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Lasst uns Mauern bauen: „Wolfsfreie Zonen“ – ein populistischer Humbug

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Ein Wolf wandert durchs Weinviertel; fotografiert im März 2015 von Markus Furch. (Foto: Gerhard Hintringer)

„Wolfsfreie Zonen“ fordert der Landesjagdverband NÖ und zwar durch den Abschuss von Tieren, die sich in diese Zonen begeben. Nun – wie kann das umgesetzt werden? Ein Gastkommentar der Wildtierökologin und Jägerin Lena Schaidl.

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Lena Schaidl, Wildtierökologin und Jägerin, hält die Forderung nach „wolfsfreien Zonen“ für populistischen Humbug. (Foto: Atelier Robert Bayer)

Wer sich mit der Biologie von Wölfen beschäftigt, weiß, dass Wölfe sehr schnell sehr weit wandern können. Ein Tier, das in Deutschland besendert wurde, ist beispielsweise in zwei Monaten 1.550 Kilometer bis nach Weißrussland gewandert. 50 Kilometer in einer Nacht zurück zu legen, das ist für einen Wolf keine Seltenheit.
Wie soll man also Wölfe beispielsweise von Almen fern halten? Bis ihre Anwesenheit bemerkt wird, können sie längst weiter gewandert sein und sie können jederzeit an jedem Ort auftauchen. Diese äußerst agilen Caniden gänzlich von einem Ort fern zu halten, wäre nur möglich, wenn er mit unüberwindbaren Mauern von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Lasst uns also Mauern bauen – um unsere Almen – damit wir sie beschützen können. Aber wer ist dann im Käfig? Wir oder der Wolf?

Der Wolf kehrt zurück – ihn davon abzuhalten, gleicht einer Kriegserklärung. Ob wir wollen oder nicht – wir müssen uns auf die Gegenwart des Wolfes einstellen.
Wolfsreie Zonen einzurichten, ist ein populistischer Humbug – wir könnten den Wolf nur in ganz Europa ausrotten und eine Mauer zu Russland bauen, damit er von dort nicht wieder neu einwandern kann. Aber wollen wir das wirklich?

Der Wolf: ein Opportunist
Vor über hundert Jahren wurde der Wolf durch sehr intensive Bejagung in Mitteleuropa ausgerottet. Heute sind die Wilddichten in unseren Wäldern so hoch, wie nie zuvor. Die Jägerschaft kommt mit dem Abschuss von Wildschweinen nicht hinterher – und ja, der Wolf frisst auch Wildschweine. In Deutschland besteht seine Hauptnahrung aus Rotwild, Rehwild und Wildschweinen.

Am Truppenübungsplatz Allensteig in Niederösterreich, wo das derzeit einzige Rudel an Wölfen in Österreich lebt, besteht die Hauptnahrung aus Rotwild. Aber der Wolf ist ein Opportunist. Er greift nicht gezwungenermaßen auf Weidetiere zurück, wenn es kein Rotwild gibt. Er kann sich auch sehr gut von Reh und Wildschweinen ernähren. Er holt sich die Beute, die am leichtesten zu erbeuten ist.

Wir haben in den vergangenen 100 Jahren ohne Wolf in Österreich verlernt, mit dieser Wildart in unseren Wäldern und Feldern zu leben. Die Angst vor dem Wolf ist groß – das meiste Wissen über Wölfe kommt aus Mythen und Märchen, die wahrlich ein düsteres Bild des Wolfes zeichnen. Für den Menschen ist der Wolf nur in äußerst seltenen Fällen eine Gefahr – die sicherlich größte Gefahr für Leib und Leben durch den Wolf besteht für Schafe, Ziegen und Jungrinder auf unbewachten Weiden und Almen. In dieser Sache ist auch die Republik Österreich gefragt, um Betroffenen ausreichend Information und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, um ihre Herden zu schützen, Schäden zu vermeiden oder zu ersetzen.

Österreicher sehen Wolf mehrheitlich positiv
Denn wie die jüngst erschienen Studie von Linzer Market-Institut zeigt, ist die Mehrheit der Österreicher gegenüber dem Wolf positiv eingestellt – und zwar nicht nur die Städter, sondern auch durch den Wolf direkt Betroffene – wie etwa Landwirte und Jäger.
Zur Zeit schreien die Wolfsgegner am lautesten und das ist schade – denn der Wolf kehrt auf leisen Pfoten zurück und kann uns dabei unterstützen, unsere Wildbestände gesund zu halten. Lesen Sie also lieber noch einmal nach, bevor Sie sich ans Mauerbauen machen.

Ad personam:
Lena Schaild ist Wildtierökologin und Jägerin.


Weiterlesen zum Thema Wolf? Seit Jahren widmen wir uns bei BIORAMA regelmäßig der Rückkehr des Wolfs nach Mitteleuropa. Hier findet sich eine Übersicht der erschienenen Artikel und Reportagen – etwa ein Interview mit dem Vorarlberger Rinderzüchter und Bio-Bauern Simon Vetter oder die Anleitung „Das solltest du tun, wenn dir ein Wolf begegnet“, mit Auskünften von Wollforscher Kurt Kotrschal.

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2 Antworten

  1. Martina Waßmann sagt:

    Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass seit 2016 in Deutschland über tausend Weidetiere, inkl. erwachsener Rinder, den Wölfen zum Opfer fallen. Tendenz stark steigend. Insofern ist die Aussage, dass ganz unproblematisch überwiegend Wild gefressen würde, schlicht falsch! Obwohl (noch) viel Wild da ist, werden viele Weidetiere gefressen, müsste es heißen!
    Die Muffelwildpopulationen in Ost- und Norddeutschland wurden in den letzten Jahren bereits so weit dezimiert, dass eine Ausrottung der reinsten Genpoole europäischen Muffelwldes unmittelbar bevorsteht.
    „Wilkommen Wolf“ heißt es hier, in Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen, Mecklenburg und Schleswig Holstein, schon lange nicht mehr!
    Zumal die Wölfe häufig völlig unbeeindruckt von Menschen, großen Maschinen und Lärm, auch tagsüber in und an den Ortschaften herumlaufen, und auch innerorts und in Stallungen Tiere gerissen werden!
    Ein 70- 90 cm (Doggengröße) großes Großraubtier, das problemlos Bisons, Wisente, Pferde und Rinder tötet und sogar Bären angreifen würde …

  2. Martina Waßmann sagt:

    Über tausend Weidetiere jährlich muss es heißen.
    Diese werden teilweise „nur lebendig angefressen“ und leiden dann, bis sie gefunden werden Höllenqualen. Röchelnde Schafe mit nur angebissenen Kehlen, Tiere, denen die Eingeweide heraushängen, während sie sich noch vorwärtsschleppen, Tiere, die Bisse durch den Schädelknochen bis ins Gehirn haben, Tiere mit fast weg gefressenen Keulen, die sich trotzdem auf den Beinen halten.

    In Wolfsregionen, nimmt die Fruchtbarkeit der Weidetiere durch den Dauerstress rapide ab. Insgesamt gibt es schlechte Gewichtszunahmen bei heranwachsenden Tieren.
    Nach Wolfsübergriffen, gibt es unzählige Verlammungen und Verkalbungen. Großtiere werden durch Wolfsübergriffe auch häufig durch Zäune getrieben und landen auf Straßen und Schienen und gefährden dadurch Menschenleben. Es gibt keinerlei Zäune, die panische Rinder oder Pferde aufhalten würden!
    Außer … man baut doch überall Mauern, oder 3,5m hohe Zoo-Zäune mit zusätzlich hoher Zaunspannung.

    Dann hat zwar das Wild keinerlei Chance mehr auf die Flächen zu kommen und Biotope und Habitate werden zerschnitten (genetischer Austausch unmöglich gemacht). Kleinsäuger und Amphibien werden durch hohe Spannungen an den Untergrabschutzlitzen „gegrillt“.

    Aber auf all diese Arten kommt es ja nicht an, solange Europa nur möglichst viele Wölfe hat „Ironie off“