Süßer Frost – die Beeren der kalten Jahreszeit

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Jetzt ist er bald da, der Winter. Doch gerade die Kälte bringt uns besondere kulinarische Genüsse, die der Sommer nicht bieten kann.

Genießbar, giftig oder köstlich – auf manche Beeren trifft alles zu, abhängig von ihrem Reifestadium, den Witterungsverhältnissen und der Zubereitung. Denn einige Früchte werden erst durch Frosteinwirkung für uns Menschen bekömmlich:

Die Mispel (Bild: Barbara Schrattenholzer, Natur im Garten)

Die Mispel (Bild: Barbara Schrattenholzer, Natur im Garten)

Die Mispel (Crataegus germanica, Mespilus germanica)

Die Mispel ist ein Kleinbaum und war im Mittelalter in Süd- und Mitteleuropa eine der wichtigsten Obstarten. Dass sie seit dem 19. Jahrhundert in Europa bedeutungslos geworden ist, liegt an der etwas aufwendigeren Verarbeitung ihrer Früchte, weswegen sie zu teuer für den Markt ist.

Die bräunlich-goldfarbene Frucht besitzt nämlich nur wenig Fruchtfleisch, aber dafür mehrere Steinkerne. Am besten drückt man die Frucht wie einen Dressierbeutel durch den Stielansatz aus und gewinnt so ein aromatisches Mus. Die Mispel schmeckt zart süß und gleichzeitig leicht herb.

Mispelfrüchte erntet man, nachdem sie am Baum durchgefroren sind, also nach den ersten Frösten.
Alternativ kann man sie auch vorher pflücken, in eine Kiste legen und dort durchfrieren lassen, dann werden sie nicht gatschig und fallen vom Baum.

Leuchtend rote Schnebälle? (Bild: Barbara Schrattenholzer, Natur im Garten)

Leuchtend rote Schneebälle? (Bild: Barbara Schrattenholzer, Natur im Garten)

Der Gemeine Schneeball (Viburnum opulus)

Die leuchtend roten Beeren des Schneeballs sind allgemein als giftig bekannt. Doch das stimmt nur bedingt. Die vollreifen Früchte sind für unsere Geschmacksnerven zwar gewöhnungsbedürftig, können aber laut dem „Natur im Garten“ Experten Gregor Dietrich durchaus roh gegessen werden. Giftig ist allerdings der Rest der Pflanze sowie die Kerne. In Russland sind die Früchte eine Delikatesse und es ist ihnen auch das berühmteste russische Lied gewidmet: Kalinka heißt nichts anderes als Schneeballbeerchen.

Zur Verwertung: Vor Frosteinwirkung sind die Beeren sehr bitter und stinken (Buttersäure). Langes, wallendes Kochen von Saft oder Marmelade (die Früchte werden durch ein Sieb gedrückt, um die giftigen Kerne zu entfernen) führt zum Abbau der Buttersäure, aber auch zu deren Entweichen. Deshalb nachher und währenddessen gut lüften.

Die Schlehe (Bild: Natur im Garten)

Die Schlehe (Bild: Natur im Garten)

Die Schlehe

Die Schlehe wird auch Schlehdorn genannt und ist ein ökologisch sehr wertvolles Gehölz.
Ihre Früchte schmecken herb-säuerlich und wirken adstringierend. Durch Frosteinwirkung wird dies abgemildert und die herbe Geschmacksnote entwickelt sich in Richtung Süße.
Trotzdem ist sie nicht unbedingt etwas für den Rohgenuss.
Umso besser machen sich die kugeligen, blau bereiften Früchte als Saft, Sirup oder Marmelade.

Für den Garten gibt es auch Sorten, die kompakt bleiben und sich nicht durch Ausläufer stark vermehren.


Buchtipp:

Mehr zu Wildobst und dessen vielseitige Verwendungsmöglichkeiten gibt es in dem Buch „Obstraritäten im naturnahen Garten“, geschrieben vom „Natur im Garten“ Experten Mag. Gregor Dietrich.
Viele Portraits von heimischen und exotischen Wildobstarten, Tipps zu Ernte, Kultur und Verarbeitung laden zum Schmökern ein.


Alle Infos rund um das naturnahe Gärtnern gibt es auf www.naturimgarten.at

Für die persönliche Beratung stehen Ihnen die Expertinnen und Experten am „Natur im Garten“ Telefon unter +43 (0)2742 / 74 333 gerne zur Verfügung.

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