ganzheitlich gedacht: nachhaltiges Biosaatgut aus österreichischer Produktion – auch für die Balkon- und Gartensaison 2022.

Juror Reinhard Gessl: »Sehr erfreulich: Biosaatgut bekomme ich inzwischen schon fast überall, wo ich meine täglichen Einkäufe tätige. Das Natürlich-für-uns-Biosaatgut begnügt sich nicht mit einer ökologisch vorbildlichen Gewinnung, sondern packt das künftige Biogemüse und die künftigen Bioblumen in tolles Graspapier. Greift sich gut an, blüht schön, schmeckt gut.«

Jurorin Gertraud Grabmann: »Vorfreude auf Augenweide und Gaumenschmaus verpackt in Graspapier sät Hoffnung.«

Ganzheitliche Nachhaltigkeit für Garten, Balkon und Fensterbank: das Biosaatgut von Natürlich für uns wird in Graspapier verpackt. (Bild: Natürlich für uns)

Kategorie Convenience:
Käsekrainer mit Gemüse von Rebel Meat

Weniger Fleisch, das fällt vielen von uns schwer. Rebel Meat hilft dabei, den Fleischkonsum genussvoll zu reduzieren ohne dass sich das nach Verzicht anfühlt – mit Burgern, Würsten und hochwertigen »Fleischmischprodukten«, die zeigen, dass eine Reduktion des Fleischkonsums ganz einfach und ohne Kasteiung möglich ist. Bereits 2020 wurde der Burger-Patty des Wiener Start-ups als Gastro-Bioprodukt des Jahres ausgezeichnet. Sein Käsekrainer mit Gemüse und Emmentaler ist wirklich würzig.
Die auf der Verpackung angeführte Formel birgt kein leeres Versprechen: 40% Fleisch + 60% Veggie = 100% Genuss. Neben Hirse und Emmentaler sorgen für die besondere Saftigkeit dieser Käsekrainer v. a. der hohe Anteil an Karfiol (aus EU-Biolandwirtschaft), der geschmacklich allerdings ganz im Hintergrund bleibt. Das Biofleisch stammt zu 100% von Schweinen und von Rindern aus Österreich.

Jurorin Gertraud Grabmann: »Zart, geschmeidig und würzig – eine Wurst, die auf der Zunge zergeht!«

Jurorin Katharina Seiser: »Die Idee von Rebel Meat ist schon wirklich gut: Traditionelle Produkte aus Fleisch geschmacklich und optisch genau gleich wie bisher anzubieten, nur einen Teil des Fleisches durch Gemüse zu ersetzen. Der komfortabelste Weg, weniger totes Tier zu essen, ohne dass irgendwer es merkt. In dem Fall auch geschmacklich. Beweis: Nach der Jurysitzung mit knapp 60 verkosteten Produkten aßen wir die restlichen Käsekrainer (gebraten, mit ebenfalls eingereichtem Kimchi und Senfkaviar) auch noch auf, weil sie uns einfach schmeckten. Einzige Gefahr: dass man sich danach allzu bequem in der vermeintlichen Weltverbesserei einrichtet – denn das Essen von Rebel Meat wird nicht reichen.«

Juror Reinhard Gessl: »Die Rebel Meat Käsekrainer setzen das Konzept einer 3R-Nutztierhaltung sehr konsequent um. »Reduce« durch weniger Fleisch (in der Wurst), »Refine« durch beste Biotierhaltung und schlussendlich »Replace« durch das teilweise Ersetzen von Fleisch durch bestes Biogemüse. Sehr g’schmackig, mit zart-schmelzendem Bioemmentaler. So geht moderner Fleischgenuss!«

Würzig, saftig und fleischreduziert: die Käsekrainer mit Gemüse und Emmentaler von Rebel Meat. (Bild: Rebel Meat)

Welche Produkte waren für das Bioprodukt des Jahres 2022 nominiert?
Hier geht es zur Shortlist in den Kategorien Farm & Craft und Retail & Big Brand.

Bioprodukt des Jahres

Die Bioprodukte des Jahres – seit 2018 küren die Messe Wieselburg und BIORAMA herausragende Bioprodukte Österreichs.

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