Vegane Bücher: Wie viel Tier im Buchdruck steckt

Eine Druckerei aus Niederösterreich präsentiert das erste V-Label zertifizierte Kinderbuch...

»Oh Obst«, erschienen im oberbayerischen Zeitlang Verlag. (Bild: Gugler Medien GmbH / Jürgen Thoma)
»Oh Obst«, erschienen im oberbayerischen Zeitlang Verlag. (Bild: Gugler Medien GmbH / Jürgen Thoma)

Es liegt nicht auf der Hand, doch auch in »Druckerzeugnissen« – wir sprechen von Büchern, Postern, Flyern – kommen mitunter tierische Materialien zum Einsatz; beispielsweise Farben, Leime oder Beschichtungen. »Immer wieder wollten KundInnen wissen, ob Druckprodukte auch vegan hergestellt werden können«, sagt Kerstin Gubicza, Kundenbetreuerin der Druckerei Gugler aus dem niederösterreichischen Melk.

Nachfrage bringt auch ein entsprechendes Angebot. Daraufhin wurden Materialien geprüft, Prozesse analysiert, Standards definiert. Mit dem Ergebnis, dass Gugler für sein erstes Buch das offizielle und extern überprüfte V-Label verwenden darf – für ein veganes Kinderpappebuch des deutschen Zeitlang Verlags mit Sitz im oberbayerischen Moosburg an der Isar. In Deutschland bieten beispielsweise Oeding Print aus Braunschweig oder Königsdruck aus Berlin bereits seit einigen Jahren vegane Druckereiartikel an. Die Buchbinderei Vegabook im baden-württembergischen Ottersweier hat sich sogar darauf spezialisiert. »Mir ist wichtig, dass meine Kinderbücher wirklich nachhaltig produziert werden«, schreibt Zeitlang-Verlegerin und Buchgestalterin Julia Neumayr in der Presseaussendung der Druckerei Gugler. »Gerade bei Kinderbüchern sollten wir besonders genau hinschauen, wie sie hergestellt werden und welche Materialien darin stecken. Hier möchte ich bewusst auf tierische Bestandteile verzichten.«

Ethische Druckereiprodukte: was nicht vegan ist

Die Zertifizierung mit dem V-Label sei Teil der Nachhaltigkeitsstrategie von Gugler. Sie ergänze das derzeitige Angebot, das aus Standards wie FSC, das Österreichisches Umweltzeichen und die Cradle-to-Cradle-Zertifizierung besteht. Das V-Label erweitert dieses um die Dimension des Tierwohls.
Manchmal enthalte sogar das Papier selbst Leime mit tierischen Bestandteilen wie Gelatine oder Kasein – »zur Verbesserung der Nassfestigkeit«, erklärt Johannes Gilli, der in der Veganen Gesellschaft Österreich die ursprünglich in der Schweiz entwickelte V-Label-Zertifizierung über hat. Solche gebe es auch in Bindemitteln für die Oberflächenveredelung von gestrichenen Papiersorten. Tierische Fette wiederum kommen als Bindemittel und Additive in vielen Druckfarben zum Einsatz. »Auch manche Sonderfarben enthalten Farbpigmente tierischen Ursprungs, zum Beispiel Karmin«, sagt Gilli. Als weitere kritische Materialien nennt er Heftdraht (tierische Ziehmittel), Heftfaden (Farbe, Schlichtemittel), Lacke (Stearin, Schellack) und Auswaschlösungen (tierische Enzyme).

Nächster Schritt: das vegane Hardcover-Buch

Ob ein veganes Buch automatisch nachhaltiger ist, bleibt diskussionswürdig. Schließlich kann die Nutzung tierischer Nebenprodukte auch Teil effizienter Verwertungsketten sein. Für ein Buch über Obst – das ansprechende Büchlein »Oh Obst« möchte Kleinkindern Lust auf Obstvielfalt und pflanzliche Naschereien machen – ist eine vegane Buchproduktion aber jedenfalls stimmig. Zumal die tierischen Materialien in verarbeiteten Industrieprodukten völlig unklarer Herkunft sind und im wahrscheinlichsten Fall aus Intensivtierhaltung stammen.

Kerstin Gubicza (Druckerei Gugler) präsentiert das erste vegan zertifzierte Kinderpappebuch. (Bild: Gugler Medien GmbH / Jürgen Thoma)
Kerstin Gubicza (Druckerei Gugler) präsentiert das erste vegan zertifzierte Kinderpappebuch. (Bild: Gugler Medien GmbH / Jürgen Thoma).

Wie nachhaltig ist die Verlagswelt?

Die Druckerei sucht in ihrer Aussendung jedenfalls bereits nach einem Partnerunternehmen für die nächste Produktkategorie: »Wer bringt mit Gugler das erste vegan gedruckte Hardcover-Buch auf den Markt?«

Dass es in der Buchbranche punkto Nachhaltigkeit noch Luft nach oben gibt, zeigt eine 2025 an der IMC Krems verfasste Masterarbeit (»Verantwortung in der deutschen Buchverlagsbranche«). Autorin Friederike Harr, selbst in der Verlagsleitung des Wiener Brandstätter Verlags, konstatiert, dass Nachhaltigkeit branchenweit nicht als Kernaufgabe wahrgenommen wird – unter anderem wegen Kostendruck, Konzentrationsprozessen und fehlender Nachfrage. Eine zentrale Frage ihrer Analyse lautet: »Wie schaffen wir Transparenz in der Lieferkette?« Das vegane Obstbüchlein liefert darauf eine mögliche Antwort: durch Wissen über die Materialien, die wir uns ins Regal stellen oder im Kinderzimmer aufs Nachtkästchen legen.

Hier gibt es mehr zum Thema vegane Produkte: Zum Beispiel dazu, wie ein Produkt »geprüft vegan« wird.

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